80 Jahre Autoradio Vom Röhrenklotz zum digitalen Allzweckgerät

Die ersten Autoradios wurden 1932 eingebaut. Sie kosteten ein Drittel des Autokaufpreises und waren bleiern schwer. Heute zählen Autoradios zur Serienausstattung und haben sich zur Schaltzentrale mit Navigation und Handy-Anbindung entwickelt. Ein weiter Weg in 80 Jahren.

Seit nun mehr 80 Jahren in Autos zu finden - das Autoradio. - © Gerald Sauer/Fotolia

In diesem Jahr feiert die Branche in Europa den 80. Geburtstag des Autoradios. 1932 wurde das erste Modell in Deutschland eingebaut. In den USA stattete Ford schon zehn Jahre früher eines der legendären T-Modelle mit einem Empfänger aus.

Musik am Steuer war in der Anfangszeit ein teurer und seltener Luxus. Das erste Autoradio in Europa - ein 15 Kilogramm schweres Blaupunkt Röhrengerät - kostete 1932 stolze 465 Mark: ein Drittel des Kaufpreises für das ganze Auto.

Klotz mit Glaskolbenröhren

Der schwere schwarze Radioklotz mit fünf Glaskolbenröhren empfing nur auf Mittel- und Langwelle und war so groß, dass er nicht ins Armaturenbrett passte, wie es der Rundfunkhistoriker Wolfgang Söll beschreibt.

Heute haben sich die einst schlichten Rundfunkempfänger zu digitalen und vernetzten mobilen Kommunikationszentralen entwickelt - mit integrierter Navigation, Verknüpfung zum Smartphone des Fahrers, mit großem Display, das etwa die Bilder der Rückfahrkamera oder das Umfeld des Autos beim Rangieren anzeigt. "Das Radio war der Anfang, heute sind die Anwendungen bei Premiumautos weitaus umfangreicher", sagt Eckehart Rotter, Pressesprecher des Verbandes der Automobilindustrie (VDA).

Schon heute unterstützen Assistenzsysteme den Fahrer bei einem Unfall mit einem automatischen oder manuellen Notruf an eine Einsatzzentrale durch genaue GPS-Ortung. Künftig wird die direkte Kommunikation von Auto zu Auto das Fahren noch sicherer machen: So können sich Fahrzeuge gegenseitig vor unerwarteten Hindernissen warnen. Das funktioniert viel rascher als heutige Verkehrsfunk-Meldungen.

Eine solche Entwicklung konnte niemand ahnen, als der erste Empfänger auf der Berliner Funkausstellung 1932 präsentiert wurde.

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Die Ingenieure konzentrierten sich danach vor allem darauf, das Radio zu verkleinern. 1949 gelang es, das Empfangsteil im Armaturenbrett unterzubringen. Zwei Jahre später präsentierte der Hersteller Becker im Radio Nürnberg erstmals Stationstasten. 1953 folgte das erste Radio mit Sendersuchlauf.

Zu diesem Zeitpunkt hatten schon 40 Prozent der Autos in der Bundesrepublik ein Radio, heißt es in einem Rückblick der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu).

Herausziehbare Radios in den 60ern

Der Aufschwung der Wirtschaftswunderzeit machte das Auto zum geschätzten Begleiter der Deutschen im Alltag - und das Autoradio war dabei. 1958 erschien ein herausziehbares Radio, das mit Batterien am Strand genutzt werden konnte, und Philips präsentierte den ersten Plattenspieler fürs Auto - Vorbild für künftige CD-Player. Ende der 60er Jahre folgten das erste Auto-Kassettenlaufwerk und das Weltdebüt des Stereoradios.

In den 80er Jahren kamen der Auto-CD-Player und die Markierung der Sender durch das Radio Daten System (RDS). Die Technik half auch, die Erreichbarkeit für Verkehrsdurchsagen zu verbessern. Wegen Diebstahlgefahr wurde es Mode, das Radio ins Restaurant oder Café mitzunehmen.

Mitte der 90er kam das Navi dazu

Später entwickelte die Industrie elektronische Sicherungscodes. Mitte der 90er Jahre folgten die ersten Modelle für ein Navigationssystem. Blaupunkt stellte mit seinem Modell Berlin erstmals ein Autoradio-Mediencenter mit videofähigem Bildschirm, Navigation und Schnittstelle zu Telefon und CD-Wechsler vor.

Das Radio spielt heute in immer mehr Steuerfunktionen des Autos hinein, und die Steuerzentralen werden zunehmend vom Hersteller selbst vermarktet. Nachrüstradios passen vielfach kaum noch in das Armaturenbrett.

Der Absatz an Nachrüstgeräten schrumpfte von knapp 4 Millionen 1994 auf aktuell 1,1 Millionen, sagt gfu-Sprecher Roland Stehle: «Der Nachrüstmarkt hat Federn gelassen.» Große Hoffnungen setzt die Branche auf die 2011 neu gestartete Digitaltechnik DAB+. Sie ist bereits vielerorts zu hören und soll bald bundesweit flächendeckend rausch- und knisterfreien Empfang garantieren. dpa