Längst nicht alle Handwerksbetriebe veröffentlichen ihre Preise auf der Firmenwebsite. In manchen Gewerken ist die Preiskalkulation zu komplex, um eine übersichtliche Preisliste ins Netz zu stellen. Abhilfe schaffen Web-Preisrechner, mit denen Kunden die zu erwartenden Kosten selbst berechnen können. Allerdings sind diese Marketinginstrumente keine Selbstläufer.

"Viele Kunden wissen gar nicht, dass so etwas möglich ist und welchen Mehrwert es bringt", sagt Till Uphoff von der Bielefelder Werbeagentur OWL Vision über Online-Preisrechner. Handwerksbetriebe könnten damit viel Zeit sparen. Unter Online-Preisrechnern versteht man Eingabefelder oder Masken, die auf einer Firmenhomepage integriert sind – als Alternative oder Ergänzung zu Preisangaben oder Preislisten. Der Nutzer gibt einige Parameter zu seinem Produktwunsch ein und bekommt dann eine Preiskalkulation auf dem Bildschirm angezeigt.
"Viele Kunden vergleichen Preise online. Je schneller sie einen Preis finden, desto schneller können sie ihre Entscheidung treffen", sagt Marketingexperte Uphoff, der zahlreiche Handwerksbetriebe zu seinen Kunden zählt. Darunter viele Malerbetriebe, aber auch Maurer, Fliesenleger, Tischler oder Elektriker. Relativ neu sind Photovoltaik-Rechner, die für Dachdecker interessant sind. "Den Rechner sollte man auf der Website nicht verstecken. Auf der Startseite oder oben im Menü ist er in den meisten Fällen gut aufgehoben", meint Uphoff.
"Online-Preisrechner helfen gegen Fachkräftemangel"
Marc Busse sieht darin sogar ein Instrument gegen den Fachkräftemangel. "Weil die Betriebe Ressourcen sparen", meint Busse. Die Rechner würden eine Filterfunktion erfüllen, indem sie Interessenten von vornherein aussieben, die die Preisvorstellungen des Anbieters nicht erfüllen wollen oder können. "Der Chef kann es sich dann sparen, mit dem Interessenten ein vertiefendes Gespräch zu führen oder ihm einen verbindlichen Kostenvoranschlag zu erstellen", sagt Busse. Außerdem müsse man die Rechner wie einen 24-Stunden-Service betrachten, schließlich können die Kunden sie rund um die Uhr nutzen.
Mit seiner Firma "Tool Box - Handwerkersoftware" hat sich der Berliner 2018 selbstständig gemacht und erwirtschaftet seitdem als Ein-Mann-Betrieb laut Geschäftsbericht stabile Gewinne. Es gibt den Küchenrechner, den Badrechner, den Heizungsrechner, den Fußbodenrechner und den Fensterrechner, die er seinen Kunden per Code in jede Firmenhomepage einbaut – egal, ob diese mit dem freien Content-Management-System WordPress oder einem Baukastensystem wie Wix, Strato oder Jimdo erstellt wurde. Dafür berechnet Busse einmalig meist zwischen 600 und 1.000 Euro, hinzu kommen laufende Kosten von rund 50 Euro pro Monat. 500 zahlende Kunden hat er nach eigenen Angaben bereits gewonnen. Viele würden bei einer Neugestaltung der Firmenwebsite die Gelegenheit nutzen, den Rechner gleich mitzubestellen.
Doch die Zahl der Mitbewerber ist groß, das Angebot an Online-Rechnern unübersichtlich. Auch die Agentur von Till Uphoff programmiert Online-Rechner, ab 500 Euro aufwärts. Je komplexer, desto teurer. Uphoff sagt aber auch: "Für Produkte, die sehr komplex sind und bei denen der User bis zu 30 oder 40 Parameter eingeben muss, um einen Preis zu berechnen, würde ich einen Preisrechner nicht empfehlen." Das würde Interessenten nur abschrecken und die Sache eher verkomplizieren als erleichtern. Vielen seiner Kunden empfiehlt er das WordPress-Plugin Funnelforms, sofern die Firmenhomepage ebenfalls mit dem beliebten Content-Management-System erstellt wurde.
Malermeister entwickelt eigenen Preiskalkulator
IT-affine Handwerker können aber auch ganz auf die Dienste einer Agentur verzichten. So wie Malermeister Kay Lamertz aus Tönisvorst bei Krefeld, der sich vor Jahren einfach einen eigenen Preiskalkulator gebastelt und in seine Firmenseite integriert hat. "Das ist ein kleines Gimmick", sagt er, denn sein Preiskalkulator ist nicht mehr als ein Taschenrechner, der die Quadratmeterzahl mit dem Quadratmeterpreis multipliziert. Immer wieder würden Kunden seitdem auf ihn zukommen und sich auf ihre Berechnung im Netz berufen, so Lamertz.
Heizungs- und PV-Rechner über Partnerprogramm
Eine weitere Option sind Partnerprogramme, die verschiedene Hersteller anbieten. Schon 2015 hat Heizungsbauer Viessmann Climate Solutions seinen Heizungsrechner eingeführt, das Tool seitdem kontinuierlich weiterentwickelt und vor rund zwei Jahren um einen Photovoltaik-Rechner ergänzt. Nutzer klicken sich von Maske zu Maske, hinterlassen Angaben zu Heizung, Immobilie, Haushaltsgröße und ihren individuellen Wünschen und erhalten hinterher ein Angebot. Für die Installation berechnet Viessmann einmalig knapp 1.000 Euro, hinzu kommen monatliche Gebühren von rund 100 Euro. Nach Angaben des Unternehmens nutzt eine vierstellige Zahl von Fachpartnern den Viessmann-Heizungsrechner. Dabei handelt es sich genau genommen um einen Angebotsrechner, der keine Zahl ausgibt, sondern eine Kontaktanfrage generiert. Die Unternehmen erhalten in diesem Fall die Daten des Interessenten, müssen aber auch aktiv werden und anschließend ein Preisangebot übermitteln.
Nachteile von Online-Preisrechnern
Der Düsseldorfer Marketing-Experte Peter Schmitt ist von der Idee der Webseiten-Kalkulatoren nicht überzeugt. "Die Gefahr ist groß, dass im Einzelfall ein ganz anderer Preis herauskommt", sagt er. Das birgt Frust-Gefahr. Und einen Mehraufwand erfordern die Webrechner auch, denn die Berechnungsgrundlagen müssten stets auf den neuesten Stand gebracht werden. Gerade in Zeiten, in denen die Preise ständig steigen, kann das mühsam sein und für Verwirrung sorgen. Sein Preiskalkulator sei in der Tat gar nicht mehr aktuell, meint Malermeister Kay Lamertz. Der Quadratmeterpreis von rund 16 Euro, der im Eingabefeld als Berechnungsgrundlage voreingestellt ist, hätte längst durch rund 22 Euro ersetzt werden müssen. Ergo ist jede Berechnung, die ein Kunde jetzt auf der Website durchführt, falsch. Wenn er Pech hat, muss er das potenziellen Kunden demnächst immer wieder erklären.