Vom Krisen- zum Lebensblick

Professorin Ursula M. Staudinger, Gründungsdekanin des Jacobs Center on Lifelong Learning and Institutional Development, Vizepräsidentin der Jacobs University Bremen. Foto: privat

Vom Krisen- zum Lebensblick

Wenn plötzlich die Kurzarbeit ins Haus steht, verstehen viele Arbeitnehmer und Betriebe dies zu Recht als besorgniserregendes Krisenzeichen. Sie konzentrieren sich darauf, diese Phase zu überstehen und hoffen, die Kapazitäten bald wieder auslasten zu können. Wenn die Rede davon ist, die freie Zeit für Qualifizierungen zu nutzen, hilft der enge Blick auf die Krise aber nicht weiter. Niemandem ist gedient, wenn die Weiterbildung nur ein Pausenfüller ist. Man lernt nur dann gut, wenn man den Sinn und den Zweck der Übung kennt. Daher müssen Arbeitnehmer, bevor sie sich in einen Seminarraum setzen, und Betriebe, bevor sie einen Dozenten anheuern, ganz genau die Zeit vor und nach der Krise betrachten. Was habe ich gelernt, welche Kenntnisse fehlen mir in meiner Arbeit, welche Arbeitsbereiche möchte ich mittelfristig nicht mehr abdecken müssen, weil gesundheitliche Probleme zu erwarten sind oder sie dauerhaften Stress bedeuten? Mit diesen Antworten lassen sich Lernziele formulieren: Wo will ich hin, was muss ich dazu können und wissen? Suchen Sie mehrere Beratungen auf! Die Kammern, kommunale Träger und Frauenberatungsstellen sind gute Adressen (Stiftung Warentest hat sie getestet). Und wählen Sie später nur einen zertifizierten Anbieter!

Eine mittelfristige Lebens- und Personalplanung mag zur kurzfristigen Krise nicht passen. Aber Weiterbildungen sind keine Pausenfüller, sondern kleine Tankstellen, die ein Leben lang immer wieder angesteuert werden sollten. Es spielt dabei keine Rolle, wie alt jemand ist, denn man kann auch im Rentenalter noch Japanisch lernen, Programmieren oder Buchhaltung erlernen. Und warten Sie nicht bis zur nächsten Krise, um sich für den Folgekurs anzumelden.