Ausgabenanalyse des Sparkassenbunds Mehr Deutsche könnten sich Eigenheim leisten

Wofür geben die Deutschen ihr Geld aus? Und welche Rolle spielen dabei die Kosten fürs Wohnen? Nach einer Studie des Sparkassenbunds könnten sich mehr Deutsche als gedacht eine eigene Immobilie leisten. Wohnen und Mobilität sind in Deutschland starke Kostentreiber – beide betreffen auch das Handwerk.

  • Bild 1 von 2
    © Foto: Ingo Bartussek/Fotolia
  • Bild 2 von 2
    © Quelle: DSGV

Wer weiß, wofür er jeden Monat am meisten Geld ausgibt, weiß auch, wo er sparen kann. Wer weiß, wofür der Durchschnittsdeutsche jeden Monat am meisten Geld ausgibt, kann als Unternehmer aber auch seine eigenen Geschäfte danach richten. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) hat auf Grundlagen von Daten des Statistischen Bundesamts sogenannte Referenzbudgets ermittelt, die zeigen, dass deutsche Haushalte besonders viel fürs Wohnen und Unterwegssein mit Auto und Bahn ausgeben: für Kernbereiche, die auch die Aufgaben des Handwerks betreffen.

Eigentumsquote in Deutschland niedrig

"Die Bürger sollen Einnahmen und Ausgaben in der richtigen Balance halten, gezielt bremsen oder auch mal einen Gang zulegen können", sagte Georg Fahrenschon bei der Vorstellung des neuen Online-Angebots der Sparkassen, mit dem jeder seine eigene finanzielle Ausstattung mit Durchschnittswerten anderer Haushalte vergleichen kann.

Die Referenzbudgets sollen laut dem Sparkassenpräsidenten aber nicht nur beim Sparen helfen. Sie zeigen auch, dass Deutschland dringend die Eigentumsquote bei den Immobilien erhöhen sollte, mahnt Fahrenschon. So sollten vor allem junge Familien mit eher niedrigem Einkommen entlastet werden können, denn die Ausgaben für Miete und Nebenkosten würden hier stark zu Buche schlagen.

Fahrenschon fordert deshalb von der Politik, mehr lokale Bündnisse für Wohnungsbau aufzubauen, mehr Bauland günstig auszuweisen und dies jungen Familien zu besonderen Konditionen zur Verfügung zu stellen. Zudem plädiert er für eine Neuauflage der Eigenheimzulage, bei der die Zahl der Kinder sowie die Einkommenssituation berücksichtigt werden sollte.

Hohe Ausgaben fürs Wohnen

"Der jüngste EZB-Vergleich zur Vermögenssituation privater Haushalte hat deutlich gemacht, welche Bedeutung den eigenen vier Wänden für die Vermögensbilanz zukommt", sagt der Sparkassenpräsident und verweist auf die niedrige Wohneigentumsquote von knapp 50 Prozent in Deutschland. Im europäischen Vergleich liegen wir damit beim Vermögens-Ranking weit hinter Krisenländern wie Spanien oder Zypern zurück.

Egal ob Single, Familie mit einem Kind und vergleichsweise wenig Einkommen oder Paar mit mehreren Kindern und mehr Einkommen – bei allen bleiben die Ausgaben fürs Wohnen mit Abstand die höchsten. Je nach Lebenssituation steigen die anderen Werte: So geben Familien mit steigender Kinderzahl umso mehr für Nahrungsmittel, Bildung und Freizeit aus und mit dem Einkommen steigt auch die Summe der Ausgaben für die Mobilität.

Seite 2: Was Beispielrechnungen zeigen und wo für das Handwerk noch viel Auftragspotenzial liegt. >>>

Gibt man in den Online-Rechner beispielsweise die Angaben einer jungen Familie ein, mit einem Kind unter einem Jahr und einem Netto-Einkommen, das bei der Obergrenze von 3.529 Euro liegt, so zeigt sich, dass diese im Schnitt 677 Euro pro Monat fürs Wohnen ausgeben und 131 Euro für die Ausstattung der Wohnung. Neben vielen anderen kleineren und größeren Ausgaben kommen 597 Euro für die Mobilität dazu.

Miete belastet genauso wie Baukredit

Nach den Berechnungen des DSGV würden die finanziellen Belastungen für die meisten nicht ansteigen, wenn sie statt einer Miete auf die Finanzierung einer eigenen Immobilie setzen würden. Mehr als 75 Prozent der Mieter wünschten sich eine eigene Immobilie, meldet der Verband und ist – natürlich auch als eigener Immobilienkreditanbieter – der Meinung, dass die monatliche Belastung auch bei Familien in unteren Einkommensklassen über alle Lebensphasen hinweg konstant sei.

Wie viel Potenzial beim Thema Wohnen aus Ausstattung in Deutschland auch aus Sicht des Handwerks noch vorhanden ist, zeigten bereits die Daten der neuesten Zensus-Auswertung. So stehen für die rund 80,2 Millionen Menschen in der Bundesrepublik zwar mehr als 19 Millionen Gebäude mit über 41 Millionen Wohnungen zur Verfügung.

Allerdings ist nicht jede Wohnung mit dem gleichen sanitären Standard ausgestattet. In mehr als 600.000 Wohnungen fehlen entweder Toilette, Dusche oder eine Badewanne. In über 225.000 Haushalten befindet sich nur ein WC. Das sind rund 0,8 Prozent der Haushalte.

Sozialen Wohnungsbau stärker fördern

Dem Handwerk kommt zusätzlich zugute, dass die Zinsen weiter niedrig sind und die Bereitschaft neu zu bauen groß ist. So ist die Zahl genehmigter Neubauwohnungen in Deutschland in den ersten fünf Monaten des Jahres deutlich gestiegen. Sie erhöhte sich laut dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15,4 Prozent auf knapp 91.000.

Damit der Bauboom anhält, hat jedoch auch das Baugewerbe Forderungen an die Politik. "Neben der Förderung des sozialen Wohnbaus muss die Absetzung für Abnutzungen (AfA) im Mietwohnungsbau dringend von zwei auf vier Prozent erhöht werden", betont der ZDB.

Potenzial steckt für das Handwerk aber auch im Bereich der Mobilität. Da immer mehr Menschen beruflich viel unterwegs sind und lange Arbeitswege für viele zum Alltag gehören, steigt auch der Reparatur- und Wartungsbedarf an den Autos und Werkstätten haben weiterhin einen guten Zulauf – und das obwohl der Neuwagenmarkt stagniert .

Das Projekt, das der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) vorstellte, basiert auf Daten des Statistischen Bundesamtes. Das hat im Jahr 2008 rund 55 000 Privathaushalte drei Monate lang Haushaltsbücher führen lassen und so deren Ausgaben dokumentiert. Nun hat die Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft (DGH) in Zusammenarbeit mit dem DSGV diese Daten aufbereitet - und für 84 Haushaltstypen die mittleren Ausgaben etwa für Wohnen, Ernährung, Mobilität und Gesundheitspflege errechnet. Die Referenzbudgets des DSGV können Sie unter beratungsdienst-guh.de vergleichen und auch eigene Werte eingeben. dhz