Gurken und Co. landen nach Entwarnung wieder im Einkaufskorb - Experte rechnet mit rascher Erholung Vertrauen in Gemüse kehrt langsam zurück

Die Angst der Verbraucher vor mit EHEC infizierten Gemüsesorten ist mit der Identifikation von Sprossen als Erregerquelle kleiner geworden. Der Höhepunkt der Kaufzurückhaltung bei Tomaten, Salatgurken und Blattsalaten sei in der vergangenen Woche überschritten worden, sagte der Gartenbauexperte bei der Agrarmarkt Informations GmbH AMI, Hans-Christoph Behr, am Dienstag in Bonn auf dapd-Anfrage.

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Vertrauen in Gemüse kehrt langsam zurück

Bonn (dapd). Die Angst der Verbraucher vor mit EHEC infizierten Gemüsesorten ist mit der Identifikation von Sprossen als Erregerquelle kleiner geworden. Der Höhepunkt der Kaufzurückhaltung bei Tomaten, Salatgurken und Blattsalaten sei in der vergangenen Woche überschritten worden, sagte der Gartenbauexperte bei der Agrarmarkt Informations GmbH AMI, Hans-Christoph Behr, am Dienstag in Bonn auf dapd-Anfrage.

Während zwischen dem 30. Mai und 5. Juni nur 7,1 Prozent aller Haushalte Salatgurken gekauft hätten, sei der Anteil in der vergangenen Woche wieder auf 11 Prozent gestiegen. Vor Bekanntwerden der EHEC-Epidemie Mitte Mai hätten noch 24,4 Prozent der Haushalte Salatgurken gekauft. "Der Käuferanteil ist immer noch relativ reduziert im Vergleich zu dem, was normal ist", erklärte Behr. Es sei aber damit zu rechnen, dass das Misstrauen im Laufe dieser Woche mit "ziemlich raschen Schritten" abnehmen werde.

Bei Blattsalaten liege der Käuferanteil in krisenfreien Zeiten bei durchschnittlich 20 Prozent. Zum Höhepunkt der EHEC-Debatte Ende Mai hätten nur noch 9,3 Prozent der Haushalte Salate gekauft. In der vergangenen Woche trauten sich laut Behr immerhin 11,9 Prozent.

Ähnlich sei der Einbruch bei Tomaten verlaufen, sagte der Gartenbau-Experte weiter. Vor dem Medienrummel um EHEC hätten 14 Prozent der kaufenden Haushalte das Gemüse in den Einkaufskorb gelegt. Zwei Wochen später seien es nur noch 7,5 Prozent gewesen. Erholung ist laut Behr aber auch bei der Tomate in Sicht: In der vergangenen Woche sei der Käuferanteil auf 10,9 Prozent gestiegen. Am Dienstag hätten die Märkte von einem "lebhaften Geschäft" berichtet.

Grund für die zaghafte Rückkehr des Verbrauchervertrauens ist nach Einschätzung Behrs die Identifikation von Sprossen als EHEC-Quelle. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, hatte die Warnung vor dem Verzehr von Tomaten, Salatgurken und Blattsalaten am Freitag aufgehoben. "Freitag und Samstag sind starke Einkaufstage", erklärte Behr. Es sei wahrscheinlich, dass an diesen beiden Tagen bereits wieder deutlich mehr Gemüse über die Ladentheke gegangen sei als in den drei Wochen zuvor.

Von Preissenkungen hätten die Händler während des Höhepunkts der EHEC-Epidemie jedoch abgesehen, sagte Behr weiter. "Wenn ich eine Gurke, die 49 Cent kostet, für gefährlich halte, kaufe ich sie auch nicht für 19 Cent." Im Gegenteil: Preissenkungen beflügelten nur das Misstrauen der Konsumenten.

Die deutschen Gemüsebauern mussten einen erheblichen Teil ihrer Ernte vernichten, da es für ihre Produkte keine Käufer gab. Obwohl die Landwirte schon frühzeitig durch eine Vielzahl von Analysen nachweisen konnten, dass ihre Ware frei von EHEC-Erregern ist, konnten sie einen Umsatzeinbruch nicht verhindern.

dapd