Mit der Plakette "Bluemotion" zeichnet VW Nutzfahrzeuge nur die sparsamsten Vertreter jeder Klasse aus. Im Test fährt der Transporter einen neuen Verbrauchsrekord. Allerdings ist der Kleine kein Stürmer.
Robert Domina

| So bewertet die DHZ den VW Crafter Bluemotion | ||
| positiv | negativ | |
| Antriebsstrang | ||
| schnelle Start-/Stopp-Automatik | ||
| Handling | ||
| Keine Automatik verfügbar | ||
| schmale Ausstattung |
Das würde man nicht vermuten: Es gibt einen Unterschied zwischen „Bluemotion“ und „Bluemotion Technology“. Dass die Begriffe mehr als nur Marketing-Geblubber sind und faktisch 0,4 Liter Verbrauchsunterschied bedeuten, erschließt sich selbst dem Fachmann nicht auf den ersten Blick. Und was ist eigentlich besser?
Vieles wird erst auf Nachfrage bei VW klar. Es ist so: Den Ehrentitel „Bluemotion“ erhält das jeweils sparsamste Fahrzeug einer Baureihe. Das gilt für die ganze VW-Welt, nicht nur die Nutzfahrzeuge. Demgemäß gibt es auch einen "Bluemotion"-T5 und -Caddy. Dass diese "Bluemotion" mit "Bluemotion Technology" ausgestattet sein werden, versteht sich. Dazu gehört beim Crafter die Start-Stopp-Anlage. Ergänzt wird das Paket durch die Geschwindigkeitsregelanlage. Energiemanagement ist ein weiteres Stichwort. So lädt der Generator nur im Schubbetrieb, wenn es der Energiehaushalt erlaubt. Die rollwiderstandsoptimierten Reifen des Testwagens sind ein Extra.
Der "Bluemotion"-Crafter ist also der sparsamste Crafter im Portfolio der schweren VW-Transporter. Dass dabei ein Crafter mit kurzem Radstand, niedrigem Dach und nur drei Tonnen Gesamtgewicht herauskommt, ist zu erwarten. "Bluemotion" heißt aber auch eine gewisse Beschränkung: Die Spalte der Sonderausstattungen bleibt da beruhigend leer, es sollen ja kein zusätzliches Gewicht und keine weiteren elektrischen Verbraucher generiert werden. Ein Beifahrer-Airbag, Anhängerkupplung, Holzfußboden im Laderaum und die eine oder andere Armstütze sind aber noch drin.
Beim Beschleunigen etwas müde
Die Wahl hat man allerdings beim Motor: 80 kW oder 100 kW bedeuten jedoch nicht die Wahl zwischen schlapp und müde, sondern erstmal 1.200 Euro Preisunterschied. Dennoch: "Bluemotion" steckt auch im Antriebsstrang. Da ist einmal die Antriebsachse, die mit 1:3,9 relativ langsam übersetzt ist. Die ewas schnellere 1:3,6er-Achse verkraftet nur der Crafter "Bluemotion Technology" mit 120 kW.
Das wohl wichtigste „Bluemotion“-Feature ist aber das geänderte Kennfeld für den 2,0-Liter-Vierzylinder. Man merkt es schon nach nur wenigen Kilometern: Der „Bluemotion“-Crafter wirkt zwar nicht müde – dazu fehlt ihm die ganz lange Achse – aber irgendwie „schaumgebremst“. So richtig losstürmen will er nicht. Auffällig sind diese Kennfeld-Zügel aber nur beim Beschleunigen.
Effektives Spritsparen
Ist Elastizität gefragt, spielt dieser Antriebsstrang ganz vorne mit. Dank der nur moderat langen Achse dreht der Crafter bei einer Marschgeschwindigkeit von 120 km/h auf der Autobahn "normale" 2.400 Umdrehungen und kommt dadurch nicht gleich bei jedem Hügelchen aus der Puste. Schaltfaules Cruisen ist damit nicht nur möglich, man wird förmlich dazu erzogen. Und wer clever ist, schaltet obenherum auch nicht jeden Gang, sondern springt zum Beispiel gleich von sechs nach vier oder umgekehrt. Der kleine, schnell ansprechende Lader sorgt für enorme Elastizität untenrum, die Elektronik verhindert aber, dass damit Schindluder, sprich Beschleunigungsorgien, getrieben wird. Selten war Spritsparen im Transporter so einfach und effektiv.
Mit 8,95 l/100 km über die Normrunde legte der „Bluemotion“-Crafter auch gleich einen neuen Rekord vor. Seine Stärken kann er auf dieser gut gemischten Strecke voll ausspielen. Und man darf nicht vergessen, dass die kleinste Bauform L1H1 auch die günstigste ist, was den Luftwiderstand angeht.
Knapp eine Tonne Nutzlast
Ein Hochdach-Crafter mit mittlerem Radstand – mithin die klassische Bauform im 3,5-Tonner-Segment – könnte niemals „Bluemotion-King“ werden. Das geht wirklich nur als kurzer und niedriger Dreitonner. Für die Nutzlast bleiben da immerhin noch knapp 1.000 kg. Nicht alle Sparten im Handwerk kommen damit aus, knapp ist auch das Ladevolumen von 8 Kubikmeter.
Der Zugang zum Laderaum ist jedoch allenfalls von der Seite her einigermaßen bequem. Die 65 cm am Heck ohne Trittstufe viele Male am Tag zu bewältigen, dürfte schnell auf die Kniegelenke gehen. Bei aller Sparsamkeit: Hier auf eine Zwischenstufe zu verzichten, wird dem Gesamtkonzept nicht gerecht. Denn das stimmt eigentlich, vor allem wegen des Antriebsstrangs, der die Sprit vergeudende Fahrweise praktisch nicht mehr zulässt.