Steuertipp Verkauf eines Firmenwagens: Unfaire Besteuerung?

Nutzt ein Unternehmer seinen Firmenwagen auch privat, muss er dafür einen bestimmten Betrag dem Gewinn hinzuzurechnen. Damit wirkt sich nur ein Teil der tatsächlichen Kosten als Betriebsausgabe aus. Ist es dann gerecht, wenn das Finanzamt den kompletten Gewinn aus dem Verkauf des Firmenwagens besteuert? Damit muss sich nun das Bundesverfassungsgericht beschäftigen.

Steuertipp
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Typischer Fall aus der Praxis

Eine selbstständige Handwerkerin (mit Friseursalon) nutzt einen Firmenwagen auch privat. Den betrieblichen Nutzungsumgang ermittelt sie durch ein Fahrtenbuch. Sie nutzt den Firmenwagen zu 30 Prozent betrieblich und zu 70 Prozent privat. Für die 70-prozentige Privatnutzung erhöht die Unternehmerin ihren Gewinn. Unter dem Strich wirken sich also nur 30 Prozent der Betriebsausgaben für den Firmenwagen gewinnmindernd aus.

Verkauft die selbstständige Friseurin ihren Firmenwagen mit 10.000 Euro Gewinn (z.B. Verkaufspreis 15.000 Euro abzgl. Buchwert des Firmenwagens im Zeitpunkt des Verkaufs 5.000 Euro), besteuert das Finanzamt den Veräußerungsgewinn in voller Höhe und nicht etwa nur mit 30 Prozent. Ist das in Ordnung? Zumindest wenn es nach den Richtern des Bundesfinanzhofs geht, ja (BFH, Urteil v. 16.6.2020, Az. VIII R 9/18).

Steuertipp: Der Fall ist nun jedoch vor dem Bundesverfassungsgericht gelandet (Az. 2 BvR 2161/20). Nach aktueller Rechtslage müssen Unternehmer den gesamten Veräußerungsgewinn gewinnerhöhend behandeln und versteuern. Doch gegen den Steuerbescheid für dieses Jahr sollte mit Hinweis auf den Musterprozess beim Bundesverfassungsgericht Einspruch eingelegt werden. dhz