Der Verkauf der Dresdner Bank durch den Versicherungskonzern Allianz an die Commerzbank ist auf ein unterschiedliches Echo gestoßen. Die Regierung sieht durch die Übernahme eine Perspektive für eine Konsolidierung des deutschen Bankenmarktes.
Verkauf der Dresdner-Bank: Das müssen Kunden beachten
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) begrüßte die Übernahme und bewertete sie positiv für den Finanzplatz Deutschland. Nach Angaben von Regierungssprecher Wilhelm teilt die Regierung diese Einschätzung und begrüßt den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2011. Berichte über eine angebliche Einmischung von Seiten der Bundeskanzlerin wies Wilhelm als "nicht zutreffend" zurück.
Die Allianz, die nach Abschluss des Verkaufs weiter knapp 30 Prozent an der Commerzbank halten will, wird auch im Aufsichtsrat der neuen Bank prominent vertreten sein. Allianz-Chef Michael Diekmann wird dort Stellvertreter des Vorsitzenden Klaus-Peter Müller, wie die Commerzbank in Frankfurt am Main mitteilte. Vorstandssprecher der Commerzbank bleibe Martin Blessing. Vom achtköpfigen Dresdner-Bank-Vorstand werde indes lediglich der amtierende Vorstandsvorsitzende Herbert Walter im Führungsgremium der vergrößerten Commerzbank vertreten sein.
Angesichts des Abbaus von rund 9.000 der insgesamt 67.000 Stellen bei beiden Banken fordert ver.di-Bundesvorstandsmitglied Uwe Foullong Verhandlungen über Beschäftigungs- und Standortsicherungen. Der zugesagte Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2011 reicht nicht aus. "ver.di will vom Vorstand der Commerzbank eine Vereinbarung zur Integration der Dresdner Bank, in der konkrete, weitergehende Regelungen zur Beschäftigungs- und Standortsicherung enthalten sind", sagte Foullong.
Der Betriebsrat der Dresdner Bank, Franz Scheidel, befürchtet, dass der Stellenabbau vor allem sein Institut treffen wird. Es gebe "sehr viel Unsicherheit" unter den Beschäftigten. "Ich glaube, dass Mitarbeiter von Commerzbank und insbesondere der Dresdner Bank jetzt die Chance nutzen werden, sehr deutlich zu machen, dass sie mehr erwarten als das, was gestern auf den Tisch gelegt worden ist", sagte er dem Sender n-tv. Hier sei auch die Allianz in der Verantwortung.
Für Kunden von Dresdner und Commerzbank bleibt der Zusammenschluss Verbraucherschützern zufolge zunächst ohne Auswirkungen. "Die bisher bestehenden Vertragsbedingungen bleiben bestehen, das heißt es ändern sich weder bestehende Verzinsungen noch gibt es Änderungen bei den Kosten", teilte die Verbraucherzentrale Berlin mit. Trotzdem sollten die Kunden die weitere Entwicklung genau verfolgen. "Die Fusion wird sicherlich dazu führen, dass zukünftig das eine oder andere bisherige Angebot vom Markt verschwindet und auch manch eine Filiale geschlossen werden wird", hieß es weiter.
Am Aktienmarkt brach der Kurs der Commerzbank-Aktie teilweise um mehr als zehn Prozent auf 18,00 Euro ein. Einige Analysten bezeichneten die Kaufpreis als höher als erwartet. Die Allianz-Aktie notierte hingegen nahezu unverändert. Die Übernahme der Allianz-Tochter Dresdner durch die Commerzbank für 9,8 Milliarden Euro war am Sonntagabend nach monatelangen Verhandlungen besiegelt worden.
ddp