Volkswagen Transporter wird 65 VW Bulli: Vom Oldtimer zum T6

Nutzfahrzeug, Familienwagen, Hippie-Symbol: Der Bulli ist 65! Doch der Klassiker von Volkswagen geht noch lange nicht in Rente. Die Geschichte eines Fahrzeugs, die in diesem Jahr mit dem T6 fortgeschrieben wird, und mit einem einfachen Notizzettel begann.

Jonas Rosenberger

Einer der beliebtesten Nutzfahrzeug-Oldtimer ist nach wie vor der VW Bulli - hier eine T1 Doka, die auf der IAA Nutzfahrzeuge 2014 in Hannover am Stand von Volkswagen zu sehen war. - © Foto: Ulrich Steudel

Als der erste Volkswagen Bulli am 8. März 1950 vom Band läuft, ahnt noch niemand, dass er sich einmal zu einem der beliebtesten Kastenwagen aller Zeiten entwickeln wird. Besonders nicht, als der niederländische Autoimporteur Ben Pon sich 1947 einen Notizzettel nimmt, und zu zeichnen beginnt.

Pons Vision

Geräumig soll er sein, der Kleinbus. Und lastfähig. Pon nimmt die Grundidee von Plattenwagen, die im VW-Werk für den internen Warentransport benutzt werden: Zu einfachen Transportfahrzeugen umgebaute VW-Käfer. Von diesen wurden dann auch Motor, Getriebe und Vorderachse übernommen. Der Wagen sollte auch genau so robust sein wie der Käfer. „Diese Wagen werden nicht mit Glacé-Handschuhen angefasst, sondern grob und rücksichtslos behandelt“, sagt Geschäftsführer Heinrich Nordhoff zur Einführung des 'T1'.

Viel Platz, viele Möglichkeiten

Der Bus bietet Platz für bis zu acht Personen. Falls mehr Platz benötigt wird, lassen sich die Sitzreihenbei Bedarf rasch ausbauen. Dabei hat der Motor 1131 ccm Hubraum und leistet 18 Kilowatt bei 3300 Umdrehungen pro Minute. Bis zu 750 Kilo Nutzlast können mit dem Bulli befördert werden. "Dieser Nutz-Lieferwagen-Typ ist verwendbar für alle Geschäftszweige, Eiltransporte und Speditionszwecke, zum Beispiel als Kleinomnibus, als Sonderfahrzeug, als Postwagen, als Krankenwagen, als fliegende Station“, schwärmt Alfred Haesner, von 1948 bis 1952 Leiter der Technischen Entwicklungbei Volkswagen.

Bei Handwerkern begehrt

Zu Beginn werden täglich zehn Wagen fertiggestellt. Ende 1950 sind es bereits 8001 Fahrzeuge des Typs T1. Besondersbei Handwerkern und Händlern ist der Wagen sehr beliebt. Die Nachfrage ist riesig – auch, weil der Bulli mit Preisen ab 5.850 Mark erschwinglich ist. Den Erfolg verdankt der Bulli seiner Vielseitigkeit. Von Bauschutt über Brötchen zu Zeitungen: alles kann mit ihm transportiert werden. Schnell wird der T1 zum Exportschlager .

Aber nicht nur für den Dienstgebrauch ist der Wagen nützlich. Schon 1951 wird auf der Automobilausstellung in Berlin ein T1 mit Camping-Box präsentiert. Ab jetzt geht es für viele mit dem Bulli in die Berge und darüber hinaus. Der Transporter ist in der Freizeit angekommen. Schon bald entdecken auch Anhänger der Hippie-Bewegung den Bus für sich. Bemalt mit Friedenssymbolen und bunten Farben reisen sie zunächst durch die USA und später durch Europa.

Ein eigenes Werk

Nach vier Jahren Produktion ist der 100.000ste T1 gebaut. Inzwischen gibt es 30 verschiedene Modelle, doch am Tag können nur 80 Fahrzeuge fertiggestellt werden. Das Werk ist zusammen mit der Käfer-Produktion komplett ausgelastet. 1955 wird nach nur einem Jahr Bauzeit das neue Werk für den Transporter eingeweiht.

Dass der Wagen umgangssprachlich 'Bulli' genannt wird, liegt vermutlich an der Zusammensetzung der ersten beiden Buchstabend der Wörter "Bus" und "Lieferwagen". Eine genaue Herkunft ist jedoch nicht belegt - offiziell wurde der Name nicht eingeführt .

Kein Ende der Straße in Sicht

Heute gibt es weltweit fast elf Millionen Fahrzeuge in mittlerweile fünf Generationen. 2015 beginnt die Produktion der sechsten Generation. "Der Markt fordert gestern wie heute extrem zuverlässige, variable und individuelle Fahrzeuge", sagt Dr. Eckhard Scholz, Vorsitzender des Markenvorstands Volkswagen Nutzfahrzeuge.

Seit 2012 betreibt Volkswagen zusätzlich eine "Nutzfahrzeuge Oldtimer"- Restaurationswerkstatt in Hannover. Auf rund 7.000 Quadratmetern werden die historischen Busse aufbereitet. Alles wird gemacht: von einer einfachen Lackaufbereitung bis zur Vollrestauration. Dabei wird jeder Arbeitsschritt fotografisch dokumentiert und im Detail beschrieben. Der Kunde bekommt am Ende eine ausführliche Mappe mit allen Infos zu der erfolgten Restaurierung.

Übrigens: Im Laufe der Zeit hatte der Transporter auch verschiedene Film- und Fernsehauftritte. In der US-Serie "Mythbusters" war er genauso zu sehen wie in "Zurück in die Zukunft" mit Michael J. Fox oder "Lammbock" mit Moritz Bleibtreu. Berühmte VW-Bus-Fahrer sind auch der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und sein Parteigenosse Johannes Rau .