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Dunkle Jahreszeit Was Baubetriebe bei der Beleuchtung beachten müssen

Wenn die Tage kürzer werden, müssen Handwerker auf künstliche Lichtquellen zurückgreifen. Denn gute Sicht sorgt nicht nur für Sicherheit.

Das Angebot an Leuchten für den Arbeitsalltag auf Baustellen ist groß, viele Hersteller bringen gerade neue Produkte auf den Markt. Worauf Handwerker bei der Beleuchtung achten sollten, fasst Axel Stockmar folgendermaßen zusammen: "Eine gute Beleuchtung erfordert viele Lichtquellen."

Stockmar leitet bei der Lichttechnischen Gesellschaft (LiTG) das Fachgebiet Außenbeleuchtung des technisch-wissenschaftlichen Ausschusses. Gutes Licht hat für ihn eine Farbtemperatur von 4.000 Kelvin. Das entspricht etwa dem Schein des Vollmondes. Tageslicht mit einem höheren Blauanteil liegt etwa bei 6.000 Kelvin, während die Stehlampe im Wohnzimmer mit 2.700 Kelvin und höherem Rotanteil für eine behagliche Atmosphäre sorgt.

Lichtquelle darf nicht blenden

Während der Arbeit ist dagegen vor allem eines wichtig: Die Lichtquelle darf nicht blenden. Bei modernen LED-Leuchten sollten die einzelnen Lichtpunkte aus einem Meter Entfernung nicht mehr zu erkennen sein, rät Stockmar. Möglichst viele Lichtquellen sorgen zudem dafür, dass eine Fläche gleichmäßig ausgeleuchtet wird und beim Arbeiten der eigene Schatten nicht stört.

Schlechte Sicht führt im Herbst alljährlich zu einer erhöhten Anzahl von Arbeitsunfällen. Die Berufsgenossenschaft Bau zählt von September bis November seit Jahren mehr als 6.000 meldepflichtige Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle – oft mit schweren Verletzungen und entsprechenden Ausfallzeiten. Die BG Bau empfiehlt daher, Verkehrswege mit mindestens 20 Lux auszuleuchten. "An Gefahrenstellen, besonders wichtigen Verkehrswegen und Arbeitsplätzen muss die Helligkeit aber deutlich höher sein, um unfallfreie Abläufe zu gewährleisten", sagt Frank Werner, stellvertretender Präventionsleiter der BG Bau.

Die Farbe, Stärke, Anordnung und der Typ der Beleuchtung hängen maßgeblich von der jeweiligen Situation auf der Baustelle ab. In größeren Arealen sollten laut BG Bau starke Lichtleistungen das breite Ausleuchten sicherstellen. In kleineren Bereichen ist dagegen der Einsatz von einfachen LED, Halogen- oder Leuchtstofflampen sinnvoll. Feine oder besonders gefährliche Tätigkeiten können eine Beleuchtungsstärke von bis zu 500 Lux für sicheres Arbeiten erfordern. Zudem müssen Lampen regelmäßig gesäubert und gewartet werden, damit die Lichtquellen ihren Zweck zuverlässig erfüllen.

Natürliche Farbwiedergabe ab 90 Ra

Axel Stockmar von der LiTG macht zudem darauf aufmerksam, dass Baubetriebe bei der Beleuchtung nicht nur die Sicherheit ihrer Mitarbeiter im Blick haben sollten. Auch Passanten, die etwa durch ein Gerüst oder einen Bauzaun in ihrer Sicht eingeschränkt werden, dürften nicht vergessen werden.

Ausbaugewerke wie Maler oder Elektriker, für die Farben exakt erkennbar sein müssen, sollten bei der Wahl ihrer Leuchtmittel zudem auf den Farbwiedergabeindex achten, der entweder in Ra (allgemeiner Referenzindex) oder CRI (Color Rendering Index) angegeben wird. Sonnenlicht entspricht einem Farbwiedergabe­index von 100 Ra bzw. CRI. Für eine möglichst natürliche Farbwiedergabe sollte eine Lampe mindestens 90 Ra erreichen. Viele LED-Lampen schaffen das noch nicht, zudem lässt bei ihnen mit steigenden Ra-Werten die Lichtausbeute nach, gemessen in Lumen pro Watt.

Spätestens wenn Ende Oktober die Uhr auf Winterzeit zurückgestellt wird, sollten alle Lampen funktionstüchtig und einsatzbereit sein – damit nicht schon vor dem Feierabend das Licht ausgeht.

Was steht für was? Lumen, Candela, Lux

Lumen (lm) ist die Einheit für den Lichtstrom. Je höher der Lumen-Wert, desto heller leuchtet eine Lampe und zwar in alle Richtungen.

Candela (cd) gibt die Lichtstärke an, die eine Lampe in eine bestimmte Richtung ausstrahlt.

Die Beleuchtungsstärke Lux (lx) bezeichnet hingegen, wieviel Licht von der Lichtquelle auf einer bestimmten Fläche ankommt. Sie lässt sich mit folgender Formel berechnen: Lux = Candela : Abstand2.

Die Beleuchtungsstärke ist abhängig vom Abstand des Leuchtmittels. Je größer er ist, umso geringer ist der Lux-Wert. Deshalb wird die Beleuchtungsstärke nicht auf Leuchtmittel-Packungen angegeben.

Quelle: click-licht.de und WSH

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