Vergütung nicht wichtigster Grund Warum sich Azubis für die Baubranche entscheiden

Wie wurden die Azubis in der Bauwirtschaft auf ihre Lehrstelle aufmerksam? Sind sie zufrieden mit ihrer Ausbildung? Und was sind ihre Ziele für die kommenden zehn Jahre? Eine aktuelle Untersuchung gibt Antworten zu diesen Fragen – und zeigt auch, warum Fachkräfte die Baubranche verlassen.

Insgesamt werden in der Bauwirtschaft derzeit rund 40.500 junge Menschen ausgebildet. - © Wolfilser - stock.adobe.com

"Die Ausbildung am Bau boomt", sagt Gerhard Mudrack, Vorstand der Soka-Bau. Die Ausbildungszahlen am Bau hätten sich während der Corona-Pandemie deutlich besser entwickelt als im Durchschnitt aller Branchen. Im laufenden neuen Ausbildungsjahr haben die Bauunternehmen deutschlandweit fast 14.500 neue Auszubildende eingestellt – 2,1 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

Auch die Zahl der Ausbildungsbetriebe hat sich um fast zwei Prozent erhöht. "Das sind äußerst erfreuliche Zahlen", sagt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe. Die Branche trage damit maßgeblich zur Fachkräftesicherung bei. "Ohnehin leisten Handwerk und Mittelstand mit knapp 80 Prozent den Löwenanteil an der Ausbildung", sagt er.

Gründe für Ausbildung: 3 Aspekte wichtiger als die Ausbildungsvergütung

Gemeinsam mit F.A.Z. Business Media untersuchte die Soka-Bau zum dritten Mal, wie junge Berufsanfänger aus der Baubranche auf ihre Lehrstelle aufmerksam wurden und ob sie zufrieden mit ihrer Berufswahl sind. Auf die Frage, weshalb sie sich für eine Berufsausbildung am Bau entschieden, nannten die meisten Befragten die Freude an der Tätigkeit. Ebenfalls wichtige Kriterien für Auszubildende waren die guten Berufsperspektiven und der private Nutzen der erlernten Fähigkeiten – diese nannten sie sogar noch häufiger als die Ausbildungsvergütung. Deutlich mehr Wert legen junge Berufsanfänger inzwischen auf die Nähe zwischen Wohnort und Ausbildungsbetrieb. Bei der ersten Erhebung im Jahr 2012 werteten noch 67 Prozent der Befragten diesen Punkt als wichtig, heute sind es 76 Prozent.

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Über persönliche Kontakte zur aktuellen Lehrstelle

Die Mehrheit der befragten Azubis kam der Studie zufolge aufgrund eines persönlichen Kontakts an die aktuelle Lehrstelle. Demnach hat sich fast jeder zweite befragte Auszubildende mit Verwandten oder Freunden ausgetauscht. 39 Prozent hätten zudem bereits vor der Lehre einen persönlichen Kontakt zum späteren Ausbildungsbetrieb gehabt. Wichtige Informationsquellen seien zudem das Internet (69 Prozent) und die sozialen Medien (23 Prozent) gewesen.

Mit ihrer Berufsausbildung am Bau zeigten sich 64 Prozent der Befragten zufrieden, 30 Prozent sogar sehr zufrieden. Den entscheidenden Beitrag zu diesem positiven Ergebnis leisteten die ausbildenden Betriebe. Mehr als jeder zweite Betrieb erhielt von den Befragten eine sehr gute Bewertung (55 Prozent).

Wunsch nach Weiterqualifizierung und Selbstständigkeit nimmt zu

In den kommenden zehn Jahren setzen sich die befragten Azubis vor allem ein gutes Gehalt zum Ziel. Schon bei den Studien in den Jahren 2012 und 2017 belegte dieser Aspekt den Spitzenplatz. Weiterhin wichtig ist den Befragten außerdem ein sicherer Arbeitsplatz, wobei die Bindung an einen einzigen Arbeitgeber zunehmend nachlässt. Stattdessen legen immer mehr Azubis Wert auf eine berufliche Weiterqualifizierung am Bau und streben eine Selbstständigkeit an. Als alarmierend werten die Studienautoren, dass jeder zehnte Azubi plant, seinen Arbeitgeber zu verlassen beziehungsweise die Branche zu wechseln.

Fast jeder zweite Branchenwechsler kann sich Rückkehr auf den Bau vorstellen

Auch diejenigen, die diesen Schritt bereits vollzogen haben, nahm die Studie in den Blick. Mehr als die Hälfte der Fachkräfte verließ die Branche demnach, weil sie sich in ihrem damaligen Unternehmen nicht wohlfühlten. Weiterhin verlor jeweils ein Viertel im Laufe ihrer damaligen Tätigkeit die Lust an der Arbeit auf dem Bau oder entschied sich aus gesundheitlichen Gründen gegen die Branche. Dennoch können sich 43 Prozent der ehemaligen Bau-Beschäftigten eine Rückkehr vorstellen. Wer bereits zurückgekehrt ist, bereut diesen Schritt in der Regel nicht. Zwei Drittel berichten von einer verbesserten Arbeitssituation am Bau im Vergleich zu früher. fre

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