Was passiert, wenn Handwerkskunst auf Social Media trifft? Schreinermeister Dominik Schüttler aus Waiblingen zeigt auf Instagram sein Meisterstück: ein schlichtes Sideboard mit genialem Hocker-Mechanismus. Das kurze Video ging viral – 2,5 Millionen Aufrufe, 161.000 Likes und mehr als 2.000 Kommentare, die vor allem Präzision und Idee feiern.

Das Meisterstück selbst ist ebenso praktisch wie überraschend: Ein Sideboard aus schlichtem Eichenfurnier, kombiniert mit cremeweiß pulverbeschichtetem Stahl, das an der Wand montiert wird. Es bietet Stauraum für den Alltag – Brettspiele, den Receiver unter dem Fernseher – und gleichzeitig einen cleveren Mechanismus für Hocker, die bei Bedarf hervorspringen und wieder verstaut werden können.
Dominik Schüttler erklärt, dass die Idee aus seiner eigenen Wohnsituation entstand: Wenig Platz in der Zweizimmerwohnung, aber die Notwendigkeit, Freunde spontan zu bewirten. Die Hocker lassen sich dank eines ausgeklügelten Druckmechanismus leicht herausziehen und wieder verstauen, ohne den Raum zu stören.
Die Inspiration kam übrigens auf einer Abschlussfeier seines Gestalterjahrgangs: Ein Kollege brachte einen Klappstuhl mit, und Dominik dachte: "Eigentlich schon clever, dass man sich so einfach hinsetzen kann." Aus diesem kleinen Geistesblitz entstand die Grundidee für das Sideboard.
Materialwahl und technische Raffinesse
Die Kombination von Holz und Stahl war für Schüttler besonders reizvoll: Stahl bietet Stabilität bei geringer Materialstärke, während Eiche Wärme und Natürlichkeit liefert. Die Herausforderung bestand darin, den Mechanismus für die Hocker sicher und langlebig zu gestalten. "Es gibt einen Kipppunkt, ab dem der Hocker nach vorne abkippen würde, wenn man ihn loslässt", erklärt er. Die Lösung: Stifte statt Leisten in der Nut, die sich bei Belastung einfach drehen. So kann nichts beschädigt werden.
Neben der Mechanik stellte auch die Verarbeitung eine Herausforderung dar: Die stumpf aufschlagende Ecke, die in eine Gehrung übergeht, erforderte präzises Arbeiten mit feinen Fräsungen – Details, die auf Fotos kaum sichtbar sind, aber viel Erfahrung und handwerkliches Können verlangen.
Die Holzaufklebeelemente auf der Oberfläche stellten sich als kleine Überraschung heraus: "Der Kleber hielt zunächst nicht. Mit ein bisschen Tüfteln hat es dann doch geklappt. Aber genau das macht Handwerk spannend – man lernt ständig dazu."
Die Entstehung des Meisterstücks: Zeitdruck, Tüfteln und Durchhaltevermögen
Für die Handwerkskammer-Prüfung sind drei Arbeitswochen für die Fertigung angesetzt – 120 Stunden reine Produktionszeit. Die eigentliche Entwicklung, Planung und Konstruktion läuft jedoch davor ab. Dominik hatte dabei einen engen Zeitplan, da er parallel seine Gestalter-Abschlussarbeit erledigen musste. Zahlreiche Entwürfe entstanden und wurden wieder verworfen, bis die Hocker-Idee endlich funktionierte.
"Es gab Momente, da dachte ich, es klappt nie", erinnert er sich. Die finale Lösung kam spät am Abend, als er auf die runde Stiftlösung in der Nut kam, die den Hocker sicher macht.
Es ist ein schlichtes Möbel, das durch seine clevere Zusatzfunktion einen enormen praktischen Wert bietet. Gleichzeitig bleibt es flexibel und offen: Keine festen Einsätze, keine starren Fachhöhen – das Sideboard passt sich den Bedürfnissen seines Alltags an.
Vom Meisterstück zum Social-Media-Phänomen
Das Meisterstück fand nicht nur Anerkennung bei Familie und Kollegen, sondern sorgte auch auf Instagram für Furore: Das Video, in dem Dominik das Sideboard vorstellt, erreichte 2,5 Millionen Aufrufe, 161.000 Likes und über 2.000 Kommentare. Nutzer loben insbesondere die handwerkliche Präzision, die kreative Lösung und die elegante Verarbeitung.
Die Resonanz zeigt: Es ist nicht nur ein Möbelstück, sondern ein Beispiel dafür, wie durchdachtes Handwerk und innovative Ideen Menschen begeistern können. Anfragen zu Serienprodukten gab es ebenfalls, doch derzeit ist das Möbel noch zu komplex für eine Serienproduktion.
Rückblick auf den Werdegang
Nach dem Abitur verbrachte Dominik Schüttler ein Jahr im Ausland (Pakistan) im Rahmen eines FSJ-ähnlichen Engagements. Im September 2016 begann er anschließend seine Schreinerlehre bei der Schreinerei Wolz in Waldtann bei Crailsheim. Heute ist er Schreinermeister und Projektleiter bei der Firma Raum 42 in Waiblingen.
Mentoren und familiäre Einflüsse haben ihn geprägt, besonders sein Vater, mehrere Onkel und Lehrer während seiner Ausbildung. Sie vermittelten handwerkliches Können, Kreativität und den Wert sorgfältiger Arbeit.