Elektrotechniker Tobias Haack Vom DJ über DIY-Videos zum Handwerk-Enthusiasten

Nach seinem Schulabschluss träumt Tobias Haack von einer Karriere als DJ. Dann zieht ihm die Pandemie den Stecker. Die plötzlich freien Wochenenden füllt der gelernte Elektrotechniker mit Do-it-yourself-Videos auf Youtube – und merkt erst dann so richtig, wie cool das Handwerk ist. Seine Begeisterung teilt er inzwischen auf unterschiedlichste Weise.

Tobias Haack
Tobias Haack fühlt sich richtig wohl im Handwerk und nutzt die Möglichkeiten, die es ihm bietet. - © Natascha Lieber

Zunächst absolviert der Heilbronner Tobias Haack die Ausbildung zum Elektrotechniker und findet anschließend gute Jobs. Seine eigentliche Leidenschaft gilt jedoch weiterhin dem Plattenauflegen. An fast jedem Wochenende ist er als "DJ Case" in Clubs oder auf Hochzeiten unterwegs. Doch dann kommt Corona. Sämtliche Veranstaltungen, für die Haack als DJ gebucht war, fallen weg. "Das war furchtbar für mich", berichtet der 39-Jährige. "Irgendwann habe ich mich schlicht gelangweilt."

Erstes Video auf Youtube

Gemeinsam mit einem Freund, der als Fitnesstrainer bereits auf Social Media aktiv ist, entsteht die Idee, etwas Eigenes zu machen. "Alle saßen wegen Corona zu Hause. Viele nutzten die Zeit für Do-it-yourself-Projekte. Da passt mein Wissen als Elektrotechniker ganz gut dazu, dachte ich."

Im Februar 2021 veröffentlicht er das erste Video auf seinem You­tube-Kanal "Tobi’s Tool Time". Titel: Fünf Regeln der Elektrotechnik. Haack produziert weitere Videos, in denen er mit einfachen Worten erklärt, worauf bei bestimmten Arbeiten zu achten ist und gibt Tipps, wie man typische Fehler vermeiden kann. Das kommt gut an. Seine Community wächst und wächst.

Ein Geben und Nehmen

Neben seinen Followern interessieren sich auch immer mehr Azubis und Kollegen für seine Videos. Oder stellen Fragen. "Bei manchen Themen entstehen richtige Fachdiskussionen. Wir profitieren alle voneinander, weil jeder schon mal mit schwierigen Baustellen oder anstrengenden Auftraggebern zu tun hatte", sagt Haack schmunzelnd. "Es ist ein tolles Geben und Nehmen." So wie seine Fangemeinde wächst, wächst bei Haack die Freude an seinem Beruf. "Durch das Erstellen der Videos und die Interaktion mit den Usern wurde mir erst so richtig bewusst, wie cool das Handwerk ist und was man damit alles machen kann."

Auf Tiktok und Instagram aktiv

Er legt noch eine Schippe drauf und wird auch auf Instagram und Tiktok aktiv. Auch hier steigen die Follower-Zahlen schnell. Hersteller sprechen ihn auf Kooperationen an, er wird zu Podcasts eingeladen. Bei der Internationalen Handwerksmesse (IHM) im März dieses Jahres nimmt er als Experte an einem Speed-Dating teil, bei dem sich Handwerker Tipps für ihre Social-Media-Auftritte holen können. "Ich bin Teil einer Gemeinschaft geworden, die voll hinter dem Handwerk steht und hofft, dass sich ihre Begeisterung auch auf andere überträgt", so Haack stolz.

Ausbilder und Prüfer zugleich

Diese Einstellung wirkt sich nicht nur auf seine Online-Aktivitäten aus. Bei seinem Arbeitgeber, dem Blühenden Barock in Ludwigsburg, bildet er schon länger Azubis aus. Bei der Handwerkskammer Heilbronn-Franken ist er Mitglied im Gesellenprüfungsausschuss. "Im Vergleich zu meinen Social-Media-Sachen klingt das eher spießig", sagt er lachend. "Dem ist aber nicht so. Eine gute Ausbildung ist die perfekte Basis für alles Weitere, was man beruflich machen möchte", ist er sich sicher. Und die Arbeit mit den Kollegen im Ausschuss sei für ihn eine persönliche Bereicherung. "Ich kann menschlich und fachlich dazulernen und nebenbei vergrößere ich mein Netzwerk", sagt Haack.

Einsatz lohnt sich

Bereits seit 2014 ist er selbstständig im Handwerk tätig. Durch seine Bekanntheit – bei Youtube hat er mittlerweile über 22.500 Abonnenten – bekommt er immer mehr Anfragen. Praktisch. Bei dem einen oder anderen Auftrag entsteht so Videomaterial direkt auf der Baustelle. Für Haack ist das kein Zufall. "Ich bin überzeugt: Wenn man den richtigen Beruf für sich gefunden hat und bereit ist, Gas zu geben, greift alles ineinander und man kann viel erreichen. Für sich selbst und für die Gemeinschaft."