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Umweltauflagen für Kältemittel Warum vielen Kühlanlagen 2018 ein vorzeitiges Ende droht

Der Ausstieg aus der Nutzung synthetischer Kältemittel macht dem Handwerk zu schaffen. Bis zum Jahr 2030 soll der Großteil der Mittel einen natürlichen Ursprung haben. Wenn es jetzt zu technischen Problemen bei Kühlgeräten kommt, kann es sein, dass Altanlagen frühzeitig ausgetauscht werden müssen oder stillstehen, weil es keine Kältemittel gibt. Kälteanlagenbauer kommen in Erklärungsnot – dabei geht alles auf eine EU-Verordnung zurück.

Der Ruf der Abkürzung FCKW, dass es die Ozonschicht schädigt, verhallt langsam. Kühlanlagen, die Kältemittel auf der Basis von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) enthalten, gibt es schon lange nicht mehr. Ihr Einsatz wurde im Jahr 1991 verboten. Allerdings sind auch die Mittel, die stattdessen als Kühlmittel eingesetzt werden, nicht unbedingt viel schonender für Klima und Umwelt. Die teilfluorierten Kohlenwasserstoffe (HFKW) sollen sogar sehr viel klimaschädlicher als CO2 sein. Mit dem Montrealer Protokoll einigten sich deshalb am 15. Oktober 2016 fast 200 Vertragsstaaten weltweit auf einen schrittweisen Ausstieg aus der Verwendung dieser synthetisch hergestellten Stoffe. Bis zum Jahr 2030 soll der Einsatz aller Kältemittel auf HFKW-Basis auf nur noch höchstens zehn Prozent sinken. Das regelt die dazugehörigen EU-Verordnung Nr. 517/2014 über fluorierte Treibhausgase.

Allerdings steigt die Nachfrage nach Klimaanlagen und Kühlgeräten immer stärker – ob für die Industrie, für Krankenhäuser, Supermärkte oder kleinere Lebensmittelproduzenten und -verkäufer oder für große Bürogebäude, private Wohnhäuser und für die Kühlung von Fahrzeugen. Alternativen sind nötig. "Diese sollen bis 2030 möglichst einen natürlichen Ursprung haben", erklärt Heribert Baumeister vom Vorstand des Bundesinnungsverbandes des Deutschen Kälteanlagenbauerhandwerks (BIV). Als Beispiele nennt er Ammoniak und CO2, die man als Kältemittel nutzen kann.

Der Ausstieg aus den HFKW-haltigen Kältemitteln erfolgt in Stufen. 2018 ist eine Reduktion von 30 Prozent vorgesehen im Vergleich zum Vorjahr. So soll der Klimaschutz schneller vorankommen. Die Kälteanlagenbauer stellt dies jedoch vor zwei Probleme: Einerseits bieten nun anstehende Umrüstungen und Neuinstallationen ein enormes Umsatzpotenzial. Da in der Branche jedoch der Fach- und Nachwuchsmangel sehr deutlich zu spüren ist, können die Betriebe dieses Potenzial kaum ausnutzen. "Die Auftragslage ist auch ohne zusätzliche Nachfrage stark. Immer mehr Privatleute wollen den Komfort einer Klimaanlage nutzen und auch ein großer Teil der Wirtschaft setzt Anlagen ein, die ohne Kühlung nicht auskommen – etwa die gesamte Kunststoffindustrie oder die Lebensmittelherstellung", sagt Baumeister, der darauf hinweist, dass die Relevanz seiner Branche oft unterschätzt wird – ob mit Blick auf die Folgen von neuen Klimaschutzverordnungen oder wenn es darum geht, an welchen Stellen man ansetzen muss, um Energie einzusparen.

Kein Nachfüllmittel für Kühlanlagen: Ärger trifft das Handwerk

Das zweite Problem, das in diesem Jahr ganz akut auf das Kälteanlagenbauerhandwerk zukommt, betrifft die Folgen der eigentlich zu begrüßenden Einschränkung der Verwendung der klimaschädlichen HFKW-Mittel. Sie führt dazu, dass die Chemieindustrie die Stoffe nicht mehr in großen Mengen herstellt. Da Altanlagen jedoch einen Bestandsschutz haben, wollen die Anlagenbetreiber sie meist auch so lange im Einsatz lassen wie möglich. In der Regel verbraucht sich Kältemittel nicht. Kommt es allerdings zu einem technischen Problem und entweicht ein Teil des Mittels, kann die Anlage nicht repariert werden. "Wenn wir das Mittel nicht wieder auffüllen können, müssen wir sie stilllegen", so der Kälteanlagenbauermeister. Das verursacht meist hohe Kosten. Im Notfall können zwar Leihanlagen aushelfen. Doch nicht selten muss eine gesamte, eigentlich noch nutzbare Kühlanlage ausgetauscht werden, weil der Markt kein Nachfüllmittel bereitstellt.

Diese ungeplanten Kosten ärgern die Besitzer der Anlagen und der Ärger trifft das Handwerk. "Wir bekommen oft zu hören, dass wir unsere Versprechen nicht halten, dass eine Anlage mindestens zehn Jahre nutzbar ist, wenn wir sie nun doch nach fünf Jahren tauschen müssen", sagt Heribert Baumann. Dabei seien ihm und seinen Kollegen die Hände gebunden. Sie arbeiten den EU-Vorgaben entsprechend, auf die auch die Hersteller der Kältemittel reagieren.

Grundsätzlich in Zweifel stellen möchten die Kälteanlagenbauer die Ziele von mehr Klimaschutz zwar nicht, doch die Umsetzung in der Praxis sei nicht immer durchdacht. Aufklärung ist nötig und Unterstützung bekommt der BIV dabei nun vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). "Hans Peter Wollseifer hat uns zugesagt, sich unserer Probleme anzunehmen und auch auf andere Gewerke zuzugehen wie etwa die Lebensmittelhandwerke, die wichtige Kunden von uns sind", sagt der BIV-Vorstandsvertreter.

Klimaanlagen in älteren Autos: Kältemittel wird knapp

Seit Januar 2011 verbietet eine EU-Richtlinie fluorierte Treibhausgase mit einem Treibhauspotenzial über 150 in Autoklimaanlagen. Doch erst nach und nach verschwindet das meist genutzte Mittel  R134a vom Markt, denn nur für Neuwagen gilt seit Jahresbeginn 2017, dass zwingend das neue Kältemittel R123yf genutzt werden muss oder eine andere klimafreundlichere Alternative wie etwa CO2. Erste Fahrzeuge mit CO2-Klimaanlagen werden allerdings erst seit Ende 2016 im Handel angeboten. R134a hat eine 1430-mal so hohe Treibhauswirkung wie CO2.

Die EU möchte den Verkauf des Kältemittels R134a für Klimaanlagen älterer Autos deutlich reduzieren. So gilt auch eine Importbeschränkung für das Kältemittels R134a, das in älteren Autos aber noch millionenfach im Einsatz ist. Die Einfuhr des Kältemittels soll bis 2020 um 37 Prozent sinken.

Diese Beschränkung führt jedoch zu einem Preisanstieg, über den sich Autofahrer ärgern, die in diesem Jahr ihre Klimaanlage warten oder reparieren lassen müssen. Dann muss nämlich meist Kältemittel nachgefüllt werden.

Mehr Bedeutung in der öffentlichen Debatte würde sich die Branche auch beim Thema Energieeinsparung wünschen, denn Stichworte wie Energiesparen im Gebäude, Dämmung und Energieeffizienz verbinden die meisten eher mit dem Heizungsbau, mit alten Heizkesseln und auch ungedämmten Fassaden und Dächern. Die Themen scheinen außerhalb der Heizperiode nicht gerade relevant zu sein – ein Trugschluss gerade jetzt im heißen Sommer. Nicht zu unterschätzen ist nämlich der Stromverbrauch für die Kühlung von Gebäuden. Nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) beträgt er etwa 21 Terawattstunden (TWh) und damit rund vier Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland. Um die aktuell geltenden Energiesparvorgaben einzuhalten, müsste eigentlich auch mehr bei der Kühlung von Gebäuden angesetzt werden. "Die Wirtschaft setzt bei den von uns installierten Anlagen schon viel Wert darauf, dass die Energiekosten möglichst gering sind, die privaten Auftraggeber aber weniger. Bei ihnen ist der Komfort wichtiger", erklärt Heribert Baumeister.

Zwar schließt die Politik das Energieeinsparpotenzial der Kühl- und Klimageräte nicht aus. Die Energieeinsparverordnung EnEV 2014 und ihre Novellierung seit dem Jahr 2016 beziehen ihre Vorgaben insgesamt auf den maximal zulässigen Primärenergiebedarf für Neubauten, der um 25 Prozent gegenüber der EnEV 2009 verringert werden soll – also ein Ansatz an jeglichen Energieverbräuchen eines Gebäude. Zudem gibt es beispielsweise schon seit dem Jahr 2013 Vorgaben für den Energieverbrauch von Ventilatoren mit Leistungen zwischen 125 Watt und 500 Watt, die neu auf den Markt kommen. Sie müssen am optimalen Betriebspunkt einen Mindestwirkungsgrad aufweisen.

Dennoch sind die Bevölkerung und auch manche Bauplaner laut UBA noch nicht so weit sensibilisiert, Klimaanlagen und andere Kühltechnik in gleichem Maße mit in das energiesparende Bauen einzubeziehen wie die Heizungstechnik. Es fehlt an Aufklärung darüber, dass sich auch bei der Kühltechnik bzw. neuen Anlagen viel bei der Energieeffizienz getan hat und dass der Austausch von Anlagen auch stärker gefördert werden sollte. So gebe es bei Bestandsanlagen durch Optimierungsmaßnahmen ein Einsparpotenzial bei den Energiekosten bis zu 30 Prozent und weitere 20 Prozent durch den Austausch einzelner Komponenten.

Gebäudekühlung ohne Klimaanlage

Ein möglichst energieeffizientes Gebäude muss gut vor einem zu hohen Aufwärmen durch die Sonneneinstrahlung geschützt sein. Es benötigt nach Angaben von Wissenschaftler des UBA keine oder nur sporadisch eine Klimaanlage. Damit der Stromverbrauch für die Kühlung von Gebäuden nicht noch weiter steigt, hat die Behörde im Rahmen einer Studie ermittelt, was getan werden kann, damit es in Gebäuden auch mit einem möglichst geringen Einsatz von Klimaanlagen kühl bleibt.

Laut Prognosen des UBA wird der Stromverbrauch für die Kühlung von Gebäuden bis zum Jahr 2030 entweder bis auf 29 TWh steigen oder aber auf 13 TWh sinken, wenn stromsparende Maßnahmen konsequent umgesetzt würden. Möglich sei dies vor allem dann, wenn schon bei der Bauplanung das Gebäudeklima eine wichtige Rolle spielt.

Konkret gemeint ist hierbei etwa:

  • der Verzicht auf eine großflächige Verglasung,
  • das Anbringen eines außenliegenden Sonnenschutzes oder
  • das Integrieren einer intensiven Nachtlüftung, damit das Gebäude auskühlen kann.
 

Möglich sind auch Anlagen für eine solare Kühlung oder durch Erdkälte für die Kühlung der Luft, der Böden oder der Decken. Bei derartigen Anlagen muss man allerdings immer die Kosten im Blick haben. Anders als ein problemlos nachträglich anbaubarer Sonnenschutz – egal, ob an einem Bürogebäude, einer Werkstatt oder einem Wohnhaus – sollten derartige Anlagen eher gleich bei einem Neubau eines Gebäudes integriert werden.

Erst wenn das nicht ausreicht, kommen Kältemaschinen bzw. Klimaanlagen mit ins Spiel.

Quelle: UBA

 

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