In Deutschland wird fast alles gefördert, was dem Handwerker hilft. Vor jedem Vorhaben ist es schlau, die Möglichkeiten einer finanziellen Unterstützung zu prüfen. Welche grundlegenden Dinge es bei der Suche nach dem passenden Förderprogramm zu beachten gilt – und eine Auswahl aktueller Zuschüsse und Darlehen für die Bereiche Digitalisierung, Energieeffizienz und Nachfolge.

Andreas Leidig ist überzeugt: "Wir haben in Deutschland eine gut ausgeprägte Förderlandschaft." Für zahlreiche unternehmerische Vorhaben gibt es eine finanzielle Unterstützung, betont er. Das reiche vom Kauf neuer Maschinen über die Digitalisierung von Prozessen und der Inanspruchnahme von Beraterdienstleistungen bis hin zur Schaffung neuer Arbeitsplätze oder der Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen. Doch nicht nur das: "Im Grunde gibt es für alle Stadien des Handwerksbetriebes die passende Förderung. Das gilt für die Gründung, die Existenzfestigung und die Nachfolge", fasst es der Betriebswirtschaftliche Berater der Handwerkskammer (Hwk) Dresden zusammen.
Auch wenn Handwerker möglicherweise den bürokratischen Aufwand scheuen, rät Leidig, sich im Vorfeld einer jeden geplanten Maßnahme über die verfügbaren Förderungen schlau zu machen. "Dabei lohnt es sich auch auf die regionalen Förderprogramme zu schauen", empfiehlt er. Denn nicht nur die EU und der Bund, sondern auch die Länder, Städte und Kommunen stellen konditionsstarke Fördergelder für kleine und mittlere Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler bereit.
Zuschuss oder Darlehen?
Ein Beispiel: Bundesweit werden über das Programm "Digital Jetzt" Investitionen in digitale Technologien mit Zuschüssen bis maximal 50.000 Euro pro Unternehmen gefördert. Speziell in Bayern gibt es den "Digitalbonus Bayern", bei dem es in der Variante "Standard" einen Zuschuss bis zu 10.000 Euro und in der Variante "Plus" einen Zuschuss bis zu 50.000 Euro gibt. In Baden-Württemberg existieren mit der "Digitalisierungsprämie Plus", in Thüringen mit dem "Digitalbonus Thüringen" und in Hessen mit "Distr@l" vergleichbare Förderungen.
"Nach Zuschüssen erkundigen sich die Unternehmer in meiner Beratung besonders häufig", sagt Leidig, der in der Hwk Dresden regelmäßig zu den Fördermöglichkeiten informiert. Zuschüsse sind zwar an bestimmte Investitionen gebunden, müssen jedoch nicht zurückgezahlt werden. Doch es gibt sie nicht in jedem Programm. "Die gängigste Form ist immer noch das Förderdarlehen, das man zum Beispiel über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder über die Förderbanken der Länder in Anspruch nehmen kann. In Sachsen ist das die Sächsische Aufbaubank", so Leidig. Die Darlehen sind meist zinsvergünstigt und bieten im Gegensatz zum Hausbankkredit weitere vorteilhafte Konditionen, etwa tilgungsfreie Anlaufjahre oder längere Laufzeiten.
Diese KfW-Kredite wurden besonders häufig in Anspruch genommen
Wie häufig Förderdarlehen im letzten Jahr beantragt wurden, zeigt sich unter anderem im KfW-Förderreport 2022. Im Förderschwerpunkt "Klima und Umwelt" des Segments Mittelstandsbank war das Programm "Erneuerbare Energien" besonders nachgefragt, so die KfW-Bankengruppe. Es verzeichnete mit knapp 7,1 Milliarden Euro Zusagevolumen ein Rekordjahr (2021: 3,9 Milliarden Euro). Unternehmen können darüber einen Förderkredit für die Errichtung, Erweiterung und den Erwerb von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien erhalten – in Höhe von bis zu 50 Millionen Euro pro Vorhaben. Förderfähig sind zum Beispiel Photovoltaik-Anlagen, Anlagen zur Stromerzeugung aus Wasser- und Windkraft oder Batteriespeicher.
Daneben wurde 2022 die "Bundesförderung für effiziente Gebäude" mit 10,6 Milliarden Euro Zusagevolumen (2021: 5,5 Milliarden Euro) häufig in Anspruch genommen. Diese Förderung kann nicht mehr beantragt werden. Förderkredite und Zuschüsse gibt es seit 1. März über das Programm "Klimafreundlicher Neubau" für das als Voraussetzung ein noch höherer ökologischer Standard bei Bauten gilt – der Effizienzhausstandard EH40.
Im Förderschwerpunkt Innovation konnte das Fördervolumen laut KfW auf 1,9 Milliarden Euro im Jahr 2022 steigen (2021: 1,1 Milliarden Euro). Hier beliebt: Der "ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit" für Vorhaben wie die Einführung von IT- und Datensicherheitskonzepten im Unternehmen, digitalen Plattformen oder Fertigungsverfahren wie 3-D-Druck.
Wer fördert bei zu wenig Sicherheiten?
"Bei Handwerksbetrieben habe ich häufig den Fall erlebt, dass zu wenig Sicherheiten vorhanden sind, um ein Darlehen aufzunehmen", so Leidig. Dann helfen die Bürgschaftsbanken, die mit Haftungsfreistellungen und Bürgschaften unterstützen. "Die Bürgschaftsbank verringert dann das Ausfallrisiko des Darlehens, indem sie bis zu 80 Prozent des Kreditbetrages absichert", erklärt der Kammerberater. Wer wiederum zu wenig Eigenkapital mitbringt, kann neues Geld über eine Kapitalbeteiligungsgesellschaft erhalten, die diese Investition zum Beispiel von den Förderinstituten der Bundesländer oder der KfW-Bank finanzieren lassen kann. Die Kapitalbeteiligungsgesellschaft ist dann am Gewinn des Unternehmens beteiligt. Schließlich gibt es noch Subventionen, die Handwerker direkt über die Förderbanken beantragen. Ein Beispiel dafür waren die Corona-Hilfen.

Nicht selten werden mehrere Programme in Anspruch genommen. Üblich ist etwa der oben geschilderte Fall, bei dem ein Darlehen mit einer Bürgschaft kombiniert wird. Oft weisen die Förderinstitute selbst darauf hin, welche Kombinationen möglich sind. "Es gibt aber auch Förderprogramme, die einander ausschließen", sagt Oliver Erasme aus Mannheim, seit mehr als 20 Jahren selbstständiger Unternehmensberater und zertifizierter Fördermittelberater. Sein Rat an Handwerkschefs: Sie sollten sich die Zugangsvoraussetzungen der Förderprogramme genau anschauen. "Die Unterschiede sind teilweise gravierend", so der Experte, der etwa Gerüstbauer, Hochbauunternehmer oder Elektrotechnik-Betriebe beratend begleitet. "Es gibt zum Beispiel Förderungen, die es nur in den ersten fünf Jahren nach der Gründung gibt. Bei anderen wiederum muss der Betrieb ein bestimmtes Mindestalter oder eine bestimmte Anzahl von Jahresabschlüssen aufweisen. Oder aber der Unternehmer selbst muss im Rahmen einer Unternehmernachfolge ein festgeschriebenes Lebensalter erreicht haben. Manchmal werden auch ganze Branchen aus speziellen Förderbereichen ausgenommen", erklärt er beispielhaft.
Förderungen nicht immer vorhanden
Eine weitere Schwierigkeit: "Manchmal ist der Fördertopf leer." Bei Förderungen herrsche eine andauernde Fluktuation. "Es kommen neue Programme hinzu, andere wiederum laufen aus, werden neu aufgelegt oder auch nicht", sagt Erasme und berichtet, dass er gerade eine geplante Unternehmernachfolge begleite, für den er den KfW-Förderkredit "ERP-Kapital für Gründung" fest einkalkuliert hatte. "Diesen Kredit als erstklassiges Förderinstrument gab es seit circa 20 Jahren. Überraschenderweise ist er momentan aber ausgesetzt", so Erasme. So ein Fall kann eine größere Hürde für alle Handwerker darstellen, die dieses Programm als substanziellen Finanzierungsbaustein eingeplant haben und nun eine andere Finanzierungsstruktur aufbauen müssen – oder aber warten müssen, bis das Programm eventuell wieder freigeschaltet wird. In solchen Fällen sollte immer eine Rücksprache mit dem jeweiligen Förderinstitut gehalten werden, empfiehlt Erasme.
Doch welches Förderinstitut und -programm ist nun das richtige? "Letztlich kommt es immer stark auf den Einzelfall an", sagt Leidig. Wo ist der Hauptsitz des Unternehmens? Wie viele Mitarbeiter hat es? Wie lange existiert der Betrieb bereits? Um welches Projekt geht es? Wie hoch ist der Jahresumsatz, wie viel Kapital wird benötigt? Das und mehr sind grundlegende Fragen, die Oliver Erasme Handwerksunternehmern stellt. Als Betriebsberater hat er einen Überblick über die aktuellen Förderungen und ist bei der Vorbereitung von Finanzierungen mit öffentlichen Fördermitteln unterstützend tätig. Hierzu benötigt der Handwerksbetrieb neben den von Steuerberatern erstellten Jahresabschlüssen und Gewinn- und Verlustrechnungen, in der Regel auch einen Businessplan und Investitions-, Liquiditäts- und Rentabilitätsplanungen.

Beratung mit ins Boot holen
Auf Wunsch begleitet Erasme den Handwerksbetrieb mit zur Bank. Betriebe müssen aber bedenken, dass der Service selbstständiger Berater nicht kostenlos ist. Unterstützung in dieser Sache bieten auch die Berater der Kammern. Sie helfen bei der Frage, wie ein Vorhaben finanziert werden kann, schlagen passende Förderprogramme vor, geben Tipps fürs Schreiben der Projektskizze und helfen dabei, sich mit den passenden Unterlagen für das Bankengespräch einzudecken. "Wir haben dafür entsprechende Tools, mit denen wir Dokumente bankengerecht vorbereiten können", sagt Leidig. Auch die Hausbanken nennt er als mögliche Anlaufstelle. "Sie kennen nicht nur die Förderlandschaft, sondern aufgrund der langjährigen Geschäftsbeziehung auch das Unternehmen und alle wichtigen Zahlen. So können sie das Vorhaben des Handwerksbetriebes von vornherein sehr gut einschätzen", so Leidig.
Wer sich grundlegend über das Angebot informieren will, kann mit einer Internetrecherche starten. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zählt auf "foerderdatenbank.de" aktuelle Förderprogramme der EU, des Bundes und der Länder auf. Links führen auf die Website der jeweiligen Förderinstitute, auf denen die Konditionen näher aufgeführt sind. Die deutschen Bürgschaftsbanken bieten zum Beispiel ein eigenes Finanzierungsportal, über das Unternehmer, Gründer sowie Nachfolger nach einfachen Finanzierungslösungen suchen können (finanzierungsportal.ermoeglicher.de).
Geld für die Entwicklung eines Spezial-Transporters
Was mit der passenden Förderung alles möglich ist, zeigt das Beispiel des mittelständischen Betriebes Trautwein Fahrzeugbau GmbH in Benningen im bayerischen Allgäu. Gemeinsam mit seinem Vater und Bruder führt Matthias Trautwein die Geschäfte. 1913 als Schmiede gegründet, spezialisierte sich das Unternehmen ab 1948 auf den Bau und die Reparatur von Spezial-Fahrzeugtechnik und fertigt beispielsweise Aufbauten für Lkw und Feuerwehrfahrzeuge.
Ausschlaggebend für die Suche nach einer Förderung war die Idee für ein neues Transportfahrzeug. Das Ziel: Der Transport von quergestellten Doppelfertiggaragen aus Beton. "Mit bestehenden Transportern ist das nicht möglich. Deshalb haben wir einen neuen Fahrzeugaufbau entwickelt, mit dem man die Garage am Dach aufnehmen und auf Baustellen abstellen kann", erklärt Matthias Trautwein. Über das Internet informierte er sich über finanzielle Unterstützungen – dabei stieß er auf die Innovationsplattform "Bayern Innovativ", die Träger verschiedener Förderprogramme des Landes Bayern ist. Dort beantragte Trautwein die Förderung selbst bzw. mithilfe seines Steuerberaters, der für die Einreichung nötige Unterlagen wie Bilanzen erstellte.
Für die Entwicklung der Fahrzeuginnovation habe der Betrieb eine Förderung in Höhe von drei Mal 12.000 Euro erhalten. So viel Fördergeld war zunächst gar nicht geplant: "Wir haben nur einen Antrag für 12.000 Euro eingereicht. Dann aber sind die Berater von 'Bayern Innovativ' auf uns zukommen und haben uns empfohlen, das Projekt in drei Teile aufzuteilen", so Trautwein, der sich über diese Hilfestellung sehr gefreut hat. Der Betrieb hat nun alle Zeichnungen zum Bau des Prototypen angefertigt und ist momentan auf der Suche nach einem Kunden, für den das Fahrzeug gefertigt werden kann.
Nicht die einzige Förderung
Das ist aber nicht die einzige Förderung, die das Unternehmen in Anspruch genommen hat. Um die Prozesse im Berufsalltag zu digitalisieren und zu vereinfachen, hat sich Trautwein auch für "Digital Jetzt" beworben. Hier gestaltete sich die Beantragung etwas komplizierter: "Für 'Digital Jetzt' muss man sich in Förderrunden bewerben. Es hat dann rund ein Jahr gedauert, bis wir die Zusage erhalten haben", sagt er. Hilfe bei der Bewerbung gab es von der Handwerkskammer für Schwaben. Mit Erfolg: Vor Kurzem wurde auch diese Förderung bewilligt. Mit dem Geld sollen die 19 Mitarbeiter etwa mit digitalen Geräten ausgestattet werden, auf denen eine Software installiert ist, über die sich der Stand von Aufträgen abrufen oder die Kundenbetreuung vereinfachen lässt.
Trautwein nennt die Berater der Kammern als gute Anlaufstelle, wenn Handwerker über eine Förderung ihres Projektes nachdenken. Denn diese hätten auch eine Übersicht, welche Förderprogramme es gerade gibt. "Viele dieser Förderprogramme hat man gar nicht auf dem Schirm", sagt er. Und auch wenn die Vorbereitung und Einreichung der Unterlagen etwas Zeit kostet, empfiehlt Trautwein jedem Handwerker, es einfach mal zu versuchen: "Viel Schlimmeres als eine Absage kann ja nicht passieren."
