Gefährdungsbeurteilung Psychische Belastungen beurteilen: Vorreiterbetriebe gesucht

Stress und psychische Fehlbelastungen lassen immer mehr Menschen zusammenbrechen, bereits 15 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage gehen auf psychische Probleme zurück. Arbeitgeber müssen deswegen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung auch psychische Faktoren berücksichtigen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sucht jetzt Vorreiterbetriebe.

Was den einen stresst, ist für den anderen ein Erfolgserlebnis. Psychische Fehlbelastungen am Arbeitsplatz sind viel schwerer einzuordnen als andere Gefahren. - © amh-online

Früher drehte sich beim Arbeitsschutz alles um Unfälle, Lärm, schwere körperliche Arbeiten oder um Kontakte mit Gefahrstoffen. Seit Jahren sinken die Unfallzahlen in diesen Bereichen, stattdessen sind psychisch bedingte Krankheiten auf dem Vormarsch. Psychische Fehlbelastungen am Arbeitsplatz und Stress sind wichtige Auslöser.

Knapp drei Millionen Deutsche haben deswegen in den vergangenen Jahren verschreibungspflichtige Medikamente genommen. Das geht aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport "Update: Doping am Arbeitsplatz" hervor. Die Anzahl der Menschen, die sich für Arbeit dopen, ist in den vergangenen sechs Jahren stark gestiegen – von 4,7 auf 6,7 Prozent. Vor allem Beschäftigte mit einfachen Tätigkeiten oder unsicheren Jobs gehören zu den Risikogruppen für den Medikamentenmissbrauch .

Psychische Belastung in Gefährungsbeurteilung

Das Arbeitsschutzgesetz verlangt, dass Unternehmer bei der Gefährdungsbeurteilung von Arbeitsplätzen in ihrem Unternehmen nicht nur die "harten Fakten" berücksichtigen, sondern auch psychische Aspekte: Arbeitsinhalt, Arbeitsorganisation, Arbeitszeit und Qualifikation der Beschäftigten zählen dazu. Diese Aspekte sind weit schwieriger einzuschätzen, weil nicht nur die äußeren Bedingungen begutachtet werden müssen, sondern auch der einzelne Mensch an dieser Stelle.

Jetzt sucht die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin im Rahmen eines aktuellen Forschungsprojekts nach Vorreiterunternehmen, die bereits eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt und dabei die psychische Belastung berücksichtigt haben.

Wie bewerten Betriebe die Belastungen?

Folgende Punkte interessieren die Forscher:

  • Wie gehen Betriebe bei der Gefährdungsbeurteilung
    psychischer Belastung vor?
  • Welche Belastungsfaktoren werden konkret betrachtet?
  • Welche Maßnahmen haben Betriebe im Rahmen der
    Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung entwickelt
    und umgesetzt?
  • Welche Probleme und Schwierigkeiten treten bei der
    Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung psychischer
    Belastung auf?
  • Wie werden Nutzen und Handhabbarkeit der Gefährdungsbeurteilung
    psychischer Belastung beurteilt?
  • Welche Beratungs- und Unterstützungsbedarfe haben
    Betriebe im Themenfeld?
Unternehmen, die sich für das Forschungsvorhaben interviewen lassen wollen, finden hier weitere Informationen.

Hilfe zum Umgang mit psychischen Belastungen

Wie Unternehmer psychische Belastungen in ihrem Betrieb einschätzen können und und wie sie Verbesserungsmaßnahmen finden und umsetzen, zeigen verschiedene Handlungshilfen. Die "Initiative Neue Qualität der Arbeit" (INQA) informiert ausführlich über das Thema und zeigt, welche Maßnahmen im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung nötig sind. Die Unfallversicherung Bund und Bahn analysiert sehr grundsätzlich Faktoren, die zu psychischer Überforderung führen können. bst