Die Bestatter setzen sich für die Einführung der Meisterpflicht in ihrem Handwerk ein. Welche Argumente sie für mehr Qualität und Professionalität in dem sensiblen Bereich vorbringen.

In Deutschland sterben jedes Jahr rund eine Million Menschen, und quasi jeder darf sie beerdigen. Der Beruf des Bestatters hat keine Zugangsvoraussetzung, ein Gewerbeschein reicht. "Das kann es nicht sein", empört sich Ralf Michal.
Der Präsident des Bundesverbands Deutscher Bestatter (BDB) und Stephan Neuser, Generalsekretär im BDB, kämpfen darum, dass ihr Handwerk die Meisterpflicht bekommt. "Wir müssen diese Hürde nehmen", sind sich beide einig.
Der Beruf des Bestatters umfasst vielfältige Aufgaben: einerseits die Versorgung von Verstorbenen, die Organisation und Durchführung von Trauerfeiern, aber auch die psychologische Betreuung der Angehörigen. Bestatter brauchen außerdem fundierte rechtliche Kenntnisse. Jedes Bundesland hat eigene Bestattungsgesetze und Verordnungen, die Dinge wie Bestattungspflicht, Fristen für Bestattungen, Friedhofspflicht und Ruhezeiten regeln. Hinzu kommen die Friedhofssatzungen jeder einzelnen Kommune oder Kirchengemeinde.
Ausbildung zur Bestattungsfachkraft erst seit 2003
2003 hat die Branche erreicht, dass all diese Kenntnisse in einer Ausbildung zur Bestattungsfachkraft vermittelt werden. 2005 eröffnete das Bundesausbildungszentrum im unterfränkischen Münnerstadt. Seit 2020 zählt der Bestatterberuf zum Vollhandwerk, im Zuge des Vierten Gesetzes zur Änderung der Handwerksordnung. Davor galten die Bestatter nur als handwerksähnlich.
Ihr Hauptargument der Gefahrenabwehr hatte 2020 nicht genügt, um mit zwölf anderen Gewerken in die Meisterpflicht zu kommen. "Und drei Monate später kam Corona", erinnert sich Michal. In dieser insbesondere für Bestatter extrem herausfordernden Situation hätte eine Meisterqualifikation mehr Sicherheit gegeben, ist er überzeugt.
Jetzt wollen BDB, wichtige Landesinnungsverbände und das Deutsche Institut für Bestattungskultur den Sprung in die Meisterpflicht 2025 schaffen. Der Termin ist nicht zufällig gewählt. Dieses Jahr endet die Evaluierungsfrist der zwölf rückvermeisterten Handwerksberufe von 2020. Die Evaluierung soll zeigen, ob sich in diesen Gewerken Ausbildungsleistungen, Qualität und Verbraucherschutz verbessert haben. "Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um das Thema Meister noch einmal anzugehen" ist Neuser überzeugt. Seit 2009 gibt es eine Bestattermeisterverordnung. Die aktuell verfügbaren Zahlen zeigen, dass es im BDB 2023 660 Bestattermeister gab. Pro Jahr kommen etwa 50 weitere hinzu.
Von freiwilligem Meister zu Zulassungspflicht
Aus der freiwilligen Meisterfortbildung soll nun eine verpflichtende Zugangsvoraussetzung für den Beruf werden, wünscht sie die Branche. Der BDB hat die Kampagne "Ja zum Bestattermeister" aufgesetzt. Er argumentiert mit vier Punkten:
- Gefahrenabwehr: Spätestens die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig die Rolle der Bestatter ist, wenn es um die hygienische Totenversorgung geht. "Wer nicht sauber arbeitet, gefährdet sich selbst, seine Familie und das ganze Umfeld", warnt Michal.
- Verbraucherschutz: Trauernde Menschen sind in einer emotionalen Ausnahmesituation, in der sie zahllose Entscheidungen treffen müssen. "Wenn ich als Bestatter einen Fehler mache, hängt das den Angehörigen in 20 Jahren noch nach", gibt Michal zu bedenken, wie wichtig fundiertes und einfühlsames Vorgehen ist.
- Katastrophenschutz: In Situationen wie der Corona-Pandemie, der Flutkatastrophe im Ahrtal oder im Hilfseinsatz in Erdbebengebieten auf der ganzen Welt müssen die Bestatter sowohl fachlich wie menschlich den Herausforderungen gewachsen sein.
- Kulturgut: Wie Menschen mit ihren Verstorbenen umgehen, sagt viel über die Gesellschaft aus. Das ist stark im Wandel, nicht nur, weil immer weniger Menschen einer Kirche angehören. Bestatter müssen heute auch auf sehr individuelle Wünsche eingehen, verschiedene kulturelle Hintergründe berücksichtigen und gleichzeitig digital fit sein, um Fragen zum digitalen Nachlass, zum Umgang mit sensiblen Daten oder zum Erstellen digitaler Gedenkportale beantworten zu können.
Die Anforderungen in diesen vier Bereichen machten Qualität und Professionalität auf Meisterniveau nötiger denn je, so Neuser. Der Verband hat bereits Vorgespräche mit allen wesentlichen Akteuren für die Einführung einer Meisterpflicht geführt. Bisher sei die Resonanz durchweg positiv.