Kolumne Was mich ein falsches Namensschild lehrte

Ein Networking-Event wühlte die DHZ-Kolumnistin und Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg auf: Warum? Das wusste sie zunächst selbst nicht recht – bis der Groschen fiel. Die Erkenntnis? Eine Lektion für die Fachkräftesuche.

Kathrin Post Isenberg
Dieses Namensschild bewahrt DHZ-Kolumnistin Kathrin Post-Isenberg noch immer in einer ihrer Schubladen auf. - © Privat

Kürzlich war ich auf einem Networking-Event. Coole Stimmung, smarte Location, spannende Gäste. Es war nicht schwer, ins Networking zu kommen. Im Gespräch sagte schließlich ein Gast: "Wie cool, du hast einen Doktor-Titel!" Wie? Ich? Wieso? Der Blick aufs Namensschild half weiter. Versehentlich wurde mir ein "Dr." vor meinen Namen gedruckt. Mir, der Person, die noch nie eine Uni von innen gesehen hat.

Tatsächlich konnte ich es nicht, es war mir unfassbar unangenehm. Also nahm ich das Schild und trennte vorsichtig den "Dr." ab. Mit fremden Federn schmücken, mehr vorzugeben, als man ist, sich hinter Facetten zu verstecken, die einem nicht gehören – nein, so bin ich nicht. 

Ich bin Steinmetzmeisterin und Speakerin für Personalthemen. Ich spreche mit Leidenschaft über das Handwerk. Ich teile meine Erfahrungen aus dem Personalwesen am liebsten mit anderen. Ich rede unglaublich gerne auf der Bühne, in Webinaren oder Workshops. Ich bin Kathrin, 45 Jahre, und habe keinen Doktortitel. 

Authentizität: "Wir Handwerker sind echt"

Für mich war dieses Erlebnis wirklich augenöffnend. Das war mir noch nie passiert. Und auch wenn ich Namensschilder von Veranstaltungen nicht aufbewahre, dieses schlummert in einer meiner Schreibtischschubladen. 

Nach dem Netzwerkevent ratterte es gehörig in meinem Kopf. Warum hatte mich das so aufgewühlt? Und dann wurde es mir schnell klar: Autenzität. Das Wort, das ich in 9 von 10 Fällen falsch schreibe und die Autokorrektur bemühen muss.

Wir alle sammeln Erfahrungen, bilden uns weiter, wachsen in unserer Persönlichkeit. Aber was uns sympathisch, liebevoll, kantig und interessant macht, ist unsere Authentizität. Das ist es auch, was ich am Handwerk so liebe: Wir Handwerker sind echt. Wir sagen, was wir denken, wir zeigen, was wir können, wir lieben, was wir tun.

Kathrin Post-Isenberg
Steinmetzmeisterin und Bildhauerin Kathrin Post-Isenberg führte früher ihren eigenen Betrieb in Siegburg. Heute bringt sie ihre Erfahrung in Handwerksbetriebe ein und hilft ihnen, als attraktive Arbeitgebermarke sichtbar zu werden. - © Markus Zielke

Was bedeutet das für uns im Arbeitsalltag?

Hier sind drei praktische Tipps, wie Sie authentisch und überzeugend bleiben können: 

1. Stehen Sie zu Ihren Qualifikationen und Erfahrungen 

Im Handwerk zählt die echte Erfahrung und das Fachwissen, das Sie über die Jahre gesammelt haben. Nicht immer müssen Qualifikationsnachweise für ein ausgebautes Fachwissen vorliegen. Die Diversität auf den Baustellen, den Projekten, den Kunden, den Werkstattaufträgen verschaffen uns Erfahrung und das täglich aufs Neue. Ehrlichkeit schafft Vertrauen – bei Kunden und Mitarbeitenden. Zeigen Sie, wer sich aus Ihrem Team gerade in einer Weiterbildung, in der Ausbildung oder in einem Coaching befindet. Lebenslanges Lernen zeigt, dass Ihr Unternehmen zukunftsorientiert handelt. 

2. Kommunizieren Sie klar und offen 

Seien Sie transparent, wenn es um Ihre Arbeitsweise, Preise oder Herausforderungen geht. Kunden schätzen es, wenn sie wissen, woran sie sind, und Mitarbeiter fühlen sich stärker eingebunden, wenn sie klare Informationen bekommen. Transparenz in der Kommunikation ist das A und O. Ein klarer Unternehmenskompass – mit definierten ‚Core Values‘ – hilft dabei, dass sich alle an gemeinsamen Werten orientieren können. Wie reagieren wir wann auf was? Der Kopf des Unternehmens lebt es vor, die anderen machen es nach. Es gibt eine klare Richtlinie. 

3. Bleiben Sie Ihrer Persönlichkeit treu 

Versuchen Sie nicht, jemand zu sein, der Sie nicht sind. Gerade im Handwerk ist Echtheit ein Schlüssel zur Glaubwürdigkeit. Menschen arbeiten lieber mit jemandem zusammen, der authentisch und echt ist. Vertrauen wächst, wenn Sie Ihre eigene Art und Weise beibehalten. 
Und genau das brauchen wir auf Social Media, wenn es um die Fachkräftesuche geht. Ihnen ist es unangenehm in die Kamera zu sprechen oder dass im Hintergrund die Werkstatt nicht wie geleckt aussieht? Dann würden Sie lieber nichts auf den sozialen Kanälen posten? Das wäre sehr schade, denn Menschen brauchen Menschen mit Ecken, damit sie sich mit Ihnen identifizieren können. Niemand ist perfekt. 

Ich bin auf wirklich vielen Veranstaltungen unterwegs, aber diese eine bleibt mir ganz besonders im Gedächtnis. 
 
Und wer sind Sie? Seien Sie stolz auf das, was Sie ausmacht – und zeigen Sie es. 

Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint alle 14 Tage exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Abonnieren Sie den kostenlosen DHZ-Newsletter, um keine Ausgabe zu verpassen.