Ein Straßenverkehr ganz ohne Verkehrstote. Laut Dekra könnte das schon bald Realität sein. Allerdings gibt es laut dem Verkehrssicherheitsreport noch viel zu tun – gerade innerorts.

Im aktuellen Report fällt der Begriff "Vision Zero". Damit peilen die Dekra und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat das Ziel von null Verkehrstoten im Jahr an. Von dieser Vision sei man zwar noch weit entfernt, es gäbe allerdings viele Städte in Europa, die dieses Ziel schon mindestens erreicht hätten.
Null Verkehrstote sind zu schaffen
Wie eine Auswertung der Unfallstatistiken aus den Jahren 2009 bis 2012 zeigt, haben in diesem Zeitraum in Deutschland 100 Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern mindestens einmal den Idealwert von 0 Verkehrstoten erreicht: 34 Städte einmal, 41 Städte zweimal, 19 Städte dreimal und sechs Städte viermal. Von den Großstädten über 100.000 Einwohner haben zwölf Städte einmal und weitere fünf Städte zweimal 0 Verkehrstote verzeichnet.
Ähnlich positive Entwicklungen gibt es auf europäischer Ebene: In 17 ausgewerteten Ländern haben insgesamt 462 Städte über 50.000 Einwohner mindestens einmal den Nullwert erreicht. Um sich der "Vision Zero" speziell in den Städten weiter anzunähern, hat die Dekra eine Reihe von Handlungsfeldern identifiziert. Ganz oben steht das Verhalten der Verkehrsteilnehmer. "Mehr kooperatives Miteinander im Straßenverkehr ist ein Muss", sagt Clemens Klinke, Vorstandsmitglied der Dekra.
Assistenzsysteme bieten großes Potenzial
Um sich der "Vision Zero" speziell in den Städten weiter anzunähern, hat die Dekra eine Reihe von Handlungsfeldern identifiziert. Ganz oben steht das Verhalten der Verkehrsteilnehmer. "Mehr kooperatives Miteinander im Straßenverkehr ist ein Muss", so Klinke.
Ein großes Potenzial bieten auch elektronische Fahrerassistenzsysteme. Ziel muss es laut Dekra sein, die Ausstattungsquoten neuer Fahrzeuge mit derartigen Systemen deutlich zu erhöhen. Ein weiterer Punkt ist die Infrastruktur: Ob Kreuzungsbereiche, mehrstreifige Straßen oder Haltestellen – alle komplexen Verkehrssituationen müssen für alle Verkehrsteilnehmer so begreifbar wie möglich gestaltet sein.
Rückgang der Verkehrstoten
Laut dem Report ist Europa mit Blick auf die Verkehrstoten auf einem guten Weg. Nach Auswertung von vorläufigen Daten sind 2013 auf den Straßen der EU 25.885 Menschen ums Leben gekommen. Gegenüber 2012 ist das ein Rückgang um acht Prozent. Laut Dekra sei die positive Entwicklung allerdings kein Ruhekissen. Dass es noch viel zu tun gibt, unterstreichen speziell die Unfallstatistiken aus dem städtischen Bereich.
In Deutschland machten Unfälle innerorts 2012 knapp drei Viertel aller Unfälle aus. Dabei seien 1.062 Menschen ums Leben gekommen. Zugleich gibt es die meisten Schwer- und Leichtverletzten bei Unfällen innerorts. In vielen EU-Staaten zeige sich laut Verkehrsreport ein ähnliches Bild.
"Im städtischen Verkehr treffen die Stärksten, also LKW, Busse und PKW, auf die Schwächsten, nämlich Fußgänger und Radfahrer. Dazu sind Straßen- und Stadtbahnen unterwegs. All das führt zu einer großen Vielfalt an Verkehrssituationen und zu sehr spezifischen Risiken", sagt Klinke.
Folgenschwere Unfälle bei Kollisionen mit Fußgängern
Darüber hinaus geht aus dem Report hervor, dass die folgenschwersten Unfälle in der Regel Kollisionen zwischen Fahrzeugen und Fußgängern sind. Insgesamt machen sie 13,5 Prozent aller Unfälle aus, sind aber für 20,7 Prozent aller Schwerverletzten und 35,6 Prozent aller Getöteten verantwortlich. "Dass Fußgänger und Radfahrer weit überdurchschnittlich gefährdet sind, zeigt auch eine Auswertung der Unfallzahlen im Hinblick auf das Risiko für unterschiedliche Verkehrsteilnehmer", so Klinke.
Der Dekra-Verkehrssicherheitsreport 2014 steht online unter dekra.de kostenfrei zum Download zur Verfügung. cle