Kolumne Warum wir wieder stolz aufs Handwerk sein sollten

Kreativität mit den Händen greifbar machen, etwas erschaffen, das bleibt – genau darin liegt der Zauber des Handwerks. Und doch wird es oft nur als Plan B betrachtet. Warum eigentlich? Und wieso akzeptieren wir das? DHZ-Kolumnistin und Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg teilt ihre Ideen, wie das Handwerk endlich wieder den Platz bekommt, den es verdient.

Kathrin Post-Isenberg
Steinmetzmeisterin und Bildhauerin Kathrin Post-Isenberg führte früher ihren eigenen Betrieb in Siegburg. Heute bringt sie ihre Erfahrung in Handwerksbetriebe ein und hilft ihnen, als attraktive Arbeitgebermarke sichtbar zu werden. - © Markus Zielke

Das Handwerk steht vor großen Herausforderungen: Der Nachwuchs fehlt, während Studienplätze überfüllt sind. Gleichzeitig hört man immer wieder, dass das Handwerk als Auffangbecken für diejenigen gilt, die es "sonst zu nichts gebracht haben". Eine grobe Abwertung unserer Leistungen, die wir nicht länger hinnehmen sollten. 

Dabei ist die Akademisierung in Deutschland kein Zufall. Sie war politisch gewollt. Über Jahre hinweg wurde die berufliche Bildung systematisch abgewertet – durch politische Entscheidungen und gesellschaftliche Trends. Schulen haben den Fokus auf akademische Bildung gelegt, Eltern sehen im Studium den sichereren Weg, und gesellschaftlich gilt ein Studium oft als "wertvoller" als eine Ausbildung. Der demografische Wandel verschärft die Situation zusätzlich. 

Doch so ärgerlich diese Entwicklungen auch sind, sie können uns nicht davon abhalten, selbst etwas zu verändern. Denn die Verantwortung liegt auch bei uns: Wie oft hören wir in unseren Reihen Sätze wie: "Kind, lern was Anständiges. Mach es besser als ich." Wer würde sich da für einen Beruf im Handwerk entscheiden? Wenn wir selbst das Handwerk nicht mit Stolz vertreten, wie sollen andere dafür Feuer fangen? 

Wie Sie helfen, das Handwerk wieder attraktiv zu machen

Es reicht nicht, die Probleme zu beklagen – wir müssen aktiv werden. Hier sind drei Ansätze, wie Sie konkret dazu beitragen können, das Handwerk wieder attraktiv zu machen: 

1. Gehen Sie in die Schulen

Junge Menschen brauchen Vorbilder. Besuchen Sie Schulen, erklären Sie Ihr Gewerk und zeigen Sie, wie vielseitig und spannend das Handwerk ist. Erzählen Sie Geschichten, lassen Sie Schüler Werkzeuge ausprobieren – und machen Sie Berufe erlebbar. Und das Jahr für Jahr aufs Neue. 

Pro-Tipp: Lassen Sie Azubis mitkommen und erzählen – sie sprechen die Sprache der Jugendlichen. 

2. Überzeugen Sie die Eltern 

Eltern sind oft die wichtigsten Berater bei der Berufswahl. Nutzen Sie Gelegenheiten, mit ihnen ins Gespräch zu kommen – sei es auf Elternabenden, bei Messen oder bei Tagen der offenen Tür. Zeigen Sie, dass das Handwerk nicht nur krisensicher ist, sondern auch Karrieren ermöglicht, die mit keinem Studium vergleichbar sind. 

Pro-Tipp: Bringen Sie konkrete Beispiele und Zahlen, um Vorurteile zu entkräften. 

3. Betreiben Sie Aufklärungsarbeit 

Wer weiß schon, dass Handwerker mit einer Meisterqualifikation im Durchschnitt besser verdienen als viele Akademiker? Wer kennt die Chancen, die eine Selbstständigkeit bietet? Sprechen Sie über diese Perspektiven – ob auf Ihrer Website, in Social Media oder im direkten Gespräch mit Interessierten.

Pro-Tipp: Nutzen Sie Ihre Social-Media-Kanäle und Ihre Website, um Geschichten aus Ihrem Betrieb zu erzählen: vom Azubi, der die ersten eigenen Projekte umsetzt, bis zum Meister, der zeigt, wie sich Leidenschaft auszahlt. Authentische Einblicke und persönliche Erfolgsgeschichten bleiben im Gedächtnis und machen neugierig auf mehr. 

Botschafter der Berufe

Die Lage im Handwerk wird nicht über Nacht besser. Doch wenn wir uns als stolze Botschafter unserer Berufe sehen, können wir etwas bewegen. Zeigen Sie, was Ihr Gewerk leisten kann, und inspirieren Sie andere. 

Handwerk ist mehr als ein Beruf. Es ist der Schlüssel, um Werte zu schaffen, die bleiben – mit starken Händen und klugen Köpfen. Wenn wir selbst dafür brennen, können wir andere inspirieren, gemeinsam etwas Großes aufzubauen. Zeigen wir der Welt, was das Handwerk wirklich bedeutet. 

Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint alle 14 Tage exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Abonnieren Sie den kostenlosen DHZ-Newsletter, um keine Ausgabe zu verpassen.