Aus Studenten werden Handwerker: Bundesbildungsministerin Wanka will Auszubildende im Handwerk aus der großen Zahl an Studienabbrechern rekrutieren und so den Fachkräftemangel bekämpfen. Der Zentralverband des Handwerks zeigt sich erfreut über den Vorschlag.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) möchte Studienabbrechern eine Perspektive im Handwerk bieten. Sie sollen nach dem Willen der Ministerin künftig ins Handwerk vermittelt werden - denn bislang kümmere sich niemand systematisch um die gescheiterten Studenten.
"Wir brauchen einen engeren Kontakt zwischen Studienabbrechern sowie den Kammern und Unternehmen, damit diese schnell zueinander finden. Dazu werden wir Pilotprojekte starten", sagte Wanka der Zeitung "Welt am Sonntag".
Abbrecherquote ist hoch
Und die Zahl derer, die ihr Studium – freiwillig oder unfreiwillig – nicht beenden, ist hoch. In einigen Studiengängen wie Mathematik oder Ingenieurswissenschaften liegt die Abbrecherquote bei fast 50 Prozent. Einen Teil der Abbrecher möchte die Bildungsministerin für eine Ausbildung im Handwerk gewinnen. Denn dort ist der Bedarf an gut qualifizierten Auszubildenden enorm.
Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, begrüßte den Vorschlag der CDU-Politikerin. "Wir müssen gemeinsam mit den Hochschulen Studienabbrecher auch über die Chancen der beruflichen Bildungswege informieren", sagte Wollseifer der Zeitung.
Studienleistungen anerkennen
Das Handwerk würde von den Anstrengungen Wankas profitieren – tun sich doch viele Betriebe bereits jetzt schwer, gut qualifizierte Fachkräfte zu finden. Und die Situation wird sich in naher Zukunft voraussichtlich noch verschärfen - in den kommenden zehn Jahren brauchen rund 200.000 Handwerksunternehmer einen Nachfolger.
Laut einer Studie des ZDH planen oder Unterstützen bereits mehr als die Hälfte der Handwerksinstitutionen Kooperationsprojekte mit Hochschulen. "Angesichts der Herausforderungen kann es sich Deutschland nicht leisten, Talente bei einer angestrebten Umorientierung nur einseitig zu beraten oder gar abzuschreiben", betont Wollseifer.
Neben der besseren Vermittlung von Studienabbrechern durch die Zusammenarbeit von Hochschulen, Kammern und Unternehmen, soll die Anrechnung eines Teils der Studienleistungen, den ehemaligen Studenten die Ausbildung im Handwerk schmackhaft machen. "Wir wollen es Studienabbrechern ermöglichen, eine verkürzte Ausbildung in Unternehmen zu absolvieren", erläuterte Wanka. sch