Deutschlandweit erste Montagestrecke für Autogasanlagen Vom Hinterhof auf Industriestandard

Seit dem 1. Januar 2008 werden in Sonneberg Autogasanlagen montiert. In etwa fünfzehn Stunden werden ein zusätzlicher Gastank im Kofferraum verbaut, ein zweiter Einfüllstupfen angebracht und die Elektronik umgerüstet. Dass die Idee simpel sei, hört der Geschäftsführer der Prince-Gas, Andreas Boyken, ungern.

Vom Hinterhof auf Industriestandard

Alexander Lengwenad nimmt eine Kneifzange, beugt sich in den Motorraum eines Autos und zwickt an einem Kabelbaum eine Leitung nach der anderen durch. "Hier tricksen wir die Elektronik des Autos aus", sagt der Produktionsleiter der Prince-Gas im südthüringischen Sonneberg. Ein Steuergerät, das er gleich einbaut, rechnet den Verbrauch von Benzin auf Gas um. "Die Elektronik glaubt dann weiterhin, es werde Benzin verbrannt", erklärt Lengwenad. Doch anstelle des flüssigen Brennstoffs fließe Autogas aus einem Tank in der Ersatzradmulde in die Brennkammern.

Seit dem 1. Januar 2008 werden in Sonneberg Autogasanlagen montiert. In etwa fünfzehn Stunden werden ein zusätzlicher Gastank im Kofferraum verbaut, ein zweiter Einfüllstupfen angebracht und die Elektronik umgerüstet. Dass die Idee simpel sei, hört der Geschäftsführer der Prince-Gas, Andreas Boyken, ungern. Der 28-Jährige, der seine Firma zuvor im ostfriesischen Aurich betrieben hat, legt Wert auf Professionalität.

"Wir lassen hier die erste serienmäßige Montagestrecke für Autogasanlagen entstehen", sagt Boyken. Standardisierung und Perfektion seien deshalb die Stichworte, die er für seine Firma in Anspruch nehmen wolle. Denn bislang sei der Einbau solcher Anlagen eher "ein Bastlergeschäft auf dem Hinterhof" gewesen. Von diesem Image möchte er mit seiner Firma weg kommen. "Wir arbeiten an standardisierten Einbausätzen für jeden erdenklichen Autotypen."

Personalaufbau willkommen

Dazu beschäftigt Boyken derzeit 25 Leute in der Montage. Bis zu 15 Fahrzeuge schafft die Besatzung in der Woche. Boyken hofft aber, noch im Laufe dieses Jahres 60 Leute beschäftigen zu können. Hinzu kämen noch mal 100 Angestellte im Verwaltungsbereich. Personal, das er auch braucht, wenn die Produktion nach seinen Vorstellungen läuft. Bis zu 6.000 Fahrzeuge will er dann jährlich umrüsten lassen. Das entspräche einem Anteil von knapp einem Prozent an der Gesamtsumme der jährlichen Neuzulassungen, wie Boyken vorrechnet.

Einbau kostet 1.800 Euro

Kerngeschäft soll der Umbau von Privatfahrzeugen sein. Um an die Kundschaft zu gelangen, hat er den Reparaturdiscounter Pitstop als Partner gewonnen. In dessen Werkstätten sollen die Anlagen beworben und vertrieben werden. Umgerüstet wird in Sonneberg, das sich mit seiner deutschlandweit zentralen Lage als Standort angeboten hat. Die Kosten für einen Einbau belaufen sich auf etwa 1.800 Euro.

Zusammen mit Pitstop setzt man bei Prince-Gas auf einen Trend. Mit 0,65 Cent pro Liter ist Flüssiggas im Vergleich zu Benzin oder Diesel fast um die Hälfte billiger. Und damit entsprechend beliebt bei Berufspendlern. Nach Schätzungen der Mineralölindustrie beläuft sich die Zahl die Fahrzeuge, die mittlerweile auf heimischen Straßen mit dem Alternativbrennstoff bewegt werden, auf über 200.000.

Mit ständig steigenden Preisen an den Zapfsäulen dürfte der Brennstoff noch weiter boomen. Zumal das Vielfahrerland Deutschland im Vergleich zu europäischen Nachbarn deutlich hinterher hinkt. In Länder wie Italien, Polen und Österreich hat man Autogas bereits in den 90er Jahren als Alternative entdeckt. Erst allmählich zieht Deutschland nach.

Aus technischer Sicht hat man beim TÜV keine Bedenken gegen die Anlagen. "Die Technologie ist erprobt und erhält von uns ein Abnahmesiegel bei ordnungsgemäßem Einbau", sagt Thomas Hesse vom TÜV Thüringen. Ob sich die Anlagen allerdings im großen Stil durchsetzen werden, kann Hesse nicht einschätzen. Für möglich hält er es. Dies sei eine Frage der Vermarktung.

Michael Klug/ddp