Trotz Finanzkrise Volks- und Raiffeisenbanken wollen Marktanteil ausbauen

Die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken haben 2008 einen deutlich geringeren Überschuss vor Steuern erzielt als noch im Vorjahreszeitraum. Ihren Marktanteil wollen die knapp 2.000 Banken im laufenden Jahr ihren Marktanteil ausbauen. Von Karin Birk, Berlin

Volks- und Raiffeisenbanken wollen Marktanteil ausbauen

"Wir wollen im Jahr 2009 an vielen Stellen stärker wachsen als der Markt", sagte Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) in Berlin. Zwar habe die Finanzmarktkrise auch Spuren bei den Genossenschaftsbanken hinterlassen, deren Jahresüberschuss 2008 um rund ein Viertel auf 1,35 Milliarden Euro zurückgegangen sei. Im Vergleich zu anderen Bankengruppen seien die Genossenschaftsbanken in der bisherigen Finanzmarktkrise aber bisher am erfolgreichsten gewesen und dies wollten sie auch 2009 sein.

Fröhlich stellte aber unmissverständlich klar, dass es ihm um "profitables Wachstum" gehe. Es werde bei den Genossenschaftsbanken keine "betriebswirtschaftlich nicht nachvollziehbare Kampfkonditionen" für Einlagen geben, wie sie teilweise von staatlich gestützten Wettbewerbern angeboten würden, sagte er. Ohne konkrete Namen zu nennen, wehrte sich Fröhlich damit ganz konkret gegen das Vorgehen von staatlich gestützten Privatbanken sowie von Autobanken. Fröhlich begrüßte indessen ein Signal von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, diese Wettbewerbsverzerrungen nicht hinnehmen zu wollen.

Kreditnachfrage verhalten

Wie Fröhlich weiter sagte, haben die Volks- und Raiffeisenbanken 2008 ihre Kundeneinlagen binnen Jahresfrist um 4,5 Prozent auf knapp 461 Milliarden Euro erhöht. Beim Kreditgeschäft legten sie um 2,7 Prozent auf knapp 377 Milliarden Euro zu. Mittlerweile sei aber eine "verhaltene Kreditnachfrage" der Mittelständler angesichts der Wirtschaftskrise zu spüren. Von einer Kreditklemme könne nach wie vor bei den Genossenschaftsbanken nicht die Rede sein. Je nach Bonität der Kunden hätten die Risikozuschläge zugenommen. Teilweise würden sie aber durch niedrigere Marktzinsen wieder kompensiert.

Für 2009 rechnet der Verband mit einer "Ausweitung des Zinsüberschusses – der wichtigsten Ertragsquelle der Kreditgenossenschaften", nachdem er 2008 auf 13,19 Milliarden Euro leicht zurückgegangen war (Vorjahr: 13,22). Beim Provisionsgeschäft erwartet Fröhlich, dass es sich auf dem "aktuellen Niveau" bewege. 2008 war der Provisionsüberschuss vor allem wegen der schlechten Börse auf 4,053 (4,138) Milliarden Euro zurückgegangen.

Ingesamt sank der Jahresüberschuss vor Steuern der Volks- und Raiffeisenbanken 2008 auf 1,93 (Vorjahr: 2,87) Milliarden Euro. Hauptgrund waren Abschreibungen auf Wertpapiere, die zu einem Anstieg der Risikovorsorge in Höhe von 2,2 (Vorjahr: 1,4) Milliarden Euro führten. Wie Fröhlich sagte, machte "der überwiegende Teil" Kurswertabschreibungen und ein "mittlerer dreistelliger Millionenbetrag" Abschreibungen wegen Bankpleiten wie Lehmann-Brothers aus. Für 2009 müsse in der Summe allerdings nicht mit erhöhten Abschreibungen gerechnet werden. Nach wie vor habe auch keine "Ortsbank" wegen der Finanzkrise staatliche Stützungsmaßnahmen oder auch nur Hilfen der Sicherungsreinrichtung des BVR in Anspruch nehmen müssen. Allerdings würden derzeit für das genossenschaftliche Spitzeninstitut, DZ-Bank, temporäre Hilfen geprüft.

Fröhlich sprach sich weiterhin für eine Fusion der beiden genossenschaftlichen Spitzeninstitute DZ-Bank und WGZ-Bank zu einem zentralen Spitzeninstitut aus: "Wir glauben, dass es der richtige Schritt ist", sagte Fröhlich. Nach bisherigen Planungen soll der Verschmelzungsvertrag am 9. April unterzeichnet werden.