Die Parteienwerbung zur Europawahl 2014 ist eine Mischung aus Belanglosigkeit und Absurditäten.
Burkhard Riering

Was man den Parteien ausnahmsweise einmal nicht vorwerfen kann: Dass sie zu viel Zeit mit der Entwicklung spannender Wahlwerbung verschwenden. Gegenwärtig versetzen uns die Plakate und TV-Spots zur Europawahl in einen dämmrigen Trance-Zustand, aus dem wir hoffentlich vor dem 25. Mai aufwachen, um noch rechtzeitig wählen gehen zu können.
Bla muss reichen
Die Vorgabe lautet: Ein Wahlplakat muss öde und blabla sein. Die CDU will ein „Europa, das mehr Arbeit und Wachstum schafft“. Ganz mutige Aussage, liebe CDU. Die dazugehörigen Merkel-Fotos sind aus dem letzten Bundestagswahlkampf, man hat sich nicht die Mühe gemacht, neue Bilder zu schießen. EU-Spitzenkandidat David McAllister wurde gleich ganz vergessen. Einfach nur Merkel, das reicht, mehr brauchen die braven Bürger nicht. Alles wird gut.
Auch die SPD versucht was mit Wachstum: „Wachstum, nicht Stillstand.“ Wer kann dazu schon nein sagen? Wir warten auf eine Partei, die „Stillstand, nicht Wachstum“ will. Ein anderer SPD-Spruch: „Miteinander statt Gegeneinander“. Brutal nett. Die Grünen bekennen sich zum „Klimaschutz ohne Grenzen“ – wie in den vergangenen 30 Jahren auch.
Komatös ins Bett
Und eine FDP-Kandidatin ließ allen Ernstes ihre Plakate mit dem Slogan bedrucken: „Liebe kennt keine Grenzen.“ Das hat schon was von Verzweiflung.
Von den verkrampften Wahlwerbespots ganz zu schweigen. Politiker sind keine Schauspieler, klar. Aber der Zuschauer, der nach anderthalb Minuten eines Spots nicht komatös ins Bett fällt, der hat definitiv ein Einschlafproblem.
Also Gute Nacht. Und rechtzeitig aufwachen: Denn wählen gehen ist Pflicht – egal, wie die Werbung ist.