Konsequentes Handeln ist manches Mal unbequem und scheint aufwendig zu sein. Langfristig zahlt es sich jedoch aus. Ausbildungsberater Peter Braune erklärt, warum Konsequenz in der Ausbildung wichtig ist und Erfolg bringt.

Konsequenz leitet sich vom lateinischen Wort "consequentia" ab und bedeutet "folgen" oder auch "mit Folge" ("cum sequentia"). Im übertragenen Sinn bedeutet es die Folgerichtigkeit von Denken und Handeln. Johann Wolfgang von Goethe war daher der Meinung: "Es genügt nicht zu wissen, man muss es auch anwenden. Es genügt nicht zu wollen, man muss es auch tun!"
Konsequenz ist eine Folge, die sich aus einer Situation oder Handlung ergibt. Sie kann die Zielstrebigkeit einer Person beschreiben, die Tätigkeiten geplant durchführt. Als konsequent werden Lehrlinge bezeichnet, die nicht von einer bestimmten Haltung abweichen und eine Tätigkeit zu Ende bringen, die sie begonnen haben.
Ein paar Beispiele zu konsequentem Handeln
In einem Baubetrieb wird ein Maurer ausgebildet. Der junge Mann achtet sehr genau darauf, was gesagt wird, für wen es gilt und von wem etwas gefordert wird. Er erwartet, dass sein Ausbilder konsequent handelt und alle Lehrlinge, die sich zum Beispiel nicht an die Sicherheitsvorschriften halten, auch angesprochen und sachlich an die Folgen erinnert werden.
Im Betriebsbüro von einem Dachdeckerbetrieb wird eine ältere Ausbilderin der Bürokaufleute nicht mehr so richtig ernst genommen. Natürlich ist es für ihr Ansehen schädlich, wenn sie zu lasch in ihren Handlungen erscheint, Folgen ankündigt und dann nicht umsetzt. Konsequentes Vorgehen hätte etwas mit Klarheit und Orientierung zu tun. Es würde ihren Lehrlingen die Ausbildung erleichtern, wenn sie schlüssig und genau wissen würden, woran sie sind und wo die Grenzen sind.
Feind der Konsequenz: Pflichten aufschieben
Eine Meisterin hat einer jungen Frau die Möglichkeit eröffnet, Elektronikerin für Maschinen und Antriebstechnik zu lernen. Nach der Probezeit ist das Erschrecken groß, als das erste Zeugnis aus der Berufsschule vorliegt. Was die Meisterin ganz besonders ärgert, sind die vielen Fehlzeiten. Weil sie zum ersten Mal ausbildet, besteht Unsicherheit in Bezug auf den Umgang mit Fehlzeiten in der Berufsschule. Darum will sie sich später kümmern.
Doch ein großer Feind der Konsequenz ist die Bequemlichkeit. Die Verführung abzuwarten ist groß, so wie in diesem Fall. Hier ergibt sich folgerichtig eine gute Gelegenheit, konsequent zu sein und klare, unmissverständliche Botschaften zu geben. Je schneller eingegriffen wird, umso besonnener und ruhiger kann vorgegangen werden.
Konsequenz bei Terminen
Ein Fahrrad-Einzelhändler hat auch eine große Werkstatt. Dort wird ein Fahrradmonteur ausgebildet. Für alle Lernziele hat der Meister Lernerfolgskontrollen vorbereitet. Gegen Ende des zweiten Lehrjahres ist der Meister mit den Ergebnissen nicht mehr einverstanden. Auch die Führung vom Berichtsheft lässt zu wünschen übrig. Beides sollte er auf keinen Fall zulassen.
Logischerweise vereinbart er zeitnah ein Gespräch unter vier Augen. Er sorgt für die Einhaltung der Termine, an denen das Heft vorzulegen ist. Er nimmt den Lehrling in die Pflicht und fordert ihn auf, Lösungen im Zusammenhang mit den Lernerfolgskontrollen zu präsentieren. Eisern vereinbart er klare Regeln und Vorgehensweisen.
Absprachen nicht einfach ignorieren
Während der Vorbereitungsarbeiten für einen Kundenauftrag unterhält sich der Meister mit dem Lehrling in der Malerwerkstatt. Am Ende der Unterhaltung verspricht der Meister dem Lehrling eine Sonderzahlung zum Jahresende. Dieses Versprechen sollte er auch einhalten. Es ist sehr wichtig und spielt eine große Rolle, wie ernst er genommen wird und wie sehr ihm sein Lehrling vertraut. Wenn die Umsetzung nicht möglich ist, wird das dem Lehrling sachlich erklärt. Niemals sollte es stillschweigend unter den Tisch fallen.
Konsequenzen hat es auch für die Meisterin oder den Meister, wenn die Lehre mangelhaft verlaufen ist und der Lehrling durch die Prüfung fällt. Hieraus kann sich, wegen Verlängerung der Ausbildung, eine Schadenersatzforderung ergeben. Ähnliches gilt, wenn der betriebliche Ausbildungsplan nicht eingehalten wurde, der Lehrling aus diesem Grund kündigt, sich einen neuen Lehrbetrieb suchen muss und dabei Probleme entstehen.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.