Schulung von Klimahandwerkern Wie sich das Handwerk für den Wärmepumpen-Hochlauf rüstet

Ein Jahr nach der aufgeregten Debatte über Schmalspur-Ausbildungen für Klimahandwerker hat sich der Ton verändert. Handwerk, Politik und Verbände arbeiten konstruktive Lösungen aus. So entwickelt sich der Bildungsmarkt.

Grundsätzlich ist es leicht, Wärmepumpen aufzustellen. Damit sie effizient und langlebig sind, brauchen Handwerker aber umfassendes Wissen. Das wirkt sich auf den Bildungsmarkt aus. Auch die SHK- Innungen München und Berlin haben ihre Kursinhalte an die Anforderungen angepasst.
Grundsätzlich ist es leicht, Wärmepumpen aufzustellen. Damit sie effizient und langlebig sind, brauchen Handwerker aber umfassendes Wissen. Das wirkt sich auf den Bildungsmarkt aus. Auch die SHK-Innungen München und Berlin haben ihre Kursinhalte an die Anforderungen angepasst. - © SHK Innung München

Vergangenes Jahr drohte das Handwerk beim Wärmepumpen-Hochlauf zum Flaschenhals zu werden. "Doch das ist es nicht mehr", sagt Andreas Koch-Martin, Geschäftsführer der Innung für Sanitär Heizung Klima (SHK) Berlin. Die Absatzzahlen der Wärmepumpe sind deutlich zurückgegangen, in Deutschland wie international.

Gleichzeitig hat sich auf verschiedensten Ebenen viel am Bildungsmarkt getan, um mehr Fachkräfte, aber auch Helfer für die Branche zu gewinnen. "Ganze Interessengruppen setzen sich dafür ein, den Wärmepumpen-Hochlauf voranzubringen", beobachtet Koch-Martin.

Neues in der Ausbildung

Das beginnt bei der Ausbildung. In die Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung ist ein Lehrgang mit dem Thema "Anlagen und Systeme zur Nutzung erneuerbarer Energien" aufgenommen worden. Die angehenden Anlagenmechaniker sollen hier Kompetenzen erwerben, um Wärmepumpensysteme und multivalente Anlagen in Betrieb nehmen und instand halten zu können. Ab diesem Ausbildungsjahr starten die überbetrieblichen Berufsbildungsstätten mit den Inhalten, abhängig von ihren jeweiligen Möglichkeiten vor Ort.

Um Ausbildern in Betrieben sowie Berufsschullehrern Material an die Hand zu geben, haben die handwerklichen Mitglieder im Bundesverband Wärmepumpe diverse Online-Trainings für Auszubildende entwickelt.

Schulungen für Wärmepumpen-Profis

Handwerksorganisation und Hersteller bieten eine große Zahl an Schulungen und Lehrgängen rund um die Wärmepumpe an. Besonders gefragt sind Schulungen zu Planung und Dimensionierung der Anlagen, gefolgt von Produktschulungen und Schulungen zu Wartung und Kundendienst, informiert der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK).

Ein "Klassiker" ist die Schulung nach VDI MT 4645 Blatt 1. Sie behandelt die für die Planung von Wärmepumpen-Anlagen in Ein- und Mehrfamilienhäusern erforderlichen Schritte. Das reicht von der Voruntersuchung und Konzepterstellung bis zur Detailplanung. Sie gibt Hinweise zu empfohlenen hydraulischen Schaltungen, zur Dimensionierung von Anlagenkomponenten, zur Dokumentation, zur Inbetriebnahme der Anlage und Unterweisung des Betreibers und auch zu Kostenbetrachtungen. Diese Schulungen bieten unter anderem Innungen und andere Bildungsträger an. Allerdings informiert der VDI auf seinen Seiten, dass am Markt auch Anbieter Schulungen "nach VDI 4645" anbieten, die nicht Schulungspartner des VDI sind und somit keiner Qualitätskontrolle des VDI unterliegen. Die Absolventen solcher Schulungen würden auch nicht ins offizielle VDI-Register für Sachkundige nach VDI 4645 aufgenommen.

Wärmepumpen-Profi aus dem Handwerk

Die SHK-Innungen München und Berlin haben den speziellen Lehrgang für SHK-Fachkräfte "Wärmepumpenprofi" nach VDI 4645 entwickelt. Hier bekommen Monteure ein grundlegendes Verständnis für Systemhydrauliken. Der Praxislehrgang soll den Teilnehmern die Zusammenhänge des hydraulischen Abgleichs im Kontext der Wärmepumpeninstallationen vermitteln. Als besonderes Extra gibt es im Lehrgang eine innovative App entwickelt. Damit kann die Gebäudeheizlast und das Heizsystem erfasst werden. Aus den Daten wird errechnet, wie hoch der Deckungsanteil der Heizlast bei Wärmepumpentemperatur ist. Als Endergebnis werden zum Gebäude passende Lösungsvorschläge angeboten.

Aktuell sei allerdings die Nachfrage nach Wärmepumpen-Kursen aufgrund des schwächelnden Marktes eher gering, sagt Ralf Suhre, Geschäftsführer der SHK-Innung München. "Nur die Kurse für den Kälteschein sind weiterhin ausgebucht." Er ist aber überzeugt, dass das Interesse zurückkehren wird, wenn die kommunale Wärmeplanung abgeschlossen ist. Derweil habe sein Bildungszentrum wichtige Inhalte in andere Kurse eingebaut, beispielsweise in den Meisterkurs und in den Kundendiensttechnikerkurs.

Förderung für Lernwillige

Wer bei einem solchen zertifizierten Bildungsträger Schulungen oder fachpraktische Anleitungen besucht, kann eine Bundesförderung im Aufbauprogramm Wärmepumpe (BAW) beantragen. Über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gezielt Handwerksunternehmen der Gewerke SHK, Elektrotechnik, Schornsteinfeger und Kälte-Klima, außerdem Planungsunternehmen für technische Gebäudeausrüstung und Energieberater. Von April 2023 bis August dieses Jahres hat das Bafa 1.600 Anträge registriert. 40 Prozent davon kamen aus den Gewerken SHK, Elektrotechnik sowie Kälte-Klima, 29 Prozent von Schornsteinfegern, 27 Prozent von Energieberatern und vier Prozent von Planungsunternehmen.

Bildungswege optimieren

Auch die grundsätzliche Struktur der Bildungswege nehmen die Akteure derzeit in Blick. Das Projekt Innovet+ ZukunftSHandwerK soll helfen, den Beruf des Anlagenmechanikers attraktiver für die Jugend zu machen. Die Verbundpartner ZVSHK, die Innung Sanitär Heizung Klima Köln, das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk an der Universität zu Köln unter der Federführung der Zentralstelle für Weiterbildung im Handwerk entwickeln die Qualifizierungsangebote. Diese sollen von Teilqualifizierungen für Personen mit Unterstützungsbedarf bis zu Fortbildungen zum "Geprüften Berufsspezialist SHK für Erneuerbare Energien und Umwelttechnik" reichen.

Leistungsschwächere einbinden

Einen anderen Vorstoß macht aktuell die SHK Innung München. Sie hat ein Konzept erarbeitet und dem Landesinnungsverband vorgelegt, wie eine 24-monatige Ausbildung zum "Facharbeiter für Versorgungstechnik SHK" aussehen könnte. "Damit würden wir leistungsschwachen Jugendlichen ein Angebot im Gewerk machen. Denn für viele sind die Anforderungen in der Ausbildung zum Anlagenmechaniker zu hoch", argumentiert Suhre. Auch für grundlegende Arbeiten brauchen die Betriebe qualifizierte Arbeitskräfte, die damit zumindest einen Abschluss auf der dritten Ebene des Deutschen Qualifikationsrahmens hätten, ähnlich dem Facharbeiter am Bau.

In Berlin wiederum gibt es den "Berliner Weg". Helfer aus SHK-Betrieben, die älter als 25 Jahre sind, kommen 24 Monate lang einmal wöchentlich zur Nachqualifizierung in die Innung, gefördert über Bildungsgutscheine der Arbeitsagentur. Am Ende können sie die Externenprüfung im SHK-Handwerk machen. Die Nachfrage durch die Betriebe steige kontinuierlich, die Erfolgsquoten seien gut, freut sich Koch-Martin.

Optimierung der Abläufe

Weil die Planung und Montage von Wärmepumpen mehr als dreimal so viel Zeit benötigt wie die von Gasheizungen und damit viel Personal gebunden ist, wurde das Projekt WESPE ins Leben gerufen. Die Abkürzung steht für "Wärmepumpen-Einbau schneller, produktiver und effizienter". Ziel ist es, den Einbau zu vereinfachen, Zeitfresser zu erkennen und dieses Wissen in die Betriebe zu tragen. Es wird vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima geleitet, vom Fraunhofer IBP begleitet und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert.

Auch hier engagiert sich die SHK-Innung Berlin: "Wir sind dafür zuständig, die Ergebnisse in Lerneinheiten, Curricula, Tutorials etc. aufzubereiten", erklärt Koch-Martin. Was er jetzt schon sagen könne sei, dass viel Zeit wegen mangelnder Digitalisierung verloren gehe. In vergleichbaren Situationen brauchten weniger gut aufgestellte Betriebe zweieinhalbmal so lang für den Einbau der Wärmepumpe wie Betriebe, die ihre Prozesse gut durchdacht hatten.