Kosten-Nutzen-Analyse der Ausbildung Was kostet ein Azubi?

Die Ausbildungskosten steigen insbesondere für kleinere Betriebe. Dennoch ist die Investition in Ausbildung weiter ein lohnender Weg, um zu Fachkräften zu kommen. Wie die Kosten-Nutzen-Rechnung ausbildender Betriebe aussieht.

Ausbilder im Gespräch mit Azubi in der Schreinerwerkstatt
Ausbildung kostet Betriebe nicht nur das Geld für die Ausbildungsvergütung, sondern vor allem viel Zeit. Dennoch lohnt sich die Investition. - © Robert Kneschke - stock.adobe.com

Die Kosten für Ausbildung sind gestiegen, speziell für Kleinbetriebe. Noch mehr sind aber die Kosten für die Suche nach Fachkräften am externen Markt gestiegen. Das zeigt die jetzt vorgelegte Kosten-Nutzen-Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) für das Ausbildungsjahr 2022/23.

Die durchschnittlichen Bruttokosten, die Betriebe pro Auszubildendem im Ausbildungsjahr 2022/23 investierten, lagen bei rund 26.200 Euro (Gesamtwirtschaft), im Handwerk bei 23.300 Euro. Das BIBB erklärt die Differenz mit der Höhe der Ausbildungsvergütungen, die im Handwerk durchschnittlich um ein Fünftel niedriger lagen als zum Beispiel im öffentlichen Dienst.

Durch ihre produktiven Leistungen gleichen Azubis die Bruttokosten zu etwa 70 Prozent aus. Im Handwerk erwirtschafteten sie im Durchschnitt knapp 15.600 Euro im Ausbildungsjahr 2022/23, wobei im Ausbildungsverlauf die Erträge steigen. Die Nettokosten der Ausbildung lagen im Handwerk also bei rund 7.700 Euro, in der Gesamtwirtschaft bei rund 8.100 Euro für das Ausbildungsjahr 2022/23.

Teure Suche nach Fachkräften

Wer versucht, am externen Markt ausgebildetes Personal zu gewinnen, investiert laut BIBB-Erhebungen im Schnitt 13.700 Euro. Diese Summe setzt sich zusammen aus Ausschreibungs- und Bewerbungskosten sowie aus Weiterbildungs- und Einarbeitungskosten der externen Kraft.

Die Schwierigkeiten, am externen Markt Bewerber zu finden, sind gerade für Kleinstbetriebe enorm. Im Schnitt brauchen sie laut BIBB-Studie 19 Wochen, um eine offene Stelle zu besetzen, beinahe doppelt so lang wie größere Unternehmen.

Warum sich Ausbildung lohnt

Wer in seinem Betrieb ausbildet, investiert in der Regel mehr, als der Azubi während seiner Ausbildungszeit erwirtschaften kann. Einen erheblichen Nutzen kann darüber hinaus die Weiterbeschäftigung ehemaliger Auszubildender als Fachkräfte darstellen. Folgende drei Gründe nennt die BIBB-Studie:

  1. Die externe Rekrutierung von Fachkräften kann aufgrund von Fachkräfteengpässen herausfordernd sein.
  2. Für Betriebe entsteht durch die eigene Ausbildung ein Informationsvorteil. Sie können die Produktivität der Auszubildenden bereits während der Ausbildung beobachten. Wie produktiv Bewerber vom externen Arbeitsmarkt sein werden, lässt sich dagegen nicht ohne Weiteres einschätzen.
  3. Durch die Weiterbeschäftigung der ausgelernten Azubis sparen sich die Betriebe Personalgewinnungskosten, beispielsweise für die Suche nach geeigneten Kandidaten und gegebenenfalls deren zusätzliche Weiterbildung und Einarbeitung.

Verbleib der Azubis im Betrieb

Grafik Was Ausbilder investieren
© Quelle: Report 2/2025 Bundesinstitut für Berufsbildung, Grafik: Holzmann Medien

Drei von vier ausbildenden Betrieben wollen möglichst all ihre Auszubildenden nach deren Abschluss weiter beschäftigen, 22 Prozent planen, zumindest einen Teil im Anschluss an die Ausbildung zu übernehmen.

Über die Jahre verlieren die Unternehmen allerdings auch einen Teil ihres selbst ausgebildeten Nachwuchses wieder. Ein Jahr nach Ausbildungsende waren vom Jahrgang 2022/23 noch 62 Prozent im Ausbildungsbetrieb, nach drei Jahren 45 Prozent, nach fünf Jahren 36 Prozent.

Auch hier ergeht es Kleinstbetrieben schlechter. Bei ihnen ist nach einem Jahr noch die Hälfte, nach drei Jahren ein Drittel und nach fünf Jahren nur noch ein Viertel der Absolventen im Betrieb.

© Quelle: Report 2/2025 Bundesinstitut für Berufsbildung, Grafik: Holzmann Medien

Höchstwert bei Übernahmen nach der Ausbildung

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) berichtet, dass im vergangenen Jahr Ausbildungsbetriebe so viele Auszubildende übernommen haben wie nie zuvor. Acht von zehn Azubis konnten in ihrem Betrieb bleiben, so das IAB. Seit 2010 ist dieser Wert um 18 Prozentpunkte angestiegen. Da die Zahl der Ausbildungsabschlüsse im selben Zeitraum um 14 Prozent gesunken ist, liegt die absolute Zahl der Übernahmen niedriger als in den Vorjahren.

Der Anteil der unbesetzten Ausbildungsstellen 2024 betrug 33 Prozent. ­Besonders große Besetzungsprobleme hatte das Baugewerbe. Hier blieben laut IAB-Studie mehr als vier von zehn Ausbildungsplätzen leer, im Kfz-­Bereich waren es 36 Prozent. Je kleiner der Betrieb, desto schwieriger. Die Gruppe der Kleinunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten fand nur für zwei von fünf Plätzen passende Bewerber.