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TV-Kritik "Terra Xpress" Warnung vor betrügerischen Pseudo-Handwerkern

Was tun, wenn ein Handwerker unvermittelt seine Dienste anbietet, weil angeblich zu viel Moos auf dem Dach ist, oder wenn plötzlich eine neue Dachrinne das eigene Haus ziert? Das ZDF-Wissensmagazin Terra Xpress widmete sich den Betrugsmaschen vermeintlicher Handwerker, und differenzierte dabei sauber zwischen schwarzen Schafen und seriösem Handwerk.

Der Dachhai macht ziemlich Druck. Das Moos da oben auf dem Dach sei eine Gefahr. „Sonst ist das Dach hin“, warnt er. Die Frau, der das Haus gehört, ist unsicher. Tatsächlich wollten sie und ihr Mann schon seit einiger Zeit ihr Dach einmal wegen des Mooses begutachten lassen. "Extra günstig", sagt der vermeintliche Handwerker. Die Frau erbittet sich Bedenkzeit, ohne ihren Mann könne sie so etwas nicht entscheiden. In einer Stunde will der Mann wiederkommen. Zumindest ist diese Zeit schon mal gewonnen.

Von schwarzen Schafe und "Pseudo-Handwerkern"

Das ZDF-Wissensmagazin Terra Xpress stellt echte Fälle aus den verschiedensten Lebensbereichen nach, häufig geht es um Verbraucherärger mit Behörden und Firmen oder um kriminelle Machenschaften, denen sich Menschen ausgesetzt sehen. Diesmal ging es um die betrügerischen Maschen vermeintlicher Handwerker.

Dabei differenzierte die Sendung schon sprachlich deutlich zwischen seriösen Handwerkern und solchen, die erstens meist gar keine sind und zweitens ihre Dienstleistungen auf höchst fragwürdigem Weg an den Mann oder die Frau bringen. Stets war die Rede von "Pseudo-Handwerkern" oder angeblichen Handwerkern, löblicherweise wurde zu keinem Zeitpunkt von den schwarzen Schafen auf die gesamte Branche geschlossen.

Interessant sind die Maschen, die die Betrüger anwenden. Da kommt eine Frau eines Tages nach Hause und entdeckt eine nagelneue Dachrinne an ihrem Haus. Die hätten zwei Handwerker dort angebracht, erzählt ihr Mitbewohner, die gesagt hätten, dass sie in ihrem Auftrag handelten. Am Abend wollten sie wiederkommen – zum Kassieren. Doch die Frau bleibt hart, zumal die Dachrinne dilettantisch montiert wurde, lose und undicht ist. Ohne Auftrag zahle sie gar nichts, sagt sie den beiden Betrügern. Die ziehen von dannen, sind jedoch nach vier Wochen wieder da, diesmal nachdrücklicher im Auftreten.

Die Frau geht aufs Ganze. Bevor die tropfende Dachrinne nicht repariert sei, zahle sie gar nichts. Die Männer steigen hoch zur Rinne, während die Frau die Polizei ruft. Noch bevor die Betrüger erneut Geld fordern können, kommen die Beamten und erteilen den beiden einen Platzverweis. Die Frau ist noch mal davongekommen, der Rat ganz klar: Nicht zahlen und die Polizei rufen.

Betrug mit vermeintlich regionalen Notdienst-Nummern

Tatsächlich gezahlt hat ein Rechtsanwalt in einem dritten Fall. Das Abwasserrohr seiner Spüle in der Küche ist verstopft, sodass er einen regionalen Handwerker sucht. Er findet einen Notdienst mit einer Nummer aus Detmold, wo der Mann wohnt. Die Handwerker kommen, arbeiten und arbeiten - offenbar ohne Erfolg. Als der Mann entdeckt, dass das Auto der Firma aus dem hessischen Gießen kommt, wirft er die beiden raus. Die Rechnung: 487,90 Euro. Der Mann ist überrumpelt und bezahlt. Erst später merkt er, dass die Detmolder Nummer weitergeleitet und er betrogen wurde. Doch als er mit der Geschichte an die Presse geht, melden sich andere Geprellte bei ihm. Mittlerweile vertritt er 30 Menschen, die von den unseriösen, vermeintlich regionalen Notdiensten reingelegt wurden.

Das alles war lehrreich, durchaus interessant und flott aufbereitet, glich aber auch einen wilden Parforceritt durch die Maschen von Dachhaien und anderen Betrügern - alles natürlich sehr zugespitzt und mit ein wenig zu viel Einsatz an dramatischer Wackelkamera und fesselnder Musik nachgestellt. Doch weil derart unseriöse Handwerker nicht nur Verbraucher betrügen und damit strafbar handeln, sondern darüber hinaus auch eine ganze Branche in Verruf bringen können, hatte die Sendung mit ihrem recht hohen Informationswert in der kurzen Sendezeit ihre Berechtigung - zumal die Autoren sauber zwischen seriös und kriminell trennten.

Wie der Fall des Ehepaars ausging, das mit dem Dachhai zu tun hatte? Von der Ehefrau zu Rate gezogen, wollte der Mann zuerst bei der Handwerkskammernach einer Empfehlung für einen Betrieb fragen, doch dazu fehlte die Zeit, denn die Stunde, nach der der Dachhai wiederkommen wollte, lief. Als er dann erneut vor der Tür stand, tat der Mann nach Rücksprache mit der Polizei das einzig Richtige in so einem Fall, nämlich nicht klein beizugeben. Er machte die klare Ansage, dass die Masche bei ihnen nicht ziehe: "Kommt für uns nicht in Frage."

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