Energiepreise Was der Iran-Krieg für Sprit, Heizöl und Gas bedeutet

Diesel so teuer wie seit April 2024 nicht, Heizöl binnen Tagen von unter 100 auf 120 Euro je 100 Liter, Erdgas mit dem stärksten Preissprung seit August 2023: Der Iran-Krieg treibt die Energiekosten. Wie lange der Anstieg anhält – und was Experten Verbrauchern jetzt raten.

An den Zapfsäulen zeigen sich die Folgen des Iran-Kriegs – in Deutschland ziehen die Spritpreise spürbar an. Wer den Preisanstieg mildern möchte, dem raten Experten zum Tanken in den Abendstunden. - © Anselm - stock.adobe.com

Der Iran-Krieg trifft Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland direkt: Die Preise für Sprit, Heizöl und Gas steigen spürbar. An den Finanzmärkten herrscht Unruhe – die Konjunktur könnte zusätzlich unter Druck geraten, sofern die Kämpfe länger andauern. Vor allem ein dauerhaft hoher Ölpreis birgt Risiken – für Haushalte, Unternehmen und die Exportnation Deutschland insgesamt.

Spritpreise ziehen kräftig an

An den Zapfsäulen schlagen die Kriegsfolgen sofort durch. Am Montag steigen die Spritpreise kräftig, nachdem sie schon am Wochenende angezogen haben. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Sonntags kostet laut ADAC ein Liter Super E10 1,794 Euro – 1,6 Cent mehr als am Freitag, dem letzten Tag vor den Angriffen. Das ist der höchste Wert seit Mai 2024. Diesel verteuert sich allein von Freitag bis Sonntag um 1,3 Cent auf 1,759 Euro je Liter – so viel wie seit April 2024 nicht mehr.

Am Montag beschleunigt sich der Anstieg weiter. "Die Zahlen am Vormittag deuten auf eine Dimension von drei bis vier Cent", sagt Christian Laberer, Kraftstoffmarktexperte des ADAC. Sollte sich das bestätigen, könnte Diesel den höchsten Preis seit 2023 erreichen.

Und es könnte weiter nach oben gehen: "Sollte der Ölpreis nicht bald wieder nachgeben, kann der Aufwärtstrend auch über die nächsten Tage anhalten", sagt Laberer. Mittelfristig gebe es Hoffnung auf gemäßigtere Preise – sofern sich die Lage am Golf beruhige. Denn die Opec+ hat angekündigt, die Fördermengen zu erhöhen. Schnelle Besserung ist dennoch nicht in Sicht: "Während steigende Ölpreise meist sehr schnell an den Zapfsäulen ankommen, dauert es bei sinkenden Preisen oft länger", sagt der Experte.

Wer beim Tanken sparen will, dem rät Laberer zu den Abendstunden – dann ist Sprit in der Regel günstiger als am Morgen. Außerdem lohne es sich gerade jetzt, Preise zu vergleichen. "Gerade in volatilen Zeiten können die Preisunterschiede zwischen einzelnen Tankstellen besonders hoch ausfallen."

Heizöl und Gas steigen noch stärker

Beim Heizöl fällt der Ausschlag noch deutlicher aus. Das Online-Portal Heizoel24 gibt den Preis am Montagvormittag zwischenzeitlich mit mehr als 120 Euro pro 100 Liter an. Noch am Freitag liegt er unter 100 Euro. Die Preise entwickeln sich am Montag sehr dynamisch. Schon am Samstag und Sonntag verzeichnet die Seite eine sehr hohe Nachfrage nach Heizöl.

Auch der Großhandelspreis für Erdgas legt stark zu: Zum Handelsauftakt am Montag gibt es den stärksten Preissprung seit August 2023. Der TTF – der europäische Referenzpreis für Erdgas – verteuert sich im Vergleich zu Freitag um rund 25 Prozent. Wegen langfristiger Lieferverträge dauert es aber üblicherweise eine Weile, bis Energieversorger Preisänderungen im Großhandel an Privatkunden weitergeben.

Der Ölpreis als entscheidender Faktor

Der Ölpreis ist – zusammen mit dem Dollarkurs – der wichtigste Treiber für Veränderungen bei Sprit und Heizöl. Die Eskalation des Konflikts treibt ihn unter anderem deshalb, weil der Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt hat. Die Meerenge zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel ist ein Nadelöhr für den weltweiten Energiehandel: Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert sie täglich, ebenso Flüssiggastransporte. Jede Störung kann die Energiepreise steigen lassen und die internationalen Märkte verunsichern.

Aktien unter Druck, Gold gefragt

An den Finanzmärkten sorgt der Iran-Krieg für Turbulenzen. Der deutsche Leitindex Dax gibt am Montag zunächst um 2,3 Prozent oder mehr als 500 Zähler nach, bevor er seine Verluste eindämmt. Besonders stark sinken die Aktienkurse von Chemie- und Touristikkonzernen. Der Reiseverkehr in Nahost ist zum Erliegen gekommen, zahlreiche Urlauber stranden dort. Der Luftraum ist weiträumig gesperrt, Flugzeuge starten nicht. Auch Kreuzfahrtschiffe fahren nicht ab. Die Lufthansa etwa meidet den Nahen Osten weitgehend.

Investoren setzen wegen der Unsicherheit verstärkt auf den "sicheren Hafen" Gold. Der Preis für eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) zieht auf fast 5.400 Dollar an. Das Rekordhoch von fast 5.600 Dollar von Ende Januar rückt damit wieder näher.

Was der Krieg für die Konjunktur bedeutet

Auch für die angeschlagene deutsche Wirtschaft birgt die Eskalation Gefahren. Bleibe es bei einem kürzeren Konflikt, seien die wirtschaftlichen Folgen begrenzt, meint Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank. Das Risiko liege in einem deutlichen Ölpreisanstieg bei einem länger anhaltenden Konflikt. "In diesem Falle wären die wirtschaftlichen Folgen signifikant."

Berechnungen der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigen laut Gitzel, dass ein Ölpreisanstieg um zehn Prozent mittelfristig das Potenzialwachstum um 0,2 Prozent drückt. Für die deutsche Wirtschaft, die nach Einschätzung der Bundesregierung dieses Jahr um rund ein Prozent wachsen dürfte, wäre das schmerzhaft.

Dass es bei einem nur wenige Tage dauernden Militärschlag bleibt, ist zumindest zweifelhaft. Nach Einschätzungen von US-Präsident Trump könnte der Krieg mit dem Iran noch vier Wochen dauern.

Ölpreis als Schlüssel für Warentransporte

Die Finanzmärkte haben sich auf den Iran-Konflikt eingestellt, was die Rohölpreise von etwa 60 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) auf über 70 Dollar steigen lässt. "Sollte sich eine wochenlange, effektive Sperrung der Transportwege aus dem Golf abzeichnen, wären Preissteigerungen bis über 100 US-Dollar die Folge, danach sieht es aber zurzeit nicht aus", sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank.

Dauerhaft hohe Ölpreise können den Transport von Waren spürbar verteuern – etwa über höhere Frachtraten für Schiffe oder teureren Sprit für Frachtflugzeuge. Die Exportnation Deutschland würde das besonders treffen.

"Dauerte der Krieg nur wenige Wochen, wäre die Wirtschaft hierzulande faktisch nicht betroffen", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Zöge sich der Krieg dagegen mehrere Monate hin, würde die Inflation im Euroraum wohl mindestens um einen Prozentpunkt steigen und das Wirtschaftswachstum einige Zehntel Prozentpunkte geringer ausfallen." dpa/fre