Ausbildungsserie Was Lehrlinge verraten, wenn sie schweigen

Verschränkte Arme, wippende Füße, flüchtiger Blick: Lehrlinge senden ständig Signale aus, oft unbewusst. Was bedeuten diese Zeichen? In seiner Ausbildungsserie erklärt Ausbildungsberater Peter Braune, wie Sie die Körpersprache von Auszubildenden richtig deuten.

Ob Lachfältchen oder hochgezogene Augenbrauen – die Körpersprache von Auszubildenden gibt oft entscheidende Hinweise auf ihre innere Verfassung und ihr Engagement. - © Anca - stock.adob.com

Auszubildende kommunizieren ständig – auch wenn sie schweigen. Ihre Körpersprache, Mimik und Gestik sind wichtige Signale, die Gefühle, Einstellungen und Absichten offenlegen können. Für Ausbilder ist die Fähigkeit, diese nonverbale Kommunikation zu deuten, ein wertvolles Werkzeug im Berufsalltag.

Signale im Gesicht

Die Mimik ist ein offenes Buch, das Aufschluss über die Gefühlslage von Lehrlingen geben kann. Bestimmte Ausdrücke gelten als klare emotionale Zeichen.

  • Freude zeigt sich durch leicht nach oben gezogene Mundwinkel und Lachfältchen.
  • Traurigkeit äußert sich oft in hochgezogenen Augenbrauen und herabhängenden Mundwinkeln.
  • Angst signalisieren nach oben gezogene Augenbrauen, aufgerissene Augen und ein starrer Blick.
  • Ärger kann sich durch heruntergezogene Augenbrauen, eine Falte dazwischen und einen gespannten Mund äußern.
  • Überraschung führt zu hochgezogenen Augenbrauen und einem geöffneten Mund.
  • Ekel drückt sich durch eine gerümpfte Nase, angehobene Wangen und eine hochgezogene Unterlippe aus.
  • Verachtung lässt sich an einem einseitig hochgezogenen Mundwinkel ablesen, der das Gesicht ungleichmäßig wirken lässt.

Die Haltung verrät die Einstellung

Auch die Körperhaltung beim Stehen, Sitzen und Gehen liefert wichtige Informationen.

Eine gebeugte Sitzhaltung und nach vorne fallende Schultern können Unsicherheit signalisieren. Verschränkte Arme deuten auf mögliches Desinteresse hin. Wippende Füße weisen oft auf Nervosität oder Unruhe hin, herabhängende Schultern auf Müdigkeit oder eine gedrückte Stimmung.

Im Gegensatz dazu steht eine aufrechte, offene Haltung für Selbstbewusstsein, etwa während einer Präsentation. Füße in schulterbreitem Abstand deuten auf einen stabilen Stand hin.

Blickkontakt und Distanz schaffen Vertrauen

Der Blickkontakt vermittelt Aufmerksamkeit und Freundlichkeit. Wird er gemieden, kann dies auf Desinteresse, Gleichgültigkeit oder Scham hindeuten. Zu langes Anstarren hingegen kann als aufdringlich oder aggressiv empfunden werden.

Häufiger Blickkontakt signalisiert Interesse und aufmerksames Zuhören. Er kann Vertrauen aufbauen. Ein kurzes Heben der Augenbrauen beim ersten Blickkontakt kann Freude über das Gespräch zeigen. Flüchtige Blicke wiederum können den Eindruck erwecken, die Person wolle etwas verbergen. Für eine angenehme Gesprächsatmosphäre ist zudem ein angemessener Abstand wichtig, der etwa einer Armlänge entspricht.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Zum Autor: Peter Braune hat Farbenlithographie gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.