Noch vor Jahresende Warum Unternehmer jetzt ihre Finanzen checken sollten

Mit dem Jahreswechsel droht oft die Verjährung von Ansprüchen. Umso wichtiger, als Unternehmer die eigenen Finanzen zu ordnen und offene Forderungen im Blick zu behalten. Worauf Chefs jetzt achten sollten.

Finanzcheck
Damit finanzielle Entscheidungen im neuen Jahr nicht aus dem Bauch heraus entstehen, schafft ein Finanzcheck noch vor Jahresende die nötige Klarheit. - © Framestock - stock.adobe.com

Zum Jahresende steigt für viele Unternehmer die Arbeitsbelastung spürbar an. Operative Aufgaben, offene Projekte und der Blick auf das kommende Jahr lassen oft wenig Raum für eine strukturierte Finanzbetrachtung. Dabei ist gerade dieser Zeitpunkt entscheidend, um Klarheit über die wirtschaftliche Lage zu gewinnen und fundierte Entscheidungen für das neue Geschäftsjahr zu treffen. Zumal auch mit dem Jahresende für manche zivilrechtliche Ansprüche wie offene Forderungen, Schadensersatzansprüche oder vertragliche Ansprüche mitunter die Verjährung drohen kann.

"Der Jahreswechsel markiert einen natürlichen Abschluss, sowohl buchhalterisch als auch rechtlich und strategisch", erklärt Tobias Vetter, Finanzberater und Geschäftsführer der Vetter Group, die Selbstständige, Unternehmer und GmbH-Geschäftsführer dabei unterstützt, ihre Steuerlast legal zu minimieren und ihre Finanzen strategisch zu strukturieren. Viele Unternehmer würden unterschätzen, wie stark sich fehlende Transparenz bis ins neue Jahr fortsetzt. "Viele Unternehmer merken erst im Januar, dass sie im Dezember ein finanzielles Minenfeld hinterlassen haben. Wer seine Zahlen nicht rechtzeitig sortiert, startet oft mit Altlasten, ungeklärten offenen Posten und einer verzerrten Einschätzung der eigenen Liquidität", warnt Vetter. "Das führt nicht selten dazu, dass Entscheidungen im neuen Jahr reaktiv getroffen werden."

Ein strukturierter Überblick könne hingegen Sicherheit schaffen, so der Finanzexperte. "Unternehmer erkennen frühzeitig, wie belastbar ihr Geschäftsmodell tatsächlich ist, wo unnötige Kosten entstehen und welche finanziellen Spielräume realistisch vorhanden sind." Gerade im Hinblick auf Investitionen, Personalentscheidungen oder steuerliche Themen sei diese Klarheit entscheidend, um nicht aus dem Bauchgefühl heraus zu handeln.

Verjährung von Ansprüchen vermeiden

Hinzu kommt ein juristischer Aspekt: Viele Ansprüche, etwa aus alten, noch offenen Rechnungen, Schadensersatzansprüchen oder auch vertraglichen Ansprüchen, verjähren nämlich mit dem Jahreswechsel. Das Geld könne mit Ablauf des 31. Dezember 2025 unwiederbringlich verloren gehen, wenn keine rechtzeitigen Maßnahmen zur Fristwahrung ergriffen werden, warnt Frank Armbruster, Wirtschaftsmediator und Coach aus Neustadt an der Weinstraße. Es gelte daher, "rechtzeitig Maßnahmen zur Fristwahrung zu ergreifen". Das kann entweder dadurch geschehen, dass man etwa offene Forderungen noch vor dem Jahreswechsel im Rahmen eines gerichtlichen Mahnverfahrens geltend macht. Alternativ könne man auch einen Güteantrag bei einer staatlich anerkannten Gütestelle stellen, so Armbruster. "Dadurch wird die Verjährung gehemmt."

Im Fall eines Güteantrags wirkt die Hemmung der Verjährung für die Dauer des Güteverfahrens und endet frühestens sechs Monate nach dessen Abschluss, etwa bei Scheitern oder Nichtteilnahme der Gegenseite. Damit verschafft das Verfahren den Beteiligten zusätzlichen Handlungsspielraum, ohne sofort gerichtliche Schritte einleiten zu müssen. "Viele Menschen merken erst im Dezember, oft kurz vor den Feiertagen, dass ihre Ansprüche zum Jahresende verjähren", erklärt Armbruster. "Ein geordneter Güteantrag schafft sofort Rechtssicherheit und stoppt die Verjährungsfrist."

Die eigenen Ausgaben im Blick behalten

Um offene Forderungen zu entdecken, sei es zentral, sich zunächst die vollständige Transparenz über Konten, Salden und offene Rechnungen zu verschaffen. "Viele Fehler entstehen, weil Ausgaben zwar getätigt, aber nicht aktiv gesteuert werden", erklärt Finanzexperte Vetter. "Häufig wissen Unternehmer erst mit der BWA vom Steuerberater, wie viel tatsächlich ausgegeben wurde." Zu diesem Zeitpunkt fehle jedoch die Möglichkeit, noch sinnvoll gegenzusteuern. Wichtig sei es daher, die eigenen Budgets zu kennen und Ausgaben klar einzelnen Bereichen zuzuordnen. Ergänzend sollten laufende Verträge, Versicherungen und wiederkehrende Kosten überprüft werden. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Liquiditätsplanung. Sie ermöglicht nicht nur einen Blick auf den aktuellen Status, sondern zeigt auch, wie sich zukünftige Entscheidungen auf die Zahlungsfähigkeit auswirken.

Mit Liquiditäts- und Planungstools den Überblick schaffen

Darüber hinaus werde auch das Thema Steuern oft zu spät adressiert, so Vetter. "Statt steuerliche Optimierungen im laufenden Jahr mitzunehmen, wird erst dann nach Lösungen gesucht, wenn der Gewinn bereits feststeht." Deutlich sinnvoller sei es, entsprechende Strukturen frühzeitig zu etablieren und kontinuierlich zu überprüfen.

Ein sinnvoller erster Schritt sei der Einsatz von Liquiditäts- und Planungstools, die alle Konten bündeln und Zahlungsströme transparent darstellen, erklärt Vetter. "Dadurch entsteht eine belastbare Grundlage für Entscheidungen." Auf dieser Basis lassen sich dann verschiedene Szenarien durchspielen: Welche Auswirkungen hat eine Investition auf die Liquidität? Wie verändern sich die Zahlen bei Umsatzschwankungen? Solche Simulationen helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen. "Ergänzend empfehle ich einen regelmäßigen Abgleich der eigenen Kennzahlen mit branchenüblichen Standards", so der Finanzberater. "Dadurch wird sichtbar, ob sich das Unternehmen im marktüblichen Rahmen bewegt oder ob Handlungsbedarf besteht."

Entscheidend sei es, Finanzthemen nicht als einmalige Aufgabe zu betrachtet, sondern als fortlaufenden Prozess, erklärt Vetter. "Langfristig bewährt es sich, feste Finanzroutinen zu etablieren." Ein monatlicher Termin, an dem Budgets, Liquidität und relevante Kennzahlen überprüft werden, schafft Struktur und verhindert, dass sich finanzielle Unklarheiten ansammeln. "Wer seine Zahlen regelmäßig analysiert, trifft auch bessere Entscheidungen", so der Finanzexperte. "Nur so entsteht Klarheit und man kann entspannt und strategisch ins neue Jahr starten."