Die Bundesliga im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de VfL Wolfsburg: Meisterlich ohne Meistermacher

Gibt es einen neuen Branchenprimus in der Fußball-Bundesliga? DHZ-Kolumnist Stefan Galler sieht den VfL Wolfsburg auf bestem Wege, den FC Bayern München abzulösen. Und dann gibt es da noch ein paar Marketing-Vorschläge für die Kölner zur Poldi-Rückkehr.

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VfL Wolfsburg: Meisterlich ohne Meistermacher

Meisterbetrieb: Meisterlich ohne Meistermacher

Jetzt müssen wir zunächst mal kurz und knapp mit dem Märchen aufräumen, der VfL Wolfsburg sei nur deshalb in der Vorsaison Deutscher Meister geworden, weil er in Felix Magath den besten Trainer besaß. Völliger Blödsinn, die Wölfe sind einfach eine großartige Mannschaft. Das zeigt sich nun auch unter dem neuen Coach Armin Veh. Wie souverän sie in Köln in der Schlussphase einen Rückstand wettmachten, am Ende ganz cool siegten und dabei sogar Neuzugang Obafemi Martins noch ein Tor beisteuerte, das dürfte so manchen Bayern-Fan geradezu geschockt haben. Folgerichtig hat der VfL nach zwei Spielen das Punktemaximum und bereits vier Zähler Vorsprung auf den (ehemaligen?) Branchenprimus aus dem Süden. Übrigens können bisher nur die Schalker mit den Wolfsburgern Schritt halten. Experten führen das übrigens darauf zurück, dass die mit Felix Magath jetzt den besten Trainer haben.

Gesellenstück: Der Prinz – die Rückkehr

Der Rheinländer ist ja bekanntlich besonders begeisterungsfähig. Das zeigt sich nicht nur Jahr für Jahr beim Rosenmontagsumzug, der auch dann von Millionen Narren begeistert beobachtet wird, wenn es neben Kamelle auch noch Hunde und Katzen regnet. Kein Wunder also, dass man in Köln "Die Rückkehr des Prinzen" am Samstag mit aller denkbaren Euphorie feierte. Und auch wenn das FC-Comeback von Lukas Podolski gegen Meister Wolfsburg nicht von Erfolg gekrönt war und man nach zwei Spieltagen als einziges Team der Liga noch ohne Punkt ist, dürften sich die Fans am Abend doch ganz zufrieden in ihre Geißbock-Bettwäsche gekuschelt haben. Vielleicht hat sich ja der ein oder andere im Stadion mit der neuen DVD "Lukas Podolski – Der Mensch – Die Rückkehr – Tore, Tore, Tore" eingedeckt. Das neueste Produkt aus der "LP-Kollektion", die ansonsten allerdings nur aus Kapuzenpullis, T-Shirts und Caps besteht. Eigentlich schade, schließlich würde der geneigte FC-Fan vermutlich noch viel mehr Produkte aus der Poldi-Linie kaufen und damit den Rücktransfer zu einem Gewinngeschäft machen.

Wir hätten da ein paar Vorschläge, vielleicht liest die Kölner Merchandising-Abteilung ja mit. Wie wäre es etwa mit dem speziellen Poldi-Kompass mit dem Aufdruck "Alle Wege führen zum Dom", der einen aus jeder Ecke der Welt immer in die geliebte Heimatstadt zurückführt. Der Hit für alle FC-Fans im Säuglingsalter wäre bestimmt die "Lukas-klein, ging allein"-Spieluhr. Der überdimensionale Reisekoffer für den Zwei-Jahres-Trip nach München könnte bestimmt ebenso ein Kassenschlager werden wie der spezielle Podolski-Leasingvertrag für Wohnmobile: Man bekommt Betrag X vom Vermieter, ist dann zwei Jahre lang unterwegs und zahlt nach der Rückgabe in Köln anschließend den Betrag auf Heller und Pfennig wieder zurück. Doch der größte Renner im Sortiment wäre vermutlich dieses Teil: Der Prinzenrolle-Spender mit Poldi-Konterfei, auf Knopfdruck oben kommt unten ein Doppelkeks raus. Also, liebe Kölner Bosse: Ein bisschen Kreativität, bitte! Irgendwie muss sich diese Rückholaktion doch auszahlen.

Erstes Lehrjahr: Neuzugang aus der Finanzbehörde

Die Finanzkrise – sie ist natürlich auch im Profifußball ein riesengroßes Thema. Man kennt das ja aus der freien Wirtschaft: Geht es einem Großindustriellen gut, dann geben sich die Reichen und Schönen die Klinke in die Hand. Es gibt große Empfänge und prächtige Partys, der Jet-Set sonnt sich in der Umgebung des erfolgreichen Geschäftsmannes. Gehen die Bilanzen allerdings in den Keller, dann interessiert sich auch kein Schwein mehr für den einst so glamourösen Ex-Dandy, außer vielleicht ein paar Gläubiger und die Steuerpolizei.

Uli Hoeneß kennt einen solchen Fall im fernen Spanien. Real Madrid, ein königlicher Verein mit großen Erfolgen und einer beispiellosen Historie, könnte laut dem findigen Bayern-Manager schon bald zum Aschenputtel des Weltfußballs mutieren. Dabei zogen die Madrilenen zuletzt alle Register, holten die Besten der Besten in die iberische Metropole: Cristiano Ronaldo, Kaká und Franzosen-Star Karim Benzema – um nur ein paar Neuzugänge zu nennen. Die Konsequenz aus dem königlichen Kaufrausch kann nun entweder sein, dass Real in den nächsten Jahren alle Titel abräumt und sich mit weiteren Megastars wie Franck Ribéry zusätzlich verschönert. Oder es tritt das ein, was Hoeneß erwartet: "Die haben jetzt 850 Millionen Euro Schulden. Nächstes Jahr kommt zu denen höchstens der Gerichtsvollzieher, aber auf keinen Fall Ribéry", so der schwäbische Sparfuchs. Das wäre bitter, denn es ist einerseits zu vermuten, dass der Mann mit dem Kuckuck nicht ganz so gut kicken kann wie zum Beispiel Portugiesen-Pfau Ronaldo. Sicher ist jedoch, dass sich die Oberbekleidung des Herrn von der Finanzverwaltung nicht annähernd so oft verkaufen würde wie die Trikots der echten Stars. Und da wird es dann richtig unrentabel.

Zwei linke Hände: In einer anderen Welt

Am letzten Spieltag der Vorsaison wurde zwischen beiden Teams der letzte Platz im internationalen Geschäft ausgespielt, doch die Begegnung zwischen dem HSV und Borussia Dortmund war auch diesmal in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Zunächst mal diese erfrischend taktikfreie Anfangsphase: Bis zur zwölften Minute stand es schon 3:1, weil die Defensivkräfte offenbar noch gar nicht mitbekommen hatten, dass die Partie schon lief. Das galt auch für BVB-Schlussmann Roman Weidenfeller, der beim 0:1 unter einem Eckball hindurchrauschte, sich beim 1:2 tunneln ließ und das abschließende 1:4 durch eine Abwehr in die Mitte des Strafraums selbst vorlegte. Diese Unzulänglichkeiten hielten ihn jedoch nicht davon ab, sich selbst eine starke Leistung zu attestieren. Das lässt darauf schließen, dass Profifußballspieler schnell mal den Blick für die Realität verlieren – gerade, wenn sie den Beruf des Torwarts ausüben. Und während Weidenfeller trotz des Debakels mit sich und der Welt im Reinen war, plagte Borussia-Trainer Jürgen Klopp nach eigener Aussage wegen der Vorstellung seiner Mannschaft "ein Drecksgefühl".

Da erging es ihm naturgemäß schlechter als den Hamburger Kollegen, bei denen sich Frank Rost gemäß seiner Berufung als Torverhinderer profilierte. Aber eben nicht so, wie man das von einem Keeper erwartet, sondern auf dem diplomatischen Weg: Als das Schiedsrichtergespann kurz vor Schluss im Begriff war, einen Treffer des Dortmunders Rangelov zum 2:4 anzuerkennen, berief Rost einen Debattierklub mit Schiedsrichter Kempter und dessen Assistenten ein und überzeugte das Duo davon, dass ihm, dem HSV-Torwart durch den vor ihm im Abseits stehenden BVB-Kicker Sahin die Sicht verdeckt war. Die Schiris pfiffen auf das Prinzip der Tatsachenentscheidung, schlossen sich Rosts Meinung an und erkannten den Treffer ab. Letzte Woche hatte Rudi Völler vorgeschlagen, die Unparteiischen abzuschaffen – schön, dass diese offenbar dabei sind, sich selbst zu entsorgen.