Der vierte Bundesligaspieltag im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Von Prinzen, Blauhelmen und einem Popstar, der die Liga sabotiert

Prinz Poldi lässt sich vom Gegner feiern, Schiedsrichter Wagner wird zum Buhmann im Revier und Madonna sabotiert die Fußball-Bundesliga. Kolumne von Stefan Galler

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Von Prinzen, Blauhelmen und einem Popstar, der die Liga sabotiert

Meisterbetrieb: Die Fans des 1. FC Köln und ihre unerschütterliche Liebe zu Prinz Poldi

Man kennt das von unzähligen Beispielen früherer Tage: Ein Fußballer kehrt mit seinem neuen Klub zu einem Ligaspiel in die Heimatstadt zurück und bekommt dort die ganze Wut des Fan-Volkes ab, das sich hintergangen fühlt wie eine betrogene Ehefrau. Das ist in Köln ganz anders: Wenn da der Prinz kütt, wie der Karnevalist sagt, dann wird er wie ein König begrüßt – nicht etwa wie ein Judas. Und das, obwohl er mittlerweile beim FC Bayern spielt, der in der rheinischen Metropole etwa so beliebt ist wie Bayer Leverkusen, Fortuna Düsseldorf oder Borussia Mönchengladbach – nämlich gar nicht.

Dass Lukas Podolski sich gegenüber seinem früheren Klub wirklich alles erlauben kann, zeigte sich in der Nachspielzeit: Da versetzte er dem FC durch sein 3:0 den Todesstoß und jubelte – das gebietet der Anstand – nur verhalten. Dennoch reichten ihm die Kölner Anhänger hinterher ihre Kinder und steigerten sich in eine wahre Ekstase. Nur ein Hinweis an die anderen Kölner Kicker, die sich angesichts der Poldi-Euphorie vielleicht ein bisschen komisch vorkamen: Einfach mal den Verein wechseln, bringt nicht zwangsläufig die Zuneigung der Fans. Es steckt schließlich nicht in jedem ein Prinz.

Gesellenstück: Dem HSV gefällt’s nur mit Handicap

Eine typische Szene vom Schul-Bolzplatz: Die beiden besten Balltreter nehmen es gleich mit fünf talentfreien Gegnern auf und geben ihnen als Gipfel der Arroganz gleich noch zwei Tore Vorsprung. Auch der Hamburger SV braucht derzeit in der Bundesliga stets die besondere Herausforderung: Am Wochenende ließ sich das Team von Trainer Martin Jol zum dritten Mal in den ersten vier Spielen zunächst die eigene Kiste vollhauen, um anschließend zur großen Aufholjagd zu blasen. Das Experiment gelang auch gegen Leverkusen und so stehen die Hanseaten nun auf Rang eins – erstmals übrigens seit neun Jahren. Von Rafael van der Vaart spricht im hohen Norden jedenfalls keiner mehr, zumindest bis sich der HSV mal nicht selbst eine Aufgabe mit Handicap stellt.

Erstes Lehrjahr: Versöhnen statt spalten – Schiri Wagner und seine Ruhrpott-Mission

Gibt es etwas, das Schalker Fußballfans noch weniger mögen als Borussia Dortmund? Eigentlich nicht – und das gilt umgekehrt natürlich genauso. Am Samstagnachmittag allerdings tat Schiedsrichter Lutz Wagner alles dafür, um sich an die Spitze der Buhmann-Rangliste im Revierderby zu setzen. Die Schalker hatten einen 3:0-Vorsprung noch aus der Hand gegeben, dabei zwei Platzverweise, ein Abseitstor und einen mehr als fragwürdigen Handelfmeter hinnehmen müssen. Die Dortmunder dagegen monierten eine weitere klare Rote Karte, die Wagner stecken ließ (gegen Rafinha) und eine viel zu kurze Nachspielzeit, in der aus ihrer Sicht sogar noch mehr als das für sie schon schmeichelhafte 3:3 drin gewesen wäre. Am Ende hauten sie also alle auf den Referee ein und nicht wie in früheren Jahren aufeinander und man wurde den Verdacht nicht los, dass der Pfeifenmann genau mit dieser Mission in den Ruhrpott geschickt worden war: Sozusagen ein Blauhelmsoldat mit der Lizenz zum Verärgern. Wenn auch unorthodox, so war das doch ein geschickter Schachzug im Kampf gegen Randale im Revier.

Zwei linke Hände: Edmund Beckers Ärger über Madonna

Es ist nicht überliefert, ob Edmund Becker bis zum Wochenende vielleicht sogar ein glühender Anhänger von Madonna war. Spätestens jedoch am Freitagmittag dürfte sich das mit der heimlichen Verehrung erledigt haben. Da nämlich wurde das Bundesligaspiel seines Karlsruher Sport-Clubs in Frankfurt abgesagt, weil ein Konzert der amerikanischen Popsängerin drei Tage vorher den Rasen des Stadions derart mitgenommen hatte, dass man dort vielleicht noch ein Rugby-, bestimmt aber kein Fußballspiel mehr austragen konnte. "Eine Sauerei", fand Trainer Becker und meinte nicht die wie immer frivole Bühnenshow des Megastars, sondern die Tatsache, dass die Platzkommission der DFL noch tags zuvor behauptet hatte, das Match könne stattfinden. Die KSC-Profis hatten dadurch jedenfalls ein freies Wochenende. Und damit Zeit, um ihren Hobbys zu frönen. Lesen, Video schauen, Platten hören. Wehe, Ede Becker bekommt heraus, dass einer eine Madonna-Scheibe aufgelegt hat.

Stefan Galler ist Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung und Fußball-Kommentator beim Münchner Lokalsender Radio Gong 96,3 und bei beim Fernsehsender Premiere. Für deutsche-handwerks-zeitung.de beleuchtet er Spieltag für Spieltag Besonderes und Kurioses aus den Bundesligaspielen in einer wöchentlichen Kolumne.