Unternehmer zeigen soziale Verantwortung: Das Bündnis für Gemeinnützigkeit verlieh Anfang Dezember zum fünften Mal den Deutschen Engagementpreis. Auch ein Handwerksbetrieb erhielt für seinen Einsatz eine Auszeichnung.

Charta der Vielfalt
"Die Charta der Vielfalt leben". Das ist das Motto der Alfred Kiess GmbH aus Stuttgart. Dafür engagieren sich Geschäftsführer und Mitarbeiter des Innenausbaubetriebs gleichermaßen. Für seinen Einsatz im sozialen Bereich, zeichnete das Bündnis für Gemeinnützigkeit den Betrieb nun mit dem Deutschen Engagementpreis in der Kategorie Wirtschaft aus.
"Wir möchten keine Bevölkerungsgruppen ausschließen", sagt Tilo Kiess, Geschäftsführer des Unternehmens. So arbeiten im Betrieb drei gehörlose Schreiner. Denn ein ehemals angestellter Meister hatte vor etwa 15 Jahren selbst Probleme mit dem Gehör. Seit dem bildet er Gehörlose als Schreiner aus und vermittelt sie immer wieder an seinen ehemaligen Arbeitgeber.
Die Mitarbeiter bekommen Kurse in Gebärdensprache, um die Kommunikation zu erleichtern. "Wir haben Inklusion schon gelebt, bevor das Wort überhaupt erfunden wurde", sagt Kiess.
Comedy zwischen Kunst und Hobelbänken
Außerdem seien fast alle der 50 Mitarbeiter in der Deutschen Knochenmarkspender-Datenbank registriert beziehungsweise typisiert. Der Geschäftsführer selbst hat bereits Stammzellen gespendet. Zudem organisierte er einige Typisierungsaktionen und rührte die Werbetrommel, so dass sich einige Mitarbeiter anderer Stuttgarter Unternehmen inzwischen ebenfalls in der DKMS registrieren ließen.
Auch Veranstaltungen unter dem Motto "Comedy zwischen Kunst und Hobelbänken" zugunsten der Olgäle Stiftung für das kranke Kind e.V. organisiert der Betrieb regelmäßig. Dafür räumen wir unsere Werkstatt leer. Wir verlangen Eintritt, den wir der Stiftung spenden", erläutert Kiess.
Engagement ist Teil der Unternehmensphilosophie
Das Engagement komme immer doppelt zurück. "Natürlich machen wir uns als Unternehmen dadurch auch sympathisch. Durch die Inklusion bekommen wir außerdem eindeutig motivierte Mitarbeiter", sagt Kiess. Schon sein Vater habe sich als Betriebsinhaber engagiert. So sei das Ganze gewachsen. "In den 1970er Jahren setzte sich mein Vater dafür ein, dass Frauen auch den Schreinerberuf lernen dürfen", erzählt der Geschäftsführer. Die Themen hätten sich inzwischen allerdings etwas verändert.
Publikumspreis mit 10.000 Euro dotiert
Das Bündnis für Gemeinnützigkeit lud rund 400 Gäste zur Preisverleihung, die Anfang Dezember in Berlin stattfand. Neben der Alfred Kiess GmbH wurde unter anderem auch das "Deutsche Bündnis gegen Depression" in der diesjährigen Schwerpunktkategorie "Gemeinsam wirken – mit Kooperation Brücken bauen" ausgezeichnet. Der Verein der "Ingenieure ohne Grenzen" gewann den mit 10.000 Euro dotierten Publikumspreis.
Förderer des Deutschen Engagementpreises sind das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Generali Zukunftsfonds. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) würdigte den Einsatz der Gewinner anlässlich der Preisverleihung: "Menschen, die im Engagement Sinn suchen und durch Engagement Sinn stiften, knüpfen zwischenmenschliche Verbindungen und halten damit unsere Gesellschaft zusammen." sch
Charta der Vielfalt
Die Charta der Vielfalt ist eine Unternehmensinitiative, die Vielfalt in Betrieben fördern möchte. Das Ziel ist es, in Unternehmen ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das frei von Vorurteilen ist. Im Dezember 2006 wurde sie von Daimler, der BP Europa SE (ehemals Deutsche BP), der Deutschen Bank und der Deutschen Telekom ins Leben gerufen. Mehr als 1.600 Unternehmen und öffentliche Einrichtungen haben die Charta inzwischen unterzeichnet.