Der Verband ZVDH feiert 100 Jahre organisiertes Dachdeckerhandwerk. Gerade in Kriegszeiten erlebten die Dachdecker eine bewegte Geschichte – und waren wichtig für ganz Deutschland.

Am 9. Februar 1925 wurde im Hotel "Goldene Sonne" in Meißen der "Reichsverband Deutscher Dachdeckermeister" gegründet – der Vorläufer des heutigen Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH). Rund 700 Mitglieder nahmen an der historischen Gründungsversammlung teil.
Doch die Gründung wäre beinahe an einem scheinbar nebensächlichen Streit gescheitert: der Frage nach dem Namen der gemeinsamen Verbandszeitschrift. Im Sitzungsprotokoll wurde festgehalten: "Der Widerstand kam vor allem vom Zentralverband Deutscher Dachdeckermeister. Vorsitzende und Mitglieder verließen frustriert den Tagungssaal, zur Weiterführung der Verhandlungen erst bereit, wenn die Zeitungs-Frage geklärt war."
Damals existierten zwei konkurrierende Zeitschriften – die "Deutsche Dachdecker-Zeitung" und der "Deutsche Dachdeckermeister" – die in unterschiedlichen Verlagen erschienen. Der Streit konnte erst durch einen Schlichtungsversuch der Tagungsleitung beigelegt werden. Man einigte sich schließlich auf die Zusammenführung beider Publikationen unter dem neuen Namen "Deutsches Dachdecker-Handwerk", die bis 1936 als Sprachrohr des Gewerks diente und als Vorläufer des heutigen Verbandsorgans "DDH - Das Dachdeckerhandwerk" gilt.
Im neuen Geschäftsbericht würdigt der ZVDH 100 Jahre Geschichte des organisierten Dachdeckerhandwerks und auch diese Episode aus der Gründerzeit taucht darin auf.
Bekämpfung der Schwarzarbeit
Schon in den Anfangsjahren bewegten das Dachdeckerhandwerk Themen, die bis heute aktuell sind: hohe Materialpreise, Nachwuchsmangel, Fachkräftesicherung, Inflation und die Forderung nach Bekämpfung der Schwarzarbeit. Bereits in den 1920er-Jahren stellte der Verband Anträge an die Regierung, etwa zur Einführung des Großen Befähigungsnachweises (Meisterpflicht) und zur steuerlichen Absetzbarkeit von Reparaturrechnungen.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 begann auch für das Dachdeckerhandwerk eine Zeit tiefgreifender Veränderungen. Der "Reichsverband Deutscher Dachdeckermeister" wurde wie alle Handwerksorganisationen in die nationalsozialistische Wirtschaftsordnung eingegliedert. Die Selbstverwaltung des Handwerks wurde durch das "Führerprinzip" ersetzt.
Fachschule Mayen gegründet
Ein Meilenstein für die Dachdecker war in diesen schwierigen Jahren die Gründung der verbandseigenen Fachschule in Mayen im Jahr 1937. Der Unterricht begann 1938 mit 60 Schülern. Die Kriegsjahre brachten für das Dachdeckerhandwerk Herausforderungen mit sich. Durch Luftangriffe auf deutsche Städte stieg der Bedarf an Reparaturarbeiten an beschädigten Dächern drastisch. Gleichzeitig verknappten sich die verfügbaren Materialien immer mehr.
Nach dem Krieg gründete sich der Verband am 2. April 1949 in Marburg neu. Unter dem Namen "Zentralverband des Dachdeckerhandwerks in den Vereinigten Wirtschaftsgebieten" mit Sitz in Hannover begann der Neuanfang im Westen.
Die Nachkriegszeit war geprägt vom Wiederaufbau. Die zerstörten Städte mussten aufgebaut werden, und das Dachdeckerhandwerk spielte dabei eine entscheidende Rolle. Im September 1948 begann der Schulbetrieb in Mayen wieder. Die Fachschule entwickelte sich zum Bundesbildungszentrum des ZVDH. Die 1950er- und 1960er-Jahre waren von einer zunehmenden Professionalisierung geprägt. Ein wichtiger Meilenstein war die der Lohnausgleichskasse (LAK) für das Dachdeckerhandwerk am 5. Juli 1960, die als Folge der gesetzlichen Einführung des Schlechtwettergeldes etabliert wurde.
Umzug nach Köln
Im Jahr 1969 zog die ZVDH-Geschäftsstelle nach Köln, wo sie bis heute ihren Sitz hat. 1974 erfolgte die Festlegung der bis heute gültigen Verbandsbezeichnung: "Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks - Fachverband Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik e. V. (ZVDH)". Eine zusätzliche Aufgabe der Lohnausgleichskasse wurde 1979 die Förderung der überbetrieblichen Lehrlingsausbildung. Die Nachwuchsförderung ist ein zentrales Thema geblieben.
Bereits im 18. Jahrhundert gab es klare Regeln für Lehrburschen, wie ein Zitat aus dem Handbuch von 1784 zeigt: "Wenn der Lehrbursche des Morgens seinen Lehrherren, desselben Frau, oder auch Gesellen zum erstenmale sieht, sagt er zu ihnen mit einer anständigen Verneigung und mit gefälliger Mine: Herr und Frau, auch Monsieur guten Morgen, ich wünsche Ihnen wohl geruhet zu haben."
"Wenn der Lehrbursche des Morgens seinen Lehrherren, desselben Frau, oder auch Gesellen zum erstenmale sieht, sagt er zu ihnen mit einer anständigen Verneigung und mit gefälliger Mine: Herr und Frau, auch Monsieur guten Morgen, ich wünsche Ihnen wohl geruhet zu haben."
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Dachdeckerhandwerk kontinuierlich weiter. Nach der Wiedervereinigung 1990 erweiterte sich das Tätigkeitsfeld des ZVDH. Die 1990er-Jahre waren von technischen Innovationen und einer verstärkten Ausrichtung auf Umwelt- und Energiethemen geprägt. Heute steht das Dachdeckerhandwerk vor Herausforderungen wie der Integration von Photovoltaik und Gründächern, für die neue Weiterbildungen wie Photovoltaik-Manager.
Die technische Entwicklung spiegelt sich auch im Regelwerk wider: Während die Grundregel von 1926 nur 68 Seiten umfasste, ist das heutige Fachregelwerk auf rund 1.500 Seiten angewachsen.
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) schreibt zum zweiten Mal den Preis für Handwerksgeschichte aus. Handwerksbetriebe und -organisationen haben die Möglichkeit, sich bis zum 16. Juni 2025 zu bewerben. Noch bis zum 16. Juni können sich Verbände und Betriebe, die ihre Geschichte erforscht, dokumentiert und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben, bewerben. Ob in Form von Chroniken, Dokumentationen, Ausstellungen oder digitalen Formaten – diese Arbeiten leisten nicht nur einen wertvollen Beitrag zur Wissenschaft, sondern stärken auch die Identität und Sichtbarkeit des Handwerks. Mehr Informationen und Bewerbungsunterlagen unter: www.zdh.de