Konjunktur Warnung vor zu viel Optimismus

Mit den zunehmenden Zeichen für eine beginnende Erholung der Wirtschaft mehren sich zugleich die Stimmen, die vor zu großen Erwartungen warnen. Es sei derzeit "noch unsicher, ob die positiven Konjunktursignale bereits eine grundlegende und nachhaltige Wende zum Besseren anzeigen", heißt es im Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums.

Warnung vor zu viel Optimismus

Das Bundesfinanzministerium rechnet damit, dass sich der wirtschaftliche Aufschwung im dritten Jahresviertel fortgesetzt hat. Allerdings befänden sich die meisten Industrieindikatoren weiter auf einem niedrigen Niveau, sodass die gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten wohl auf absehbare Zeit deutlich unausgelastet bleiben dürften. Neben den steigenden Auftragseingängen der Industrie trage auch eine verbesserte Auslandsnachfrage sowie der private Konsum zur Erholung bei.

Das arbeitgebernahe IW hat in seinem jüngsten Konjunkturbericht vom Montag die Wachstumserwartungen für 2010 auf 1,5 Prozent angehoben. Im Mai hatte das Institut noch mit einem Zuwachs von "allenfalls 0,5 Prozent" im kommenden Jahr gerechnet. Unverändert ließen die Forscher dagegen ihre Prognose für das laufende Jahr und rechnen weiter mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4,5 Prozent. Die Bundesregierung erwartet 2009 ein um 5 bis 6 Prozent geringeres BIP, 2010 werde die Wirtschaft dagegen um 0,5 Prozent wachsen.

"Die von der globalen Krise schwer getroffene deutsche Wirtschaft kommt 2010 langsam wieder auf die Beine", erklärte das IW. Treibende Kraft sei dabei der Außenhandel, der sich bereits seit dem Frühjahr wieder ein wenig "berappelt" habe. Allerdings sei der Weg der konjunkturellen Erholung noch lang, "und er wird – wie jeder Korrekturprozess – nicht ohne Rückschläge bleiben", sagte IW-Direktor Michael Hüther.

Mit Blick auf den Arbeitsmarkt sprach das Finanzministerium davon, dass dieser "immer noch ungewöhnlich moderat" reagiere. Allerdings deuteten die Beschäftigungsplanungen der Unternehmen darauf, dass «stärkere Anpassungsreaktionen» noch bevorstehen. Nach Ansicht des IW wirkt sich die Rezession erst 2010 richtig aus. Die Arbeitslosenzahl dürfte auf mehr als 4,2 Millionen steigen.

Mit Blick auf die Diskussion um die Kreditversorgung sieht die Bundesbank in Deutschland derzeit keine übermäßige und konjunkturbedrohende Verknappung. Zwar gebe es Hinweise auf eine restriktivere Kreditvergabe. Die Indikatoren deuteten jedoch darauf, dass dahinter "vor allem eine gesunkene Kreditnachfrage und eine wegen der Wirtschaftsaussichten und der damit gestiegenen Risiken zu erwartende vorsichtigere Kreditvergabepolitik der Banken stehen", heißt es im Monatsbericht.

Dennoch warnte die Bundesbank, es bestehe perspektivisch die Möglichkeit, dass das Kreditangebot in der sich abzeichnenden Konjunkturerholung hinter dem Bedarf zurückbleibe "und so den Aufschwung erschweren könnte". Dies sei jedoch nicht das "wahrscheinlichste Szenario".

ddp