Bereits 2023 hatte das ZDF in der Reihe "Die Malocher" mittelständische Unternehmer besucht, die seinerzeit ihr Leid über die wirtschaftlichen Zustände im Land geklagt hatten. Nun, wenige Wochen vor der vorgezogenen Bundestagswahl, kam es zum Wiedersehen – und die Stimmung ist vielerorts auf dem Tiefpunkt.

Es könnte so einfach sein, ist es aber nicht. Immer, wenn die Protagonisten der sehenswerten ZDF-Reihe "Die Malocher – Wirtschaftskrise vor Ort" aus ihrem Arbeitsalltag erzählen, sprühen sie vor Begeisterung für ihren Job. Ob es der Ofenbauer ist, der Autohaus-Inhaber mit angeschlossener Kfz-Werkstatt, der Garten- und Landschaftsbauer oder der Obstbauer – alle eint die Hingabe und der Fleiß, den sie für ihre Arbeit zeigen. Dennoch schwingt immer auch Verbitterung mit – und deren Adressat ist die Politik.
E-Mobilität ohne Förderung sorgt für Verunsicherung
So kommt beim Autohaus-Händler Claus Trilling aus Rheinbach in Nordrhein-Westfalen die Verunsicherung rund um die Elektromobilität voll an. Von der Politik als künftige Form der Mobilität versprochen, dümpelt die Nachfrage nach den Stromern vor allem seit dem Ende der Förderung vor sich hin. "Keiner weiß, was er kaufen soll – also elektrisch oder nicht elektrisch. Es ist so ein bisschen das Gefühl, egal, was man kauft, man kauf was Falsches", sagt Autohaus-Chef Trilling. Und weil die Preise für E-Autos noch immer enorm hoch sind (Trilling: "Wenn wir den Kunden gesagt haben, was die Monatsrate ist, dann brauchen die einen Defibrillator"), entscheiden sich viele Käufer weiterhin für Verbrenner, oder schieben den Kauf in die Zukunft.
Natürlich sind hier politische Entscheidungen der Grund für die Verunsicherung. Wenn Trilling einem Kunden in der Ausstellung erklärt, man müsse eben mit dem Stromer genauer planen, wenn man damit verreist, das sei nicht wie beim Verbrenner, wo man einfach wieder volltankt, dann kommt wie unter einem Brennglas die größte Schwäche der E-Autos zum Vorschein: die noch immer fehlende Praktikabilität. Klar, dass dies im Gegensatz zu den politischen Vorstellungen steht, wonach die Zukunft der Mobilität elektrisch ist – Ergebnis ist Verunsicherung, die auf die Umsätze der Autohäuser drückt.
"Gute Azubis zu finden ist fast unmöglich"
Immerhin gibt es in der Werkstatt einen Lichtblick, denn von fünf Auszubildenden konnte Trilling immerhin zwei übernehmen, und die beiden haben ihre Ausbildung auch noch sehr gut abgeschlossen. Von dreien allerdings musste sich der Chef trennen – zu schlecht waren die Leistungen, zu wenig Fleiß wurde gezeigt. "Gute Azubis zu finden, ist fast unmöglich", sagt Trilling fast schon fatalistisch.
Ofenbauer: Kein Personal, umso mehr Bürokratie
Personal ist auch bei Ofenbau Finselberger, wie alle Protagonisten ebenfalls ein Unternehmen aus einem Industriegebiet in Rheinbach, ein Thema. Als das ZDF zum Drehtag da ist, sind zwei von vier Mitarbeitern, die an dem Tag auf einer Baustelle einen Schornstein montieren sollten, krank. Die anderen beiden – einer davon übrigens einer der Geschäftsführer-Brüder – müssen das Pensum entsprechend erhöhen. Um 6.30 Uhr beginnt der Tag, und es dürfte ein langer werden. Die Härte der Arbeit verderbe einigen die Lust, sagt Nick Finselberger, einer der Geschäftsführer. "Bei Wind und Wetter aufs Dach, so einen Ofen mit 150 Kilo durch die Gegend tragen" – all das schrecke viele ab. Knapp 700.000 Stellen seien derzeit in Deutschland offen, blendet das ZDF ein, das koste jedes Jahr Produktionskapazitäten im Wert von etwa 49 Milliarden Euro. Zu all den Personalsorgen kam bei der Übergabe der Firma von der Mutter zu den beiden Söhnen jede Menge Bürokratie. Alleine die Anmeldung sei eine Herausforderung gewesen und habe ein halbes Jahr gedauert, sagt Kay Finselberger.
Haarklein regelnder Staat
Die Probleme mit Vorschriften und Ämtern ziehen sich durch die gesamte Reportage. Anstatt die Menschen machen zu lassen, regelt der Staat haarklein alle Umstände, unter denen ein Unternehmen arbeiten und produzieren darf. Und weil sich das Geflecht aus jenen, die von der Bürokratie profitieren – von der steigenden Zahl der Staatsbediensteten bis hin zu jenen Firmen, denen die Regelungen Geld in die Kassen spülen – stetig weiter ausdehnt, ist auch kaum Besserung zu erwarten. Vertrauen in die Schaffenskraft der Menschen – gleich null.
Hohe Energiepreise als Kernproblem
Bei Obstbauer Alexander Krings waren es beim ersten Besuch des ZDF 2023 die hohen Strompreise, die ihm zu schaffen machten. Mittlerweile hat er durch einen neuen Vertrag für Entlastung gesorgt, aber die Kosten sind immer noch hoch. In Ländern wie den USA koste Strom fast nichts, aber Länder wie Deutschland seien durch eine schlecht durchdachte Politik aus dem Wettbewerb geschmissen worden, sagt Krings, und fordert etwa eine Förderung für Solar-Anlagen für energieintensive Betriebe.
Dann reißt er mit einem einzigen Satz die großen Zusammenhänge auf: "Darunter leidet der Unternehmer und letzten Endes die ganze Bevölkerung." Denn dem Land kann es schwerlich gut gehen, wenn es der Wirtschaft nicht gut geht. Jeder, der ein Interesse an einem funktionierenden Gemeinwesen einschließlich des von vielen geliebten Sozialstaates hat, sollte eigentlich den Unternehmen so wenig Steine wie möglich in den Weg legen – das Gegenteil passiert aber gerade, unter anderem mit einer Energiepolitik, die die Preise vorsätzlich und nachhaltig nach oben treibt.
Beim Galabauer sind es die Spritpreise
Das spürt auch Garten- und Landschaftsbauer Klaus Dietzler, der viel mit Lkws und Transportern unterwegs sein muss. Man wisse gar nicht mehr, wie man die steigenden Energiekosten als Selbstständiger erwirtschaften solle, sagt Dietzler. Und die gestiegenen Kosten wirken doppelt negativ auf ihn. Die Kunden sparen natürlich an Dienstleistungen wie seinen. "Wenn man baut, sind mindestens zehn Gewerke beteiligt", erklärt Dietzler, vom Maurer bis zum Elektriker. Er komme mit seinem Gewerk ganz zum Schluss. "Und am letzten sparen die Kunden zuerst", sagt die Stimme aus dem Off. Mehr Kosten bei weniger Aufträgen, die auch noch in größerer Entfernung liegen – eine toxische Mischung, die aber auch anderen Handwerkern und Mittelständlern durchaus bekannt sein dürfte. Unterstützung von der Politik ist indes nicht in Sicht. Stattdessen: Noch mehr Berichtspflichten, Gängelung und im Zweifel sogar abschätzige Rhetorik über angeblich "reiche" Unternehmer, die schon noch etwas mehr von ihrem Geld abgeben könnten.
Intrinsisch motiviert, aber der Politik egal
Was motiviert die "Malocher", wie sie in der Sendung stets genannt werden, unter diesen widrigen Umständen eigentlich noch, sich jeden Tag für das Unternehmen einzusetzen? Bei den Gebrüdern Finselberger ist es auch die Verpflichtung für die Familientradition. Als Kind habe er schon auf dem Stapler gestanden, sagt Nick Finselberger, das habe ihn geprägt. "Dadurch, dass Mutter das 30 Jahre lang aufgebaut hat, wollte ich das auch gern übernehmen", sagt Kay. Es ist eine intrinsische Motivation, die die in weiten Teilen wirtschaftsfeindliche Politik, der die Interessen gerade der Selbstständigen und Fleißigen zunehmend egal zu sein scheinen, zu zerstören droht. Was angesichts der omnipräsenten Umverteilungs-Fixierung letztlich noch übrig bleibt von der Schaffenskraft im Land und dem Wohlstand – das ist die große Frage, deren Beantwortung leider nicht allzu rosig ausfällt.
