Versicherungen Viele Policen sind überflüssig

Rund 550 Euro gibt jeder Deutsche im Jahr für Sach- und Unfallversicherungen aus. Was ist nötig und was lässt sich vermeiden? Hier ein paar Tipps.

Andreas Jalsovec

Manchmal braucht man nur scheinbar einen Rettungsring. Viele Versicherungen sind nur dann nötig, wenn man bei einem Schaden finanziell in Bedrängnis geraten würde. - © electriceye (Fotolia)

Manchmal sind es nur kleine Beträge, doch zusammengenommen ergeben sie eine stattliche Summe: Rund 550 Euro gibt jeder Deutsche im Jahr für Sach- und Unfallversicherungen aus. Ein guter Teil dieser Ausgaben lässt sich vermeiden und damit jeden Monat etwas sparen. "Viele Policen braucht man gar nicht, manche nicht zwingend – und für einige gibt es günstigere Alternativen“, meint Ulrike Steckkönig, Versicherungsexpertin bei der Stiftung Warentest.

Um heraus zu bekommen, welche Versicherungen wirklich nötig sind, rät Steckkönig zu einer einfachen Überlegung: "Man sollte  bei jeder Versicherung überprüfen: Würde es mich in finanzielle Bedrängnis bringen, wenn ich den Schaden, den die Versicherung abdeckt, selbst tragen müsste?“ Kann man diese Frage mit einem klaren Nein beantworten, ist die Versicherung überflüssig. "Je mehr man dagegen zum Ja neigt, desto wichtiger ist die Police“, so Steckkönig.

Was unbedingt sein muss

Streng genommen gibt es nur zwei Versicherungen, die jeder haben sollte: die Kranken- und die private Haftpflichtversicherung. Wer ein Auto besitzt, braucht außerdem eine Kfz-Haftpflicht.  Kranken- und Kfz-Versicherung sind gesetzlich vorgeschrieben. "Die private Haftpflichtversicherung ist genauso wichtig – auch sie sollte Pflicht sein“, meint Expertin Steckkönig.

Die Haftpflichtpolice sichert einen ab, wenn man fremdes Eigentum beschädigt oder gar Schuld daran ist, dass Menschen verletzt werden. Der Schaden kann dann in die Millionen gehen. „So gut wie jede Haftpflichtversicherung ist daher sinnvoll“, meint Steckkönig. Das gilt auch für spezielle Policen wie die für Hundehalter oder jene für Öltankbesitzer. Auch da können hohe Schäden entstehen. Allerdings: Eine gute Privathaftpflicht deckt viele Schäden mit ab. Verbraucher sollten daher auf den Versicherungsumfang achten – und eine bestehende Versicherung daraufhin überprüfen.

Was überflüssig ist

Verzichten kann man in der  Regel auf Versicherungen, die kleine Schäden abdecken. "Eine Versicherung für den Fall, dass die Waschmaschine kaputt geht, muss nicht sein“, sagt Ulrike Steckkönig. Ähnliches gilt für Brillen-, Handy- oder Glasversicherungen (siehe Info). Besser ist es, für solche Fälle auf einem Tagesgeldkonto eine Bargeld-Reserve anzusparen.

Für unnötig hält Steckkönig überdies einen großen Teil der rund 28 Millionen Unfallpolicen, die es in deutschen Haushalten gibt. Insbesondere für Kinder seien sie oft die falsche Wahl. Denn in aller Regel ist nicht ein Unfall sondern eine Krankheit die Ursache für eine unerwartete Behinderung eines Kindes. "Besser als die Unfallpolice ist daher meist eine Kinderinvaliditätsversicherung“, rät Steckkönig.

Wie man kündigt

Überflüssige Policen sollte man schriftlich kündigen. Bei den meisten Versicherungen beträgt die Kündigungsfrist drei Monate zum Ende des Versicherungsjahres. Bei Auto- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen ist es oft nur ein Monat. Ein Sonderkündigungsrecht gibt es, wenn der Versicherer den Beitrag erhöht. Dann darf man ab dem Zeitpunkt kündigen, an dem die Erhöhung wirksam wird. Nachdem einen der Versicherer über die Erhöhung informiert hat, muss man die  Kündigung innerhalb eines Monats abschicken.

Wie man auswählt

Auch bei den notwendigen Versicherungen lässt sich sparen. "Es gibt fast  überall große Preisunterschiede“, erläutert Ulrike Steckkönig. Das gilt nicht nur zwischen Versicherern. Auch ein und derselbe Versicherer hat unterschiedlich teure Tarife. "Nicht immer sind dabei Preisunterschiede gleichbedeutend mit Leistungsunterschieden“, sagt Steckkönig. Ähnlich gute Haftpflichtversicherungen etwa gibt es für rund 80 bis 130 Euro. Hilfe bietet der Versicherungsratgeber der Stiftung Warentest (ISBN: 978-3-86851-317-2, 16,90 Euro).

Diese Policen sind unnötig. Auch kleine Beträge läppern sich. Daher sind Versicherungen verzichtbar, die auf den ersten Blick zwar wenig kosten, jedoch Schäden absichern, die nicht existenzbedrohend sind:

  • Brille, Handy, Glas. Gehen diese Dinge kaputt, zahlt man es lieber selbst. Am besten dafür etwas Geld zurücklegen.
  • Reisegepäck. Abgesehen davon, dass die Versicherung in vielen Fällen nicht leistet: Gepäck ist oft in einer Hausratversicherung mit drin.
  • Autobrief. Der Schutz für Pannen ist mittlerweile in vielen Fällen in der Kfz-Versicherung enthalten, eine eigener Schutz daher überflüssig.
  • Insassenunfall. Sie ist unnötig, weil die Mitfahrer über die Kfz-Haftpflicht geschützt sind. Für den eigenen Schutz wählt man lieber eine Berufsunfähigkeitsversicherung.
  • Krankenhaustagegeld. Sie zahlt nur für den Aufenthalt im Krankenhaus. Als Schutz vor langer Krankheit eignet sich eher die Krankentagegeldversicherung.

Diese Policen sind sinnvoll. Haftpflicht-, Kranken- und Kfz-Versicherung sind für jeden Haushalt Pflicht. Was sonst noch empfehlenswert ist:

  • Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie ist meist nicht gerade günstig – aber für alle Berufstätigen wichtig. Die Versicherung zahlt eine Rente, wenn man den bisherigen Beruf nicht mehr ausüben kann. Wer sie nicht bekommt, sollte es mit einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung probieren. Die zahlt aber nur, wenn man überhaupt nicht mehr arbeiten kann.
  • Risikolebensversicherung. Jeder, der für andere Menschen sorgt, sollte sie haben – insbesondere, wenn noch ein Kredit fürs Haus läuft. Nach dem Tod zahlt sie Geld an nahe Angehörige aus.
  • Auslandsreisekrankenversicherung. Für Reisen in Länder außerhalb der EU ist sie Pflicht, aber auch innerhalb Europas ist die Police zu empfehlen. Grund: Die gesetzliche Versicherung erstattet nicht alle Behandlungskosten im EU-Ausland – und vor allem zahlt sie keine Krankenrücktransporte.