Entgegen vieler Befürchtungen können Wärmepumpen die Stromnetze sogar entlasten. Eine neue Studie zeigt, wie ein flexibler Betrieb den Netzausbau günstiger macht und Verbraucher sparen können.

Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) sieht in den wachsenden Absatzzahlen von Wärmepumpen keine automatische Belastung für Stromnetze und den Netzausbau. "Wärmepumpen sind Teil der Lösung und nicht Teil des Problems", sagte BWP-Geschäftsführer Martin Sabel. Durch den flexiblen Betrieb von Wärmepumpen könnten nicht nur die Strombezugskosten von Wärmepumpenbesitzern gesenkt, sondern auch der Netzausbau günstiger gestaltet werden. Der Verband fordert deshalb die Weiterentwicklung dynamischer Netzentgelte und einen schnelleren Smart Meter Rollout.
Wärmepumpe: am häufigsten abgesetzte Heizungstechnik
Wie Sabel weiter sagte, sind in den ersten neun Monaten 2025 rund 210.000 Wärmepumpen in Deutschland abgesetzt worden. Das ist ein Plus von 57 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Wärmepumpe sei in diesem Jahr erstmals die am häufigsten abgesetzte Heizungstechnik. Zentraler Treiber der aktuellen Marktentwicklung ist nach Angaben des Verbandes die bestehende BEG-Heizungsförderung. 85 Prozent aller geförderten Heizungen seien Wärmepumpen, fügte Sabel hinzu. Die Menschen wollten weg von fossilen Heizungen. Angesichts des Hochlaufs der Wärmepumpe stellten sich aber immer mehr Menschen die Frage, was dies für den Stromverbrauch und die Stromnetze bedeute.
Variable Strompreise und Netzentgelte helfen, Geld zu sparen
Eine Studie, die der BWP beim Energieberatungsunternehmen Consentec in Auftrag gegeben hat, kommt zu dem Ergebnis, dass Wärmepumpen ein Win-Win-Faktor sein können. "Verbraucher können sich einerseits mit zeitvariablen Strompreisen am Markt oder über variable Netzentgelte an der Netzauslastung orientieren", sagte Consentec-Senior-Consultant Christian Linke. Ein normaler Haushalt könne so 300 bis 400 Euro im Jahr sparen. Und Netzbetreiber könnten durch den gezielten Anreiz dieser Flexibilität ihren Netzausbaubedarf kostengünstiger gestalten.
Weniger Bedarf an zusätzlichen Leitungen
Wärmepumpen könnten nach den Worten Linkes je nach Netzgebiet dann Strom beziehen, wenn viel Wind- oder Solarstrom verfügbar ist oder sich in Zeiten hoher Netzauslastung automatisch zurücknehmen. "Das reduziert nicht nur die Kosten, sondern auch den Bedarf an zusätzlichen Leitungen", betonte Studien-Mitautor Linke.
Sabel: Deutlich mehr Smart-Meter nötig
Um die Einsparpotenziale voll auszunutzen, ist laut Sabel eine "moderne digitale Infrastruktur" nötig. Nur in 16 Prozent der verpflichtenden Fälle seien derzeit Smart Meter installiert. "Damit flexible Tarife und netzorientierter Betrieb flächendeckend funktionieren, müssen Smart Meter zur Selbstverständlichkeit werden", betonte er. Die Diskussion um die Weiterentwicklung bestehender statisch variabler Netzentgelte hin zu echten dynamischen Netzentgelten begrüßt der Verband. Gleichzeitig forderte Sabel die Bundesregierung auf, die Strompreise weiter zu entlasten.