ARD-Magazin "Monitor" Viele Senioren haben keinen Vorteil durch Riesterrente

Millionen künftiger Rentner laufen offenbar Gefahr, trotz Riesterrente im Alter keinen Euro zusätzlich in der Tasche zu haben. Aus internen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung gehe hervor, dass selbst ein Durchschnittsverdiener, der 32 Jahre in die Rentenkasse einzahlt, im Jahr 2030 voraussichtlich keinen Nutzen von der Privatrente hat, berichtete das ARD-Magazin "Monitor".

Viele Senioren haben keinen Vorteil durch Riesterrente

Das Papier komme zu dem Ergebnis: "Je weniger Beitragsjahre ein Versicherter hat und je geringer in dieser Zeit seine Beiträge sind, desto weniger lohnt sich Riester." Grund sei, dass die Einnahmen aus Riester-Verträgen angerechnet werden, wenn ein Rentner nur eine Grundsicherung erhält.

Nach Einschätzung des Renten-Experten und langjährigen Regierungsberaters Winfried Schmähl dürften nicht nur heutige "Hartz IV"-Empfänger betroffen sein. "Millionen" müssten damit rechnen, "dass sich ihre Riester-Förderung gewissermaßen in Luft auflöst". Schuld sei neben der Anrechnung der Riester-Ersparnis auf die Grundsicherung auch das seit Jahren sinkende Leistungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung.

Der Wirtschaftsweise Bert Rürup forderte eine Änderung der Gesetzeslage. "Wer riestert, müsse das Geld später tatsächlich zusätzlich in der Tasche haben", forderte er.

Rentenversicherung: Bericht ist irreführend

Die Deutsche Rentenversicherung bezeichnete die Aussage, ein Durchschnittsverdiener habe keinen Nutzen von der Riesterrente als "irreführend". Auf die Grundsicherung würden neben der Riester-Rente auch weitere Einkommen angerechnet. Einkommen aus der gesetzlichen Rentenversicherung machten nur rund 65 Prozent des Bruttoeinkommens der über 65-Jährigen aus. Einer Studie aus dem Jahr 2005 zufolge würden von den 40- bis 45-Jährigen im Westen 15 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen ausschließlich eine gesetzliche Rente beziehen. Im Osten dürften es 27 Prozent der Männer und 18 Prozent der Frauen sein. Daher sei die pauschale Aussage, für einen Durchschnittsverdiener sei die Riesterrente nicht sinnvoll, "problematisch". Auch könne ein Berufsstarter, der über den Abschluss eines Riester-Vertrages nachdenke, gar nicht abschätzen, ob er einmal auf Grundsicherung im Alter angewiesen sei.

ddp