Wenn die Sonne über die unzähligen Viertausender kommt, erstrahlt das Goms im schweizerischen Oberwallis in seiner ganzen Schönheit: Von der Sonne gebräunte Holzhäuser und unendliche weiße Weiten zum Langlaufen. Von Patrick Choinowski, Goms
Walliser Wintermärchen
Noch versteckt sich die Sonne. Dunkel und schattig ist es. Doch lange kann es nicht mehr dauern, bis ihre Strahlen über die gigantischen Bergspitzen den Weg hinunter finden, in diese Landschaft, die in kein Märchen passt – weil sie selbst eines ist. Es scheint fast so, als ob die Bewohner des Goms auf der Sonnenseite leben. Denn kommt der strahlende Planet in das Tal, erleuchtet er eine schier nicht enden wollende, weiße Ebene. Loipen, Winterwanderwege und die Matterhorn-Gotthard-Bahn ziehen ihren Weg durch die Talschaft im Oberwallis. Dies alleine macht das Goms aber noch nicht zum weißen Paradies. Dazu gehört der Charme, den nur das Oberwallis mit seinen typischen braunen Holzhäusern und Wäldern zu bieten hat. "Diese Authenzität habe ich noch nirgends anders erlebt", sagt Hotelier Peter Gschwendtner, der ein Tiroler ist und seit 14 Jahren heimisch im Goms ist.
So schön das Goms im Sonnenschein sich dem Gast darstellt, so kalt ist es, wenn die Sonne nicht strahlt. Elmar weiß das fast wie kein anderer. Seit zwölf Jahren gibt er Unterricht für die Langlaufschule von Koni Hallenbarter, der 1983 den berühmten Wasa-Lauf in Schweden gewann und der der Langlaufspezialist in der Region Goms ist.
Gesichtsmaske weicht dem Cowboyhut
Gleich sechs Schichten hat sich Elmar an diesem Morgen angezogen und sorgt sich, dass der Gast frieren könnte, weil der eben nicht so dick eingepackt ist. Doch die ersten Übungen wärmen bereits, und nun, da auch das Weisshorn (4.505 m) in der Sonne glitzert, ist die Kälte sowieso vergessen. Elmar tauscht sogleich seine Gesichtsmaske gegen einen Cowboyhut und nimmt sich schon der nächsten Gruppe an. Kaum eine freie Minute hat er im Winter. Nur kurz bleibt Zeit in der Vasa-Bar seines Chefs Koni Hallenbarter einen Loipen-Tee oder ein Sakter-Doping zu genießen. Wie schön ist es da als Gast, im Sonnenschein die leckeren Tee-Kreationen und den hausgemachten Fruchtkuchen zu genießen.
Langlaufen und das Goms, das gehört zusammen wie das Wallis und Käsefondue oder Raclette. 100 km Loipe sind täglich gespurt. Skater und Liebhaber der klassischen Technik können sich richtig austoben. Gleich drei Spuren machen dem Klassiker richtig Spaß. Langsame und schnelle Läufer kommen so ohne Abstriche auf ihre Kosten. Ebenso besteht die Wahl zwischen zwei Schwierigkeitsgraden: entweder flach oder am Hang laufen die Loipen. So bereitete sich die U23-Langlauf-Nationalmannschaft des Deutschen Skiverbandes auf den FIS-Loipen beim neuen Nordic-Zentrum in Ulrichen auf die Junioren-Weltmeisterschaften in den französischen Alpen vor.
Langlaufen entlang der jungen Rhône
Und die Beschreibungen im Übersichtsplan versprechen nicht zu viel. Die Sonnenloipe liegt tatsächlich ausschließlich in der Sonne. Ein Hit sind Rotten- und Hangloipe. Von Oberwald am Fuß des Furkapasses startet man entlang der jungen Rotten – so nennen die Walliser die Rhône, die kurz unterhalb der Passhöhe entspringt. 21 km geht es hinab bis nach Niederwald, dem Geburtsort des Gourmet-Hoteliers Cäsar Ritz. Wer in Niederwald oder auch schon in einem der zwölf davor liegenden romantischen Dörfer keine Lust oder Kraft mehr hat, zum Ausgangspunkt zurückzulaufen, wartet einfach an den nahe gelegenen Bahnhöfen auf die rot-weißen Züge der Matterhorn-Gotthard-Bahn. Im Stundentakt bringen sie die Langläufer wieder zurück zum Ausgangspunkt oder Hotel. Den Loipenpass gibt es im Goms deshalb wahlweise auch inklusive Bahnticket.
Wie in den meisten Ferienregionen der Schweiz kostet zwar das Langlaufen im Goms Geld, dafür bieten sich aber auch erstklassige Bedingungen. Schließlich kommt es selten vor, dass man um 14 Uhr noch frisch gespurte Loipen vorfindet. Ein Traum für einen Skater, der nicht ganz so früh aufstehen will und trotzdem die ersten Spuren in den Schnee ziehen möchte.
Schlemmen im Sinne von Cäsar Ritz
Zu den sportlichen Anstrengungen gehört freilich auch vernünftige Verpflegung. Nur wer gut isst, kann auch ausgedehnt Sport treiben. Wer im Wallis ist, denkt da logischerweise zuerst an Käsefondue und Raclette. Im Goms setzen die Gastwirte und Hoteliers noch auf etwas anderes: Sie wollen bewusst machen, dass der "Hotelier der Könige", Cäsar Ritz aus ihrer Region stammt. "Seit dem 150. Geburtstag von Ritz im Jahr 2000 machen wir das", sagt Peter Gschwendter. Sein Hotel "The Castle" oberhalb von Blitzingen ist einer von neun Betrieben im Goms, der ein Ritz-Gourmet-Menü anbietet. "Jeder versucht im Ritz’schen Sinne etwas besonderes zu servieren und entwerfen", sagt Gschwendtner. Bei ihm wechselt das Ritz-Menü jeden Monat. Wichtig dabei: Alle Produkte müssen aus der Region kommen. Serviert wird es immer am gleichen, aber besonderen Ort in seinem Restaurant. Der Tisch ist mit einer bordeauxrot-goldenen Decke bedeckt, eine moderne Statue sieht beim Essen und zu. Und wer will, kann sich gleich noch im Spiegel an der Wand begutachten.
Im Goms lebt man einfach frei nach der Philosophie von Cäsar Ritz: "Ein Leben mit Qualität und Gastfreundschaft für den Gast" – sowohl beim Essen als auch beim Sport.