DHZ-Gespräch mit Professor Maximilian Gege über eine effizientere Energienutzung in Unternehmen. Interview: Karin Birk

"Viele unterschätzen das Einsparpotenzial"
DHZ: Herr Professor Gege, alle Welt spricht in diesen Tagen vom Ausstieg aus der Atomenergie und dem Ausbau der alternativen Energien. Könnte man nicht allein durch einen effizienteren Umgang mit Energie das eine oder andere Atomkraftwerk einsparen?
Gege: Ganz sicher. Das Thema Energieeffizienz wird unterschätzt. Der sparsamere Umgang mit Energie kann schnell 30 bis 50 Prozent an Stromeinsparung bringen. Und da die Kernkraft nur 23Prozent am gesamten Stromverbrauch ausmacht, könnte man die 17 Kernkraftwerke durchaus bis 2025 abschalten. Wer heute in Energieeffizienz investiert, gewinnt in jedem Fall Zeit für den Ausbau der Speicherkapazitäten und der Leitungsnetze für alternative Energie. Statt Atomkraft könnte Energieeffizienz die echte Brücke ins Zeitalter der erneuerbaren Energien sein. Dies würde uns auch davor abhalten, überdimensionierte Energieparks anzulegen.
DHZ: Wie viel Einsparpotenzial sehen Sie durch kurzfristige und langfristige Investitionen bei kleineren Unternehmen?
Gege: Wir sehen fünf bis zehn Prozent Einsparpotenzial durch reine Verhaltensänderungen wie etwa das vollständige Ausschalten ungenutzter Geräte oder die richtige Lüftung von Räumen. Weitere 20 bis 30 Prozent könnten beispielsweise durch Investitionen in effizientere Druckluft-, Beleuchtungs-, Kühlungs-, IT- und Abwärmenutzungssysteme eingespart werden. Investitionen, die sich in ein bis fünf Jahren amortisieren. Weitere 20 Prozent lassen sich bei einer Amortisationszeit von fünf bis zehn Jahren einsparen, wenn etwa in Gebäudesanierung investiert wird. Ingesamt ein Riesenpotenzial.
DHZ: Können Sie ein Beispiel nennen?
Gege: Eine Kfz-Werkstatt braucht vor allem Energie für Beleuchtung, Arbeitsgeräte, Pumpen und Druckluft. Durch die Überarbeitung der Druckluft, durch neue Elektromotoren und Elektropumpen und eine bessere Beleuchtung können 30 bis 50 Prozent an Energiekosten pro Jahr gespart werden. Dies gilt umso mehr, wenn man von steigenden Energiepreisen ausgeht. Für eine Investitionsentscheidung sind nicht nur die Anschaffungskosten, sondern die Lebenszykluskosten, entscheidend.
DHZ: Warum stürzen sich nicht viel mehr Unternehmen auf diese Einsparmöglichkeiten?
Gege: Umfragen haben gezeigt, dass in vielen Betrieben die Kosten für Energie und vor allem für die Einsparpotenziale unterschätzt werden. Oft fehlt es auch an personellen und finanziellen Kapazitäten.
DHZ: Wie sollten Handwerksunternehmer vorgehen, wenn sie ihren Betrieb energieeffizienter aufstellen wollen?
Gege: Zuerst einmal brauchen sie jemanden, der sich um das Thema kümmert. Dabei sollten mindestens zwei Personen von der Partie sein. Der Chef als Machtpromotor und ein Fachpromotor. Je nach Betriebsgröße kann es sinnvoll sein, eine Arbeitsgruppe zu gründen, externe Energieberater zu Rate zu ziehen oder eigene Mitarbeiter zu Energieberatern weiterzubilden. Bei der Frage der Energieberater helfen wir gern weiter. Dann geht es darum, die größten Energiefresser zu identifizieren und die Sparmaßnahmen Schritt für Schritt umzusetzen.
DHZ: Welche finanzielle Unterstützung gibt es?
Gege: Die öffentliche Hand fördert Investitionen teilweise direkt durch Zuschüsse oder über zinsgünstige Kredite der KfW. Daneben haben wir den B.A.U.M-Zukunftsfonds als eingetragene Genossenschaft gegründet. Ein Anleger kann dabei Anteile am Zukunftsfonds erwerben, die zu fünf Prozent verzinst werden. Das eingesammelte Kapital wird dann für energieeffiziente Investitionen bei Unternehmen, öffentlichen oder privaten Haushalten genutzt. Zinsen und Tilgungen werden aus den Einsparungen an Energiekosten erwirtschaftet.