Die volle Wucht der Krise wird Deutschland erst im Jahr 2010 treffen, meint Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die ZEW-Konjunkturerwartungen fallen jedoch schon jetzt.
Volle Wucht der Krise erst 2010
Bundeskanzlerin Angela Merkel hält die weltweite Wirtschaftskrise noch lange nicht für überwunden. Die Arbeitslosigkeit werde weiter steigen, und die volle Wucht der Krise werde Deutschland erst im kommenden Jahr treffen, sagte sie am Dienstag im Bundestag in ihrer Regierungserklärung. Um die Krise zu bewältigen, schließt die Regierung offenbar weitere Staatshilfen nicht aus. Unterdessen trübten sich die mittelfristigen Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren im November stärker als erwartet ein.
Der Deutschlandfonds für Unternehmen werde "gegebenenfalls angepasst", kündigte Merkel an und forderte zudem die Banken auf, Kredite zu vergeben, da die Kreditwirtschaft im Kern eine "dienende Funktion" für den Wirtschaftskreislauf habe. Der sogenannte Konjunkturindex des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), der die Erwartungen von Finanzexperten dokumentiert, sank im November von 56,0 Punkten im Vormonat auf 51,1 Punkte. Experten hatten im Schnitt nur mit einem Rückgang auf 54,0 Punkte gerechnet.
"Der Aufwärtstrend der Erwartungen ist vorerst unterbrochen", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz in Mannheim. Unsicher sei im Moment vor allem die Entwicklung des privaten Konsums. Das Institut erhebt den sogenannten ZEW-Konjunkturindex, für den monatlich rund 300 Analysten und institutionelle Anleger befragt werden. "Die befragten Finanzmarktexperten signalisieren damit, dass es aus ihrer Sicht im nächsten Jahr zunächst keinen starken Wachstumsschub geben wird", erläuterte Franz. Vielmehr gehe die konjunkturelle Erholung in kleinen Schritten voran. Unsicher sei im Moment die Entwicklung des privaten Konsums, denn ein allmählich wieder ansteigendes Preisniveau sowie die unsichere Arbeitsmarktsituation könnten den Konsum dämpfen.
ddp