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Altersvorsorge: Sich gegenseitig absichern Vorsorge braucht Vermögensaufbau, Versicherungen und ein Testament

Fürs Alter vorsorgen heißt auch, den Ehepartner absichern. Vermögensaufbau ist dafür gut, wichtiger aber sind die richtigen Versicherungen und das Testament.

Niemand redet gerne darüber, aber fast jeder macht sich Gedanken. Was ist, wenn mir etwas passiert? Wie sorge ich dafür, dass mein Ehepartner und/oder meine Kinder weiter ein gutes Auskommen haben. Das ist für Beschäftigte wie für Betriebsinhaber ein Muss. Grundsätzlich ist das den meisten Menschen auch klar "und viele kennen sogar die Bausteine", hat nicht nur Peter Grieble, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, immer wieder erlebt. Tatsächlich aber, weiß er auch, weist der Schutz dann bei genauem Hinsehen "doch große Lücken auf". Das Problem: Viele führen sich nicht vor Augen, wie komplex das Thema ist.

Baustein 1: Sicherung für den Todesfall

Schon beim elementarsten Baustein, der Risiko-Lebensversicherung (RL), gibt es viele Stellschrauben. Allem voran: die Versicherungssumme. "Viele Paare haben zwar eine RL und wiegen sich dadurch in Sicherheit", erläutert Klaus Morgenstern vom Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) in Berlin, "aber deren Höhe ist oft viel zu niedrig." Eine Einschätzung, die Michael Matz vom Versicherer Münchener Verein teilt. 360.000 Euro, rechnet er vor, bräuchte ein Nettoverdiener, der eine Police über 18 Jahre (bis zur Volljährigkeit eines gerade geborenen Kindes) abschließt, rund 32 Euro müsste er dafür monatlich hinlegen.

Manchen Betroffenen scheint das zu teuer, sie legen das Geld lieber an. Am Ende aber, darin sind sich Verbraucherschützer und Versicherungsvertreter einig, ist das eine Milchmädchenrechnung. Absicherung sollte immer vor Vermögensaufbau stehen.

Dabei wichtig: Die richtige RL wählen. Auch wenn es Zeit kostet, stellt Grieble klar, gilt es immer, die eigene Situation genau zu analysieren. Wie ist der Geldbedarf heute, womit ist in den nächsten Jahren zu rechnen. Wenn beispielsweise eine Immobilie finanziert wird, wann ist die abgezahlt? Wann stehen die Kinder auf eigenen Beinen? Was kann sonst noch passieren?

Es ist ebenso wichtig, den Ehepartner entsprechend abzusichern

Nicht nur die Versicherungssumme alleine ist dabei das Thema. Auch Laufzeit und Vertragskonditionen spielen eine große Rolle (siehe auch Kasten unten). Zudem müssen Paare sich auch darüber Gedanken machen, wer alles versichert werden muss. Immer noch, bedauert Grieble, werden Risiko-Lebensversicherungen nur auf den Hauptverdiener abgeschlossen. Tatsächlich ist es jedoch ebenso wichtig, den Ehepartner entsprechend abzusichern.

Und auch wohin das Geld im Ernstfall fließt, muss gut überlegt sein. Manchmal denken auch Firmeninhaber nur daran, ihren Familien Geld zukommen zu lassen. Ebenfalls wichtig ist es jedoch auch, dafür zu sorgen, dass der Betrieb weiterlaufen kann – zumindest bis zu einer geordneten Übergabe. Auch hier kann eine auf das Unternehmen ausgestellte Risiko-Lebensversicherung sinnvoll sein. Von dem Geld können dann beispielsweise ein (vorrübergehender) Geschäftsführer oder zusätzliche Kräfte finanziert werden.

Baustein 2: Die Arbeitskraft absichern

Zu einer guten Absicherung gehört aber weit mehr als nur die RL. Auch alle anderen elementaren Risiken müssen mitbedacht und versichert werden (siehe Kasten unten). Dabei ebenfalls elementar die Absicherung der Schaffenskraft.

DIA-Sprecher Morgenstern formuliert es ganz klar: "Wenn der Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann, brechen alle finanziellen Dispositionen zusammen, einschließlich des Aufbaus einer ausreichenden Altersvorsorge."

Handwerker haben es in der Regel schwerer, eine BU zu bekommen, als andere Arbeitnehmer. Aber es gibt doch Möglichkeiten, wie Versicherungsmann Matz betont, beispielsweise über Zuschläge oder Ausschlüsse. Der Münchener Verein hat gemeinsam mit Handwerkern eine Police entwickelt, die die beiden Hauptrisiken des Handwerks in den Fokus stellt: Probleme mit dem Bewegungsapparat und Unfälle. Treten diese Fälle ein, wird die volle BU-Rente gezahlt. In allen anderen Fällen nur 50 Prozent, was die Beiträge um 30 Prozent reduziert.

Es gibt auch Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Bleibt auch das unbezahlbar, raten Verbraucherschützer, sich nach Alternativen umzusehen. Denkbar wären eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung, eine Dread-Disease-­Police (schwere Krankheit), eine Grundfähigkeitsversicherung oder auch eine Unfallversicherung mit hoher Invaliditätsabsicherung.

Wichtig aber auch hier: Nicht nur der Hauptverdiener sollte im Vordergrund stehen, sondern auch der Partner, gerade, wenn er eine Familienpause plant. Das ist gleich aus zwei Gründen wichtig, so noch einmal Verbraucherschützer Grieble. Erstens können auch während der Kindererziehung Gründe eintreten, die später die Ausübung des erlernten Berufs unmöglich machen, und zweitens ist auch eine Trennung nie auszuschließen. Kann ein Partner dann nicht arbeiten und ist nicht versichert, ist das für ihn dramatisch.

Baustein 3: An die Erbfolge denken

Und noch etwas wird bei der Absicherung des Partners oft übersehen: das Testament. Viele gehen davon aus, dass der Partner doch sowieso alles erbt. Und je jünger jemand ist, umso weniger befasst er sich mit dem Thema. Aber auch hier sieht die Realität anders aus: Gibt es keinen letzten Willen, hängt das Erbe des überlebenden Partners vom Güterstand ab. Lebte das Paar in einer Zugewinngemeinschaft, was in der Regel der Fall ist, steht ihm nur die Hälfte des Nachlasses zu. Kinder – und gibt es diese nicht, sogar Eltern – erben mit. Und was viele auch nicht wissen, sie können sich ihren Anteil sofort auszahlen lassen.

Das kann fatal sein, zum Beispiel, wenn es um eine selbstbewohnte Immobilie oder einen Betrieb geht und Barmittel gar nicht vorhanden sind. Paare, die sich gegenseitig absichern wollen, sollten daher ein sogenanntes "Berliner Testament" machen, das zunächst nur den Partner begünstigt. Oder sie schließen zumindest mit den möglichen Miterben einen Erbvertrag ab, dass diese zunächst zugunsten des überlebenden Ehepartners auf ihren Erbteil verzichten.

Wegen möglicher Erbschaftssteuer immer überkreuz versichern

Und auch beim Abschluss von Risiko-Versicherungen spielt das Thema Erben eine große Rolle. Um auszuschließen, dass das ausgezahlte Geld zum Erbe gezählt wird, muss immer überkreuz versichert werden, erklärt Verbraucherschützer Grieble. Das heißt konkret: Im ersten Vertrag ist der eine Partner Versicherungsnehmer und Beitragszahler, der andere lediglich versicherte Person. Im zweiten Vertrag ist es umgekehrt.

Dadurch wird im Versicherungsfall, also beim Tod der versicherten Person, die Leistung unmittelbar an den Versicherungsnehmer ausgezahlt und fällt deshalb nicht in die Erbmasse. "Das ist vor allem aus steuerlichen Gründen wichtig“, betont Versicherungsprofi Matz, "denn der Freibetrag von 500.000 Euro unter Eheleuten kann schneller ausgeschöpft sein, als man denkt." Zum Beispiel, wenn auch noch eine Immobilie im Spiel ist.

Welche Versicherungen sind für Paare wichtig?

Privat

Unverzichtbar

  • Haftpflicht privat (Familienpolice)
  • Krankenversicherung und Auslandskrankenversicherung
  • Risiko-Lebensversicherung für beide Partner zur Absicherung der Familie
  • private Berufsunfähigkeitsversicherung für beide Partner, evtl. sogar für die Kinder (wenn nicht abschließbar, zu Alternativen beraten lassen!)
  • bei Immobilienbesitz: Gebäudeversicherung
Sinvoll
  • private Unfallversicherung
  • private Pflegezusatzversicherung

Versicherte mit eigenem Betrieb

Unverzichtbar

  • Betriebshaftpflicht
  • private Krankentagegeld-Versicherung (nicht Krankenhaustagegeld-Versicherung!)
Sehr sinnvoll
Risikolebensversicherung zur Absicherung des Betriebes

Risiko-Lebensversicherung

Wie finde ich die richtige Police

Schritt 1: Versicherungssumme ermitteln

  • Was brauche ich konkret: Geht es nur um Absicherung des Einkommens, gibt es Immobilienkredite, etc.?
  • Muss ein Betrieb weitergeführt ­werden?
  • Wie viele Jahre muss ich über­brücken?

Rechenbeispiel*: Paar mit Kindern, das jüngste Kind ist 3, es müssen mindestens 15 Jahre abgedeckt werden.
Partner 1 verdient 2.000 Euro netto.
2.000 x 12 x 15 = 360.000 Euro (monatlicher Beitrag: 28,35).
Partner 2 ist nicht erwerbstätig, muss aber im Ernstfall mindestens durch zwei 450-Euro-Kräfte ersetzt werden.
900 x 12 x 15 = 162.000 Euro (monatlicher Beitrag: 12,94).
(*Quelle: Münchener Verein)

Schritt 2: Rahmenbedingungen checken

  • Gibt es Nachversicherungsoptionen ohne erneute Gesundheitsprüfung (längere Laufzeit, Erhöhung der Versicherungssumme)? Wenn ja, gibt es hier Obergrenzen?
  • Gibt es einen Passus zur Gefahrenerhöhung? Wenn ja: Nicht abschließen!
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