UNCTAD-Volkswirt Flassbeck: Es geht nicht ohne Intervention "Viele Märkte spiegeln nichts Reales mehr wider"

Der Chef-Volkswirt der UN-Welthandels- und Entwicklungskonferenz UNCTAD, Heiner Flassbeck, hat die Spekulationen mit Rohstoffen an den internationalen Handelsplätzen kritisiert. "Das Gefährliche ist, dass hier systematisch falsche Preise erzeugt werden", sagte Flassbeck der Nachrichtenagentur dapd. Die Rohstoffzyklen seien weitgehend entkoppelt von der realen Wirtschaft.

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"Viele Märkte spiegeln nichts Reales mehr wider"

Mannheim/Genf (dapd). Der Chef-Volkswirt der UN-Welthandels- und Entwicklungskonferenz UNCTAD, Heiner Flassbeck, hat die Spekulationen mit Rohstoffen an den internationalen Handelsplätzen kritisiert. "Das Gefährliche ist, dass hier systematisch falsche Preise erzeugt werden", sagte Flassbeck der Nachrichtenagentur dapd. Die Rohstoffzyklen seien weitgehend entkoppelt von der realen Wirtschaft. "Viele Märkte spiegeln nichts Reales mehr wider", fügte er hinzu.

An den Rohstoffmärkten sei ein "Superzyklus entstanden, der unglaublich nach oben oder unten schießt". Flassbeck sprach sich für eine Regulierung der Rohstoffmärkte aus - "bis hin zur Intervention". An den Devisenmärkten sei es alltäglich, dass Zentralbanken eingreifen.

In Entwicklungsländern seien die Auswirkungen des Handels an den Rohstoffmärkten noch viel dramatischer als in Europa, weil sie oft von Weizen oder Mais abhängig seien und nicht schnell umsteigen könnten. Akut - wie jetzt bei der Hungerkatastrophe in Somalia - müsse mit Nahrungsmittellieferungen geholfen werden.

Langfristig müsse man aber dafür sorgen, dass sich die Produktivität der Landwirtschaft in den Entwicklungsländern erhöht. Das Problem sei, dass es kein funktionierendes Finanzsystem gebe, um Kredite aufzunehmen.

In Europa habe es 50 Jahre ein "Agrarpreisregime" gegeben, bei dem die Märkte stark reglementiert worden seien. Das habe vor allem der Preissicherheit gedient. Nach den Worten Flassbecks muss dies auch Vorbild für die afrikanischen Staaten sein. "Man kann jetzt nicht sagen, dass die Afrikaner auch so flexibel sein müssen wie die Großbauern in Europa heute", sagte er. "Es geht nicht ohne Intervention."

dapd