Planungen für Gedenkort in ehemaliger DDR-Hinrichtungsstätte noch nicht abgeschlossen Vor 30 Jahren wurde das letzte Todesurteil in der DDR vollstreckt

Als Vollstreckungsort hatte sich die DDR die ehemalige Wohnung eines Hausmeisters ausgesucht. Die beengte Wohnung lag im Gefängnis in der Alfred-Kästner-Straße in Leipzig, ein dunkler Flur, von dem ein paar Zimmer ausgehen.

Foto: dapd

Vor 30 Jahren wurde das letzte Todesurteil in der DDR vollstreckt

Leipzig (dapd-lsc). Als Vollstreckungsort hatte sich die DDR die ehemalige Wohnung eines Hausmeisters ausgesucht. Die beengte Wohnung lag im Gefängnis in der Alfred-Kästner-Straße in Leipzig, ein dunkler Flur, von dem ein paar Zimmer ausgehen.

Eines davon war das Hinrichtungszimmer, in dem bis 1968 ein Fallbeil stand, später wurden die Verurteilten mit einem Schuss in den Nacken hingerichtet: Der Vollstrecker wartete hinter der Tür, als der Delinquent hineingeführt wurde. Seit Jahren schon soll der Raum als Gedenkort ausgebaut werden. Und im Grunde sind sich das zuständige Justizministerium in Dresden und das Stasi-Museum Runde Ecke in Leipzig als künftiger Betreiber auch einig. Doch es geht nicht voran.

Für dieses Jahr sind zunächst 200.000 Euro bewilligt. Damit sollen aber lediglich dringende Sofortmaßnahmen umgesetzt werden, "damit die Räumlichkeiten nicht verfallen", sagt Ministeriumssprecher Till Pietzker auf dapd-Anfrage. Die Planungen liefen bereits, aber erst, wenn diese abgeschlossen seien, könne über Umfang und Konzept eines Gedenkortes weiter entscheiden werden.

Die ehemalige Hinrichtungsstätte ist Teil des heutigen Amtsgerichts Leipzigs, eines traditionellen Justiz- und Haftgebäudes südlich der Leipziger Innenstadt. Bis vor wenigen Jahren befand sich im Innenhof sogar noch ein Gefängnis, das aber abgerissen wurde. Seitdem wird debattiert, wie das Ensemble genutzt, umgebaut und eine Ausstellung zur Todesstrafe integriert werden könnte. Ein Ergebnis ist nicht in Sicht.

Seit 1961 hat die DDR-Justiz ihre Todesurteile in Leipzig vollstreckt, insgesamt 64, abgeschirmt von der Öffentlichkeit und unter strengster Geheimhaltung. Warum die SED den Ort der Hinrichtungsstätte so extrem geheim gehalten hat, sei heute nicht zu erklären, sagt Tobias Hollitzer vom Bürgerkomitee Leipzig für die Auflösung der ehemaligen Staatssicherheit, das auch die "Rund Ecke" betreibt. Dass es die Todesstrafe in der DDR-Justiz gab, sei ja jedem, der es wissen wollte, bekannt gewesen. Tatsächlich hätten dies wohl aber nur wenige gewusst. "Und das ist bis heute noch genauso", sagt Hollitzer. "Über die Todesstrafe in der DDR wird kaum gesprochen, weder in West- noch in Ostdeutschland."

Umso wichtiger sei daher ein Erinnerungsort, denn der 26. Juni 1981 markiere auch das Ende der Todesstrafe in Deutschland nach rund 500 Jahren. Aber der DDR-Teil der Geschichte ist schwierig, denn in Leipzig richtete die DDR nicht nur politische Gegner hin, sondern auch Mörder und NS-Verbrecher. Eine traditionelle Gedenkstätte ist daher nicht möglich. Klar werden müsse in einem Gedenkort aber auf jeden Fall der Umgang der DDR-Spitze mit der Todesstrafe, fordert Hollitzer. Die Aktenlage sei zwar schwierig, nicht alle Fälle ließen sich rekonstruieren. "Was sich aber durch alle Fälle zieht, ist der politische Missbrauch der Todesstrafe", sagt Hollitzer. Sie sei eine Art "persönliche Verfügungsmasse" der SED-Spitze gewesen, was sich auch darin zeige, dass sie als "politisches Gastgeschenk" Honeckers für dessen Besuch in der Bundesrepublik 1987 per Staatsratsbeschluss als abgeschafft erklärt worden sei. "Das war auch nach DDR-Recht verfassungswidrig", sagt Hollitzer.

Für die Öffentlichkeit heute sei das Thema Todesstrafe von hohem Interesse. Das zeigten die zahlreichen Besucher, die jedes Jahr zur Museumsnacht in die Kästner-Straße kämen. "Beim letzten Mal waren es rund 1.200 Besucher", sagt Hollitzer. Viele kommen wohl auch, um den Grusel und Nervenkitzel dieser Todesstätte zu erleben. "Aber sie gehen gut informiert wieder nach Hause."

dapd