VGMS fordert Erleichterungen Warum regionale Mühlen unter Druck geraten

Getreideprodukte herzustellen, verbraucht sehr viel Energie. Im Prinzip bekommen Lebensmittelhersteller dafür Entlastungen. Die großen schon. Kleine Handwerksmühlen fallen jedoch häufig durchs Raster. Der Verband klagt: Es muss sich was ändern.

Cerealienherstellung ist energieintensiv
Regionale Handwerksmühlen stehen unter großem Wettbewerbsdruck: Anders als große Unternehmen bekommen sie kaum Entlastungen von den hohen Energiekosten. - © acnaleksy - stock.adobe.com/ mit KI generiert

Hafermilch ist voll im Trend, Cerealien in jeder Form sind gefragt, Nudeln mag jeder und Mehl kauft man heute besonders gern aus regionaler Herstellung. Getreideprodukte gehören wohl bei jedem von uns zur täglichen Ernährung. Ihre Herstellung ist energieintensiv. Zerkleinern, Mahlen, Flockieren, Extrudieren, Kochen, Auswaschen oder Eindampfen: Die Prozesse dafür brauchen viel Strom und oftmals auch Gas. Das kostet – kleine Hersteller deutlich mehr als die großen. Denn Entlastungen bekommen nicht alle im gleichen Maße.

Vor allem die kleinen Handwerksmühlen, deren regionale Produkte Verbraucher Umfragen zufolge besonders gern kaufen, können im europäischen und internationalen Wettbewerb kaum noch mithalten. Der Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS) fordert deshalb, endlich gleiche und faire Bedingungen zu schaffen, damit die Mühlen sowohl im Wettbewerb mit den großen, industriellen Herstellern als auch mit vergleichbaren Betrieben in den europäischen Nachbarländern konkurrenzfähig bleiben können.

Regionale Mühlen fallen durchs Entlastungsraster

In einem öffentlichen Schreiben weist der Verband auf diese Ungleichbehandlung hin und fordert die neue Bundesregierung auf, sich für wettbewerbsfähige energiepolitische Regelungen einzusetzen. Gemeinsam mit anderen Verbänden der Lebensmittelbranche hat der VGMS dazu ein Positionspapier veröffentlicht. Es stellt die aktuelle Situation dar und fasst die Forderungen zusammen.

Damit wird deutlich, dass die Handwerksmühlen hierzulande durch einige Raster fallen. Sie profitieren nicht von allen Entlastungen bei den Strom- und Gaspreisen, die industrielle Hersteller aufgrund ihrer Größen und ihres hohen Verbrauchs bekommen. Gleichzeitig stehen sie zunehmend im Wettbewerb mit den Betrieben in den europäischen Nachbarländern, die nach Angaben des VGMS bei den Energiepreisen nicht derart stark belastet sind wie die deutschen Betriebe.

Zwar sind etwa die Strompreise an sich im vergangenen Jahr weniger stark gestiegen als noch in den Jahren zuvor. Doch Netzentgelte und weitere Steuern und Abgaben halten das Niveau weiterhin oben. Die Gaspreise sind nach wie vor hoch und ein schneller Umstieg auf Alternativen ist oft nicht so einfach umsetzbar. Für die Mühlenwirtschaft ergibt sich daraus eine schwierige Lage bzw. laut VGMS ein massiver Druck.

Maßnahmen gegen die hohen Energiekosten nicht für alle gleich verfügbar

"Die hohen Strompreise in Deutschland sind entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der Mühlen", sagt Andreas Bolte, Umwelt- und Energieexperte beim VGMS. Zwar gebe es nationale Regelungen für die Industrie, die helfen, die Strompreise zu senken. Bolte nennt die Strompreiskompensation, individuelle Netzentgelte der Stromnetzentgeltverordnung oder auch die frühere besondere Ausgleichsregelung im EEG. "Diese Erleichterungen für das produzierende Gewerbe haben aber eines gemeinsam: Die Handwerksmühlen profitieren in der Regel nicht davon", erklärt er. Entweder sei die Müllerei davon als Branche ausgeschlossen, wie bei der Strompreiskompensation, oder die Grenzen, um daran zu partizipieren, liegen so hoch, dass das Handwerk außen vor bleibt.

So fordert der VGMS, dass jede Maßnahme, die zu einer Senkung der Energiepreise für Unternehmen führt, unabhängig von der Größe der Unternehmen oder deren Zugehörigkeit zu Industrie oder Handwerk angewandt werden sollte. Nur so könnten zusätzliche Wettbewerbsverzerrungen innerhalb einer Branche vermieden werden. Und nur so könne man Strom für die Erzeuger von Lebensmitteln wettbewerbsfähig, sicher und bezahlbar halten.

Ungleicher Wettbewerb für die regionalen Mühlen

Denn die kleinen Betriebe haben auch eine starke Konkurrenz in den Nachbarländern, die – wie etwa Skandinavien als starker Haferproduzent und -verarbeiter – deutlich weniger Stromkosten bezahlen müssen. Bezugnehmend auf die Zahlen des Statistischen Bundesamts nennt Andreas Bolte als Beispiel eine Handwerksmühle, die 15.000 Tonnen Getreide vermahlt. "Im ersten Halbjahr 2024 lagen die Strompreise in Deutschland bei 23 Cent je kWh. Die Beispielmühle hat so rund 258.000 Euro für Strom bezahlt", rechnet er vor und gibt zum Vergleich mit Mühlen gleicher Größe in anderen EU-Mitgliedstaaten folgende Zahlen an:

  • Polen 236.000 Euro (21 Cent/kWh),
  • Belgien 202.000 Euro (18 Cent/kWh),
  • Frankreich 191.000 Euro (17 Cent/kWh)
  • sowie Dänemark 112.000 Euro (10 Cent/kWh).

"Wie hoch der Anteil der Stromkosten an den Kosten des Mühlenbetriebs insgesamt liegt, lässt sich gerade bei den volatilen Rohstoff- und Energiemärkten nicht einfach sagen. Dazu spielen zu viele Faktoren eine Rolle", sagt er. Klar sei aber, dass der Anteil der Stromkosten erheblich ist und eine wesentliche Rolle für die Kalkulation spielt.

Um den starken Wettbewerbsdruck der heimischen getreideverarbeitenden Unternehmen zu mindern, drängt der VGMS außerdem darauf, dass Cerealienhersteller in die Liste der schützenswerten Branchen der deutschen Carbon-Leakage-Verordnung aufgenommen werden sollten und damit eine Kompensation der CO₂-Preise erhalten würden. Zwar betrifft das eher Hersteller, die viel Gas verbrauchen und bei ihrer Herstellung auf die Prozesswärme setzen und weniger die kleineren Mühlen. Dennoch sei es wichtig, damit die Branche nicht in andere Länder abwandert.