Nachgefragt Was sich die Handwerksbranchen für 2022 wünschen

Was erwarten die Gewerke im neuen Jahr? Was nehmen sie sich für 2022 vor? Die Deutsche Handwerks Zeitung (DHZ) hat in den Handwerksbranchen nachgefragt.

Corona in den Griff bekommen: Das Handwerk hofft auf ein Jahr der wirtschaftlichen Erholung. - © Jonathan Schöps - stock.adobe.com

Das Handwerk startet verunsichert ins neue Jahr. Die Corona-Krise, hohe Materialkosten und Personalmangel machen den Betrieben zu schaffen. Eine aktuelle Umfrage der Handwerkskammer für München und Oberbayern bestätigt, dass das Handwerk mit zwiespältigen Gefühlen auf das kommende Jahr blickt. Danach rechnen 30 Prozent der Befragten für 2022 mit einem Umsatzplus, im Vorjahr waren es 15 Prozent. 24 Prozent befürchten dagegen Einbußen. Im Vorjahr lag dieser Wert bei 39 Prozent.

Erleichtert zeigten sich Vertreter verschiedener Gewerke, dass die neue Bundesregierung schnell und komplikationslos gebildet werden konnte. In der vergangenen Legislaturperiode hatte es eine mehrmonatige, quälende Hängepartie gegeben. "Die zügigen und sehr disziplinierten Koalitionsverhandlungen sind möglicherweise ein gutes Omen für den Stil und die Geschlossenheit der künftigen Regierungsarbeit", sagt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks.

Wünsche, Erwartungen und Vorsätze für 2022

Oberstes Ziel der neuen Regierung muss nach Ansicht von Branchenbeobachtern sein, die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen, damit sich die Wirtschaft 2022 wieder erholen kann. "Der neue Bundeskanzler startet in einer Zeit, die keine Schonfrist oder gar Aufschub zulässt, sondern sogleich entschlossenes Regierungshandeln abverlangt", so Wollseifer.

Welche Themen die einzelnen Branchen beschäftigen, was sie sich für 2022 wünschen und welche Erwartungen die Gewerke an die neue Regierung haben? Die DHZ hat bei den Zentral- und Bundesverbänden nachgefragt:

Bäcker

"Wir begrüßen die schnelle Koalitionsbildung und die geplante Abschaffung der EEG-Umlage", sagt Michael Wippler, Präsident Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. Einige Punkte seien im Koalitionsvertrag allerdings zu kurz gekommen: wie eine massive Entbürokratisierung und ein klares Bekenntnis zum Mittelstand. "Besonders die anvisierte Mindestlohnerhöhung, steigende Rohstoff- und Energiepreise sowie der Fachkräftemangel werden uns im kommenden Jahr beschäftigen", sagt Wippler.

Metallbauer und Feinwerkmechaniker

Das baunahe Metallbauerhandwerk geht verhalten optimistisch ins neue Jahr. Die Stahl- und Metallbaubetriebe erhoffen sich für 2022 Impulse aus den von der neuen Regierung angekündigten Investitionsvorhaben für Bauwirtschaft und Infrastruktur.

Die zuliefernden Betriebe der Feinwerkmechanik blicken dagegen mit erheblicher Skepsis auf das Jahr 2022. "Erneut nachlassender Ordereingang in der Industrie, gestörte Lieferketten sowie Preiserhöhungen sind vielfach existenzbedrohend", hieß es beim Bundesverband Metall.

Dachdecker

Die Dachdecker werten es als besonders erfreulich, dass der Bausektor als Schlüsselbranche ein eigenständiges Bauministerium bekommt. "400.000 neue Wohnungen zu schaffen, ist begrüßenswert, wenngleich ambitioniert, angesichts von Fachkräftemangel und knappen Materialien", sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Dachdecker-Handwerks, Ulrich Marx. Als enttäuschend bezeichnete es Marx dagegen, "dass die Koalition für den größten Ausgabeposten des Bundeshaushaltes, der Rentenversicherung, keine Lösungen zur Bewältigung der massiven Finanzierungsprobleme vorhält".

Orthopädie-Techniker

Die Orthopädie-Technik hofft auf mehr Anerkennung. "Alle aus unserem Fach arbeiten jeden Tag daran, dass die Hilfsmittelversorgung die Anerkennung erfährt, die ihr zusteht - und genau das wünschen wir uns auch für das kommende Jahr: mehr Wertschätzung", schreibt der Verband. Zur Wertschätzung gehöre, sich auf Augenhöhe zu begegnen. Daher werde im kommenden Jahr die enge Zusammenarbeit mit den angrenzenden Fachdisziplinen sowie den Krankenkassen und der Politik fortgeführt und wenn möglich vertieft.

Maßschneider

Der Bundesverband der Maßschneider blickt trotz Widrigkeiten vorsichtig optimistisch in die Zukunft. "Insgesamt hat das Maßschneiderhandwerk in dieser Krise seine Widerstandsfähigkeit unter Beweis gestellt." Mitgliederwerbung, Nachwuchsförderung und Digitalisierung seien 2022 Schwerpunkte.

Brauer

Die Brauwirtschaft rückt die Sicherung der Rohstofferzeugung in den Mittelpunkt. "Die Versorgung der mittelständischen Brauwirtschaft in Deutschland mit Braugetreide aus der heimischen Landwirtschaft gestaltet sich zunehmend schwieriger, da Landwirte vermehrt bevorzugt auch für die Energieerzeugung verwendbare Pflanzen anbauen." Der Verband Private Brauereien erhofft sich ein neues Denken in der Agrarpolitik. Die Versorgung der Lebensmittelwirtschaft mit heimischen Rohstoffen, so auch der Brauwirtschaft mit Braugetreide, müsse besser gefördert und sichergestellt werden.

Friseure

Manuela Härtelt-Dören, neu gewählte Präsidentin des Zentralverbandes der Friseure, blickt auf ein anstrengendes Jahr zurück. "Ich wünsche mir, dass wir in keinen Lockdown mehr reinlaufen und dass wir mit einer 3G-Regelung weiterarbeiten dürfen. Ich wünsche mir, dass die Wertschätzung in der Gesellschaft für die Friseure positiv bleibt und noch besser wird. Und ich wünsche mir, dass alle Friseure überleben und niemand mehr in Insolvenz gehen muss."

Gebäudereiniger

Auch den Gebäudereinigern steckt 2021 in den Knochen. Der Geschäftsführer des Bundesinnungsverbands des Gebäudereiniger-Handwerks Johannes Bungart sagt: "Da unser industrienahes Dienstleistungshandwerk nur läuft, wenn auch die Wirtschaft läuft, kann es für 2022 zurzeit nur einen zentralen Wunsch geben: die Eindämmung des Pandemietreibens über eine breite Impf- und Booster-Kampagne." Je schneller und nachhaltiger dies gelinge, desto eher könnten die Unternehmen in die Erfolgsspur zurückkehren.

Schuhmacher

Das Schuhmacherhandwerk sieht sich von Corona stark betroffen, da viele Schuhmacher ein Ladengeschäft haben, das sie zum Teil schließen mussten. Für die Zukunft setzt das Gewerk auf den Trend zur Nachhaltigkeit. Durch Reparatur könne die Lebensdauer von Schuhen erhöht werden "und damit wertvolle Rohstoffe länger im nutzbaren System bleiben", so der Zentralverband.

Maler und Lackierer

2022 soll bei den deutschen Malern und Lackierern das Jahr des Nachwuchses werden. "Talentierte junge Menschen für unser Handwerk zu gewinnen ist mit Abstand unsere wichtigste Aufgabe", so Mathias Bucksteeg, Hauptgeschäftsführer Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz. "Kreativität und das Erschaffen mit den eigenen Händen stehen bei der Generation Z hoch im Kurs." Digitale Kommunikation sei der Schlüssel, um mit der nächsten Generation zu arbeiten. "Ohne perfekten Social-Media-Auftritt und leistungsfähige Apps existiert man als Organisation für diese jungen Menschen gar nicht", sagt Bucksteeg.

Raumausstatter, Sattler und Feintäschner

Der Fachkräftemangel treibt auch den Zentralverband Raum und Ausstattung (ZVR) um. Die meisten Betriebe hätten volle Auftragsbücher und erwarten eine ähnliche Auftragslage für 2022. "Unsere größte Herausforderung ist der Fachkräftemangel und das sinkende Interesse an einer Ausbildung im Handwerk", so der ZVR. Ein großes Anliegen für 2022 sei die Rückkehr zur Meisterpflicht im Sattlerhandwerk.

Kürschner

Die Kürschner können den vergangenen Monaten durchaus positive Seiten abgewinnen. "Während Corona wurde die Wertigkeit unseres Materials noch mehr in den Vordergrund gerückt", sagt Wolfgang Lastner vom Zentralverband des Kürschnerhandwerks. Viele Kunden verzichteten auf Verpackung aus Kunstfaser und Plastik und wollten in Zukunft auch keine Jacken aus Stepp, Fleece, Daune und Multifunktionsmaterialien verwenden. Vielmehr legten diese Kunden Wert auf Naturmaterialien wie Lamm in Verbindung mit Naturstoffen, vor allem Wolle, Loden und Baumwolle. "Diese Änderung des Kaufverhaltens zeigt sich auch im Bereich Wohnaccessoires, bei denen immer mehr Felldecken, Sitzsäcke und Kissen aus Natur in den Fokus rücken."

E-Handwerker

Klimaschutz und Digitalisierung nehmen mit dem Koalitionsvertrag Fahrt auf. Den elektro- und informationstechnischen E-Handwerken falle dabei eine Schlüsselrolle zu, sagt Ingolf Jakobi, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). Dem dadurch weiterwachsenden Fachkräftebedarf könne nur begegnet werden, wenn das duale Ausbildungssystem mit der akademischen Ausbildung gleichgestellt werde. Jakobi fordert: "Unsere Mitgliedsbetriebe und deren Kunden brauchen dringend langfristige Planungssicherheit, was Investitionen in erneuerbare Energien angeht, damit sie die Energiewende erfolgreich umsetzen können."

Schornsteinfeger

Aus Sicht des Schornsteinfegerhandwerks sollte die Wärmewende technologieoffen gestaltet werden. Nur so sei es möglich, Millionen veralteter Heizungsanlagen sinnvoll durch effiziente Systeme zu erneuern. Das führe zu hohem Beratungsaufwand. "Hierbei wird das Schornsteinfegerhandwerk mit seinen mehr als 10.000 ausgebildeten Energieberatern einen großen Beitrag leisten", teilte der Verband mit. Durch Förderprogramme müssten Anreize gesetzt werden, damit die Sanierungsquote im Heizungssektor im Bereich der Gebäudehülle vorangetrieben werde. dhz