Der milde Herbst hat es gut gemeint mit dem Baugewerbe, die Auslastung im vierten Quartal 2011 war gut. Vor allem der Wohnungsbau trägt entscheidend zum Wachstum bei. Weniger positiv war die Entwicklung etwa im Maschinenbau und im Gesundheitshandwerk.
Die Bauwirtschaft ist auch im vierten Quartal gut ausgelastet gewesen. Bemerkenswert ist, dass die Beschäftigung in der Branche und mit ihr die Kapazitäten seit fast zwei Jahren zunehmen. Als ausdauernder Wachstumsträger erwies sich dabei abermals der Wohnungsbau. Neben der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt und günstigen Finanzierungen geht der Auftrieb auf das gewachsene Bedürfnis der Anleger nach Realinvestitionen zurück. In den ersten elf Monaten des Jahres 2011 erhielten 180.000 neue Wohnungen die Freigabe – fast ein Fünftel mehr als im Referenzzeitraum 2010.
Bei Installationsleistungen für erneuerbare Energien traten zudem Vorzieheffekte ein, weil die Einspeisevergütung für Solarstrom zum Januar 2012 gekürzt wurde.
Während sich der gewerbliche Bau ebenfalls lebhaft entwickelte, geriet die Auftragsvergabe im öffentlichen Bau ins Stocken. Angesichts des Investitionsstaus bei Straßen und gewachsener finanzieller Spielräume der Kommunen besteht jedoch die Hoffnung, dass sich die Tendenz nicht verfestigt.
Handwerk für gewerblichen Bedarf
Der Maschinenbau hat offenbar seinen Wachstumshöhepunkt überschritten. So verfehlten die Bestellungen im November erstmals nach der langen Aufschwungphase ihr Vorjahresniveau. Der Grund: die sich abkühlende Auslandsnachfrage. Vergleichsweise stabil läuft dagegen das Inlandsgeschäft.
Alles in allem produzierten die Zulieferer bis Jahresende auf Hochtouren. Reger Betrieb herrschte darüber hinaus bei den Landmaschinenmechanikern. Deren Umsätze legten im abgelaufenen Jahr um ein Sechstel zu.
Kraftfahrzeuggewerbe
Am Automarkt lassen die Auftriebskräfte allmählich nach. Die Pkw-Neuanmeldungen übertrafen von Oktober bis Dezember den Vorjahreswert um drei Prozent. Gefragt waren die Oberklasse, Vans und Geländewagen, die bevorzugt von Firmen geordert werden. Zudem lagen die Verkäufe von Nutzfahrzeugen spürbar im Plus.
Dagegen enttäuschte der Absatz an Privatkunden. Darauf weist auch die Vielzahl der Rabattaktionen hin. Der Anteil taktischer Zulassungen von Händlern und Herstellern, um Fahrzeuge billiger auf den Markt zu bringen, erreichte im Dezember nach Angaben des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer 29 Prozent.
Der Gebrauchtwagenhandel war im Schlussquartal lebhaft; Besitzumschreibungen verbuchten ein Plus von knapp sechs Prozent. Die Serviceaufträge reichten zum Jahresende für 0,6 Monate und damit etwas weiter als 2010.
Lebensmittelhandwerke
Die Nachfrage nach Produkten der Bäcker, Fleischer und Konditoren erhielt in jüngerer Zeit Rückenwind durch die in der Bevölkerung steigende Wertschätzung für gesunde Nahrung mit regionalem Bezug. Von Vorteil ist dabei, dass die Fachbetriebe im Gegensatz zum Einzelhandel schnell auf veränderte Kundenwünsche reagieren können.
Mit der Verkaufstätigkeit der letzten Monate war die Branche weitgehend zufrieden. Auf der anderen Seite belastete der ungebremste Anstieg der Energie- und Rohstoffkosten die Erträge. Zudem mussten sich die Fachverbände der Bäcker und Fleischer gegen irreführende Werbung der Discounter zur Wehr setzen.
Gewerbe für privaten Bedarf
Die meisten konsumnahen Handwerke verzeichneten die gewohnte vorweihnachtliche Belebung der Umsatztätigkeit. Aber auch aus konjunktureller Sicht dürften die vergangenen Monate Zufriedenheit ausgelöst haben. Ein kräftiges Plus bei den Bruttolöhnen und die steigende Beschäftigung eröffneten den Verbrauchern Spielräume zur Konsumausweitung. Uhrmacher, Juweliere und Goldschmiede erzielten deutliche Zuwachsraten, da Edelmetalle sowohl als Geschenk wie auch als sichere Geldanlage sehr beliebt waren.
Schwächer verlief die Entwicklung im Gesundheitshandwerk. Nach Angaben des Zentralverbandes der Augenoptiker sind die Stückzahlen 2011 rückläufig gewesen. Bei den Zahntechnikern stand die Befürchtung im Raum, dass die Zahnärzte in Erwartung der zum 1. Januar 2012 eingeführten neuen Gebührenordnung einen Teil der Behandlungsfälle zurückstellen würden. we/los
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