Für das kommende Jahr rechnet der Sachverständigenrat der Bundesregierung nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent. Im internationalen Vergleich steht Deutschland aber immer noch gut da. Sollte der Welthandel jedoch stagnieren, rutscht auch Deutschland tiefer in die Krise.

Auch wenn der Euroraum momentan durch die Eurokrise in heftige Unruhen geraten ist, geht es der deutschen Wirtschaft relativ gut. Die vorhergesagte Wachstumsrate für 2011 liegt bei 2,9 Prozent. Das Handwerk geht aktuell von einem so starken Umsatzplus aus, dass sogar die guten Werte, die nach der Wiedervereinigung erzielt wurden, übertroffen werden.
Doch diese Hochstimmung wird nun durch die Prognosen der fünf Wirtschaftsweisen des Sachverständigenrats getrübt. Sie haben gestern ihr Jahresgutachten vorgestellt und sprechen darin von einem "Teufelskreis" aus Staatsschulden und Bankenkrise, der sich verschärfen könnte. Im Falle einer Stagnation des Welthandels, wenn also der Export stark zurückgeht, könnte im schlimmsten Fall sogar eine Rezession drohen.
Doch so negativ denkt die Bundesregierung selbst nicht. Sie spricht in Bezug auf das Jahresgutachten von einem Aufholprozess, den die Konjunktur nun bewältigen müsse. Deshalb könnten die Unternehmen aktuell so gute Werte erreichen, die sich ab dem kommenden Jahr aber wieder normalisieren würden.
Schuldenschnitt ist keine Lösung
Normalisierung werde demnach auch durch die Konsolidierungspläne der Euro-Länder eintreten, um die einzelnen Regierungen erlassen hätten, so die Bundesregierung. Doch die Wirtschaftsweisen sprechen hier klarere Worte. Sie befürchten für den Euro-Raum eine "Kettenreaktion", die sich in den "anderen Problemländern" auswirken würde, wenn Griechenland nicht stabilisiert und die Schuldenkrise nicht eingedämmt werden kann.
Der Sachverständigenrat hält einen Austritt Griechenlands aus dem Euro nicht für eine Lösung der kritischen Lage der Währungsunion. Er warnte vor "Illusionen", dass der vorgesehene Schuldenschnitt bei griechischen Staatsanleihen auf Dauer helfe. Es könne aber der europäischen Politik ein "Zeitfenster" öffnen, um die Lage wieder in den Griff zu bekommen. Dieses gilt es jetzt auch von der deutschen Bundesregierung zu nutzen. jtw/dapd